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Günther Kraus vom Laden Schreibwaren Kraus in Enkheim.
Bergen-Enkheim
Frankfurt

Die letzten ihrer Art

Von Moritz Elliesen
14:03

Viel ist nicht mehr los auf der Marktstraße in Bergen. Außer den zwei Bäcker-Filialen und einem Rewe-Supermarkt gibt es kaum noch Geschäfte. Auf der Triebstraße in Enkheim sieht es ähnlich aus: An die vielen Ladengeschäfte erinnern nur noch die großen Schaufensterscheiben im Erdgeschoss vieler Wohnhäuser. Dahinter verbergen sich aber keine Metzger, Bäcker oder Gemüseläden mehr, sondern Anwaltskanzleien, Fahrschulen oder Versicherungsfilialen. „Einzelhandelsgeschäfte haben wir kaum noch“, sagt Frank Weil, Vorsitzender des Gewerbevereins Bergen-Enkheim und CDU-Ortsbeiratsmitglied.

Das Aussterben des Einzelhandels setzte mit dem Bau des Hessencenters im Jahr 1971 ein. Um ihre Interessen zu vertreten, gründeten die Einzelhändler damals den Gewerbeverein. Viel geholfen hat es nicht: „Den Verfall habe ich hautnah miterlebt“, erzählt Günther Kraus, der seit 38 Jahren eine Mischung aus Schreibwarengeschäft und Einkaufskiosk an der Triebstraße betreibt. Insgesamt 36 Läden hätten nach der Eröffnung des Hessencenters geschlossen. „Die konnten einfach nicht mehr mit der Konkurrenz mithalten.“

Jetzt haben die letzten Ladeninhaber vor allem mit der ausbleibenden Laufkundschaft zu kämpfen. Ein Teufelskreislauf: Je mehr Läden schließen, desto weniger Menschen kommen auf die Straße – das wiederum macht es für die Verbliebenen immer schwieriger.

Eine von ihnen ist Heike Hofmann. Seit 22 Jahren betreibt die 46-jährige Floristin einen Blumenladen an der Ecke von Triebstraße und Riedstraße. „Es gibt bessere Standorte für ein Geschäft“, sagt sie. Laufkundschaft komme hier nicht vorbei. „Es ist schade, dass die Straße so unattraktiv ist.“ Sie könne durch ihre vielen Stammkunden überleben. „Ich bin gut in dem was ich mache.“

Die Verwaisung der ehemaligen Einkaufsstraßen in den beiden Orten aber ausschließlich auf das Hessen-Center zurückzuführen, das wäre zu einfach. Auch die große Supermarkt-Dichte im Gewerbegebiet rund um die Victor-Slotosch-Straße zieht potenzielle Kunden weg. Und wie der Einzelhandel insgesamt haben auch die Händler auf der Trieb- und Marktstraße mit dem Internet-Versandhandel zu kämpfen.

Selbst der Gewerbeverein schlägt inzwischen versöhnliche Töne an: Eine Umfrage unter den Mitgliedern im vergangen Jahr habe ergeben, dass sich niemand mehr unmittelbar durch das Einkaufszentraum bedroht fühlt, sagt Gewerbevereins-Vorsitzender Weil. „Wir werden nicht weiter gegen das Hessen-Center kämpfen.“

Inzwischen gibt es sogar erste kleine Annäherungsversuche: Im vergangen Jahr organisierte der Gewerbeverein mit dem Hessen-Center zusammen einen Shuttlebus zum Weihnachtmarkt an der Nikolauskappelle, beim diesjährigen vom Gewerbeverein organisierten Triebstraßenfest am kommenden Sonntag, 13. Mai, wird das Hessen-Center mit einem Stand und einer Hüpfburg für Kinder vertreten sein.

Das Hessencenter sei keine Konkurrenz, sagt auch Michael Koch. Der 47-jährige führt die Raumausstattung „Koch und Matthes“ in der Markstraße 65b. Die Laufkundschaft bleibe vor allem wegen der Supermärkte in der Viktor-Slotosch-Straße fern, glaubt der Einzelhändler. Probleme bereitet ihm der Online-Versandhandel. Viele Menschen ließen sich bei ihm zwei Stunden beraten, nur um dann billiger im Internet zu bestellen, erzählt er. Dennoch ist er entschlossen den Laden, den sein Ur-Ur-Großvater im Jahr 1871 gründete, weiterzuführen: „Ich bleibe, bis ich umfalle.“

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