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Friedrich Hesse (CDU) hofft, dass der Ginnheimer Wochenmarkt attraktiver wird.
Verkehr in Frankfurt
Frankfurt

„Informationspolitik war miserabel“

Von Jan Klauth
08:19

Friedrich Hesse (CDU) ist seit 2006 Ortsvorsteher des neunten Frankfurter Ortsbezirks (Ginnheim, Eschersheim, Dornbusch). Bereits seit den 70er Jahren ist der 65-Jährige Mitglied des Gremiums. Der Studienrat a. D. lehrte an der Eschersheimer Ziehenschule Französisch und Geografie. Hesse lebt mit seiner französischen Ehefrau im Stadtteil Dornbusch.

Herr Hesse, ein großes Thema im Ortsbezirk dieses Jahr war der Umbau der Eschersheimer Landstraße. Anwohner protestierten gegen die Umleitungen, Händler beklagten Umsatzeinbrüche. Hat sich die Lage mittlerweile entspannt?
Die Lage ist jetzt sicher entspannter als zu Beginn der Bauarbeiten, Beschwerden gibt es aber nach wie vor. Bis heute hat die Stadt keine klaren Schilder zur Umleitung aufgestellt. Das hat zur Folge, dass viele Autos und Lastwagen etwa in der Grommetstraße steckenbleiben.

Was ist seitens der Stadt beim Umbau schiefgelaufen?
Die Informationspolitik war schlichtweg miserabel! Das Anwohnermanagement läuft über eine Agentur in Tübingen. Oft entsteht der Eindruck, dass sich mit dem verantwortlichen Amt für Straßenbau und Erschließung nicht richtig abgestimmt wird. Infos dringen zu spät oder falsch durch. In Zukunft muss der Ortsbeirat im Voraus informiert werden.

Auch der Einzelhandel auf der Eschersheimer ächzt unter der Dauerbaustelle.
Für Einzelhändler, die ohnehin in einer schwierigen Lage sind, kann der Umbau tödlich sein. Bisher musste nach meiner Kenntnis allerdings noch kein Geschäft schließen – trotz Umsatzeinbußen. Problematisch sehe ich eher die kleinen Geschäfte am Dornbusch. Es gibt viel Leerstand, kaum noch alteingesessene Geschäfte. Viele können sich nicht lange halten.

Protestierende Anwohner gab es auch in der Platensiedlung. Haben sich die Ginnheimer mittlerweile mit der geplanten Nachverdichtung angefreundet?
Viele in der Siedlung sind weiterhin skeptisch, was die Pläne betrifft. Auch im Stadtteil rundherum bestehen Ängste vor dem Zuzug. Ich persönlich befürworte die Nachverdichtung. Wohnungen im Umland zu bauen ist nicht die Lösung. Frankfurt braucht mehr Wohnraum, die Platensiedlung kann hier Vorbild werden.

Auch in Eschersheim soll gebaut werden – es entsteht ein neues Wohngebiet nördlich der Anne-Frank-Siedlung. Anwohner befürchten den Verlust der Frischluftschneise und bangen um ihre Kleingärten. Geht die Stadt bei der Planung neuer Viertel zu rigoros vor?
Meiner Meinung nach nicht. Für das Baugebiet gibt es ohnehin noch keine konkreten Pläne. Trotzdem muss im Detail geklärt werden, was mit welcher Fläche passieren soll. In der Platensiedlung hat sich gezeigt, dass man nicht einfach über die Köpfe der Leute hinweg entscheiden kann.

Nach 20 Jahren Kampf wurde im Mai endlich der Ginnheimer Wochenmarkt eröffnet. Doch derzeit herrscht dort Flaute. Viele Händler haben sich zurückgezogen. Ist der Markt gescheitert?
Gescheitert nicht, allerdings hat sich Ernüchterung breitgemacht. Der Standort an der Ginnheimer Landstraße ist problematisch: Nur wenige Kunden kommen von außerhalb, und der Platz ist kein Anziehungspunkt. Der Ortsbeirat setzt sich dafür ein, dass das Umfeld verschönert wird. Geplant ist zudem eine Werbeaktion mit Plakaten in Kooperation mit den Hafen- und Marktbetrieben.

Und welche Themen werden den Ortsbeirat im neuen Jahr beschäftigen?
Leider wird das weiterhin der Umbau der Eschersheimer Landstraße sein. Die Beschwerden von Anwohnern und Händlern werden mit Sicherheit auch beim nächsten Bauabschnitt nicht abreißen. Außerdem beginnt jetzt im Dezember der Ausbau der Main-Weser-Bahn. Vor allem Eschersheim und Ginnheim werden durch die Bauarbeiten betroffen sein, die Details zu Baustellen und Umleitungen sind teils noch ungeklärt. Spannend wird auch die Frage des Schulstandorts in der Platenstraße. Im Hinblick auf die steigenden Einwohnerzahlen durch die Nachverdichtung wäre eine neue Gesamtschule möglicherweise eine sinnvolle Lösung. Im kommenden Jahr brauchen wir hier Klarheit!

Interview: Jan Klauth

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