© Peter Jülich, FR
Hier noch mit etwas längeren Haaren: Mira (funnypilgrim) ist Influencerin, Bloggerin, hat einen Instagram-Kanal und veröffentlicht Videos bei Youtube.
Bornheim
Frankfurt

Bloggerin Mira ist immer im Dienst

Von Elke Janning
11:31

Wenn Mira in der Pizzeria „Schlaflos“ an der Höhenstraße eine vegane Pizza mit Brokkoli probiert oder am Wochenende den Lohrberg hinauf wandert, hat sie immer den Camcorder dabei. „Der Pizzateig ist sehr gut, ich finde ihn aber etwas zu trocken. Ein bisschen Öl wäre gut“, sagt sie in die Kamera, während sie isst. Und als sie beim Gang auf den Lohrberg außer Puste gerät, erklärt die Bornheimerin ihren Abonnenten: „Hier gibt es übrigens den einzigen Weinberg im Frankfurter Stadtgebiet.“

Mira zeigt seit 2009 ihren Alltag auf ihrem Youtube-Kanal „funnypilgrim“. Sie fährt sich mit den Fingern durch ihr blondiertes, schulterlanges Haar, frischt ihren Lipgloss auf, schaut keck in die Kamera und spricht mit dem Camcorder wie mit einer guten Freundin. Sie bewertet Schminke, zeigt Fashiontrends und berichtet aus ihrem Leben. 350.000 User folgen ihr derzeit auf der Videoplattform Youtube. 95.000 Menschen haben sie auf Instagram abonniert. Darunter die Komikerin Carolin Kebekus. Auch Courtney Love, Rocksängerin und Witwe von Nirvana-Sänger Curt Cobain, folgte ihr bereits. 

Styling, Frisur, Make-up

Mira hat deutsche und philippinische Wurzeln, ihre Kindheit verbrachte sie in Sachsenhausen. Freundinnen baten sie oft um Stylingtipps. So kam sie auf die Idee, Videos zu machen. In ihren ersten Clips zeigte sie sich mit ihrer natürlichen Haarfarbe: braun. Ihr Aussehen hat sich mit den Trends entwickelt, die Frisur und das Make-up sind professioneller geworden. 

„Oh Gott, wie ich damals aussah“, sagt sie und lacht. Auch die Youtube-Szene habe sich mit den Jahren verändert: „Die Qualität der Videos ist besser geworden, weil die Ansprüche der User gestiegen sind.“ Derzeit zählt ihr Kanal funnypilgrim etwa 1300 Videos. Steigende Abonnenten-Zahlen und ein hoher Aufwand für das regelmäßige Hochladen von Videos stellten die Frankfurterin vor einigen Jahren vor eine Entscheidung: Die Selbstständigkeit in den sozialen Medien wagen oder den Job in einer Modekette behalten. Dass sie sich für Ersteres entschied, nahmen ihre Eltern zunächst skeptisch auf: „Das waren ja ganz unbekannte Jobs, die durch die Szene entstanden sind.“

Einige Daten sind tabu

Ihren Nachnamen verrät Mira nicht. Ebenso tabu sind ihr Alter, ihr Wohnort, aktuelle Aufenthaltsorte und die Identität ihres Freundes. „Das ist ein kleiner Schutz. Denn ich gebe in meinen Videos sehr viel von mir preis“, erklärt sie. Ihr Freund filmt oft, möchte aber selbst nicht in der Öffentlichkeit stehen. Für ihren Kater Peaches hingegen hat Mira 2013 den Youtube-Kanal „funnypeaches“ erstellt. Dort interpretiert sie die Gedanken des Tieres.

Die Bezeichnung „Youtuber“ gefällt Mira nicht. Lieber ist ihr der Ausdruck „Video Creator“. Dass sie mittlerweile auf der Straße erkannt und angesprochen wird, freut die Veganerin. Doch entgegen der Erwartungen vieler Menschen ist sie schüchtern. „Ich traue mich manchmal nicht einmal, irgendwo anzurufen.“ „Frankfurt ist eine unterschätzte Stadt“, findet die Videomacherin. Schöne Kulissen für Bilder und Videos bieten ihrer Meinung nach die Alte Oper und der Skatepark am Osthafen.

Geld durch Produktwerbung 

Kaum ein Youtuber möchte über seine Einkünfte sprechen. Auch Mira nennt keine Summe. Doch sie verrät: „Ich verdiene meinen Lebensunterhalt damit.“ Erfolgreiche Youtuber verdienen Geld durch Werbeclips, die während ihrer Videos abgespielt werden. Unternehmen bezahlen zudem für Produktbewertungen oder geben Gratis-Artikel für Tests heraus.

Mira hat nicht aus finanziellen Gründen begonnen, Videos zu drehen: „Anfangs war es ein Hobby, kein Job. Und ich empfehle nichts, was mir nicht gefällt.“ Etwa Proteinpulver oder Marken, die Tierversuche machen. Oft bewertet sie Produkte positiv, manchmal kritisch: „Der Eyeliner ist ein Flop, da findet sich Besseres.“

Der größte Wert sei, dass ihre Abonnenten ihr vertrauten. „Wenn ich ein Produkt empfehle, das mir nicht gefällt, merken die Leute das. Außerdem würde mir die Arbeit dann keinen Spaß mehr machen.“

„Eigentlich habe ich nie Feierabend“

Dass Miras Abonnenten ihr die Treue, teils über Jahre hinweg halten, macht sie stolz. Damit das so bleibt, lädt sie regelmäßig Videos hoch. Vier in der Woche. Mehr als 40 Wochenstunden kommen für Themenfindung, Organisation sowie Drehen und Schneiden der Filme zusammen, schätzt sie. „Eigentlich habe ich nie Feierabend.“ Weil Berufs- und Privatleben miteinander verschmelzen, sind die Gesamtstunden kaum zu zählen. Beim Sender Sixx hat Mira bereits TV-Luft geschnuppert, stand für eine Dauerwerbesendung einer Parfum-Marke vor der Kamera: „Dort musste man Aufnahmen so oft wiederholen, das war furchtbar“, findet sie. Die Arbeit für Youtube hingegen empfindet sie als echt und weniger auf Perfektion ausgerichtet. Zudem habe sie komplett in der Hand, welches Endprodukt im Netz landet.

Auf Veränderungen in den sozialen Medien werde sie einfach reagieren: „Vielleicht entstehen ja wieder ganz neue Jobs. Ich bin ein kreativer Mensch, ich werde immer was tun“, sagt sie.

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