© Renate Hoyer, FR
...innen drin Gotik.
Die Altstadt-Rekonstruktionen
Frankfurt

Zeitensprung: „Klein Nürnberg“

Von Friederike Tinnappel
11:30

Ein Schritt durch die Tür und der Besucher erlebt einen Zeitensprung: Das Haus „Klein Nürnberg“, Hinter dem Lämmchen 8, beherbergt eine wunderschöne gotische Halle, getragen von zwei Sandstein-Säulen. Die Decke erweist sich als ein Kreuzrippengewölbe vom Feinsten. Anders als beim Original wird die Statik aber jetzt von den Betonwänden der Rekonstruktion unterstützt, erzählt Michael Guntersdorf, der Chef der städtischen Dom Römer GmbH, von der die neue Altstadt im Herzen Frankfurts erbaut wurde.

Innen gotisch, außen Renaissance, der Ursprung wahrscheinlich romanisch. Doch von diesem ältesten Baustil ist in der gesamten Altstadt nichts mehr zu sehen. Der Überlieferung nach hielt im Haus „Klein Nürnberg“ zunächst das Geschlecht der Glauburger aus der Wetterau Hof. Wie der Name schon vermuten lässt, stammten sie aus der Gegend am Glauberg, wo heute das Keltenmuseum steht. Damals hieß die Straße auch nicht Hinter dem Lämmchen, sondern Glauberggasse.

Nach den Glauburgern kamen ab dem 13. Jahrhundert die Kaufleute: Der einstige Adelssitz wurde mit dem benachbarten Schmiedhof zusammengelegt. Im großzügig zugeschnittenen Innenhof entstand, wie in so vielen anderen Häusern der Altstadt, eine Markthalle, die während der Frühjahrs- und der Herbstmesse von gut betuchten Händlern aus dem fränkischen Nürnberg genutzt wurde – woran heute noch der Name erinnert. In der Halle wurde gehandelt, in den Obergeschossen gewohnt..

Rechts neben der Halle befindet sich eine weitere architektonische Kostbarkeit: eine elegante Wendeltreppe, auch sie aus Sandstein gefertigt, deren enge Rundungen steil nach oben führen. Eine ähnliche Treppe soll es auch in der „Goldenen Waage“ geben, dem prächtigsten aller Altstadt-Häuser, erklärt Guntersdorf.

Wer die 58 Stufen erklimmt, steht vor einer Wohnungstür. Hier soll schon bald die Pfarrerin der St. Paulsgemeinde, Andrea Braunberger-Myers, einziehen, mit Blick auf die vielen Schieferdächer der Altstadt. Die evangelische St.Paulsgemeinde ist der Gotik bereits durch die von ihr betreute Nikolaikirche auf dem Römerberg verbunden. Sie wird „Klein Nürnberg“ komplett übernehmen.

Guntersdorf ist froh, dass der Evangelische Regionalverband das Haus gekauft hat. Gewiss enthält es neben der Wendeltreppe auch noch ein breites Treppenhaus, über das man in die Büro- und Seminarräume gelangen kann. Die gotische Halle bleibt der Öffentlichkeit teilweise erhalten: Hier soll es Veranstaltungen der St. Paulsgemeinde geben.

Ganz so offen wie vor der Zerstörung der alten Frankfurter Altstadt im Kriegsjahr 1944 wird das gotische Schmuckstück allerdings nicht mehr sein. Im damals so genannten Kapellchen herrschte reges Treiben. Hier trafen sich gern die städtischen Bediensteten, erzählt Guntersdorf. Frankfurter, die ein Anliegen hatten und den gewünschten Gesprächspartner nicht im Amt fanden, schauten dann auch dort vorbei.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Neue Altstadt Frankfurt   Zur Startseite