© Christoph Boeckheler, FR
Direktor Achim Frenz.
Frankfurt
Frankfurt

Kein Maulkorb für den Caricatura-Chef

Von Claus-Jürgen Göpfert
13:02

Der Streit um die Zukunft des Caricatura-Museums hat jetzt ein Ausmaß erreicht, das unwürdig ist für die Kulturstadt Frankfurt und ihrem Renommee abträglich. Das Museum für Komische Kunst ist weit über Frankfurt hinaus ein Werbeträger für die Stadt.

Und der heute 60-jährige Achim Frenz als Caricatura-Chef hat sich in den zurückliegenden zehn Jahren große Verdienste erworben. Der Versuch der Stadt, ihn jetzt dienstrechtlich zu belangen, markiert einen absoluten Tiefpunkt. Es ist unverständlich und kritikwürdig, dass Kulturdezernentin Ina Hartwig, die sich als linke Sozialdemokratin versteht, ein solches Vorgehen zulässt.

Nein, man muss das Plädoyer von Frenz für eine Selbstständigkeit der Caricatura nicht teilen – obwohl vieles dafür spricht. Man kann über die Einschätzung des Caricatura-Chefs streiten, sein Haus sei finanziell zugunsten des Historischen Museums geschwächt worden.

Aber man kann diese Auseinandersetzung nicht dienstrechtlich regeln, wie Jan Gerchow, der Direktor des Historischen Museums, es jetzt versucht hat. Die Stadt sollte keinen Maulkorb austeilen und kein Sprechverbot verhängen.

Nein, über die Zukunft der Caricatura sollte schon offen diskutiert werden. Es ist sinnvoll, die Sammlung des Hauses durch Ankäufe von Werken einer neuen Generation von Karikaturisten zu ergänzen. Auf dieses Ziel sollte die Kulturpolitik der Stadt hinarbeiten. Es entspricht einem Vorschlag von Frenz. Und wird offenbar von Gerchow unterstützt.

Aber ist das Verhältnis zwischen Gerchow und Frenz überhaupt noch zu kitten? Oder hat die Kulturdezernentin diesem Konflikt zu lange zugesehen, ohne klärend einzugreifen? Auch hier könnte sich, wie bei anderen Themen der Kulturpolitik in Frankfurt, eine Strategie des Abwartens und Taktierens am Ende rächen. Ziel muss es sein, das Museum für Komische Kunst zu stärken.

Lesen Sie weitere Berichte aus Frankfurt am Main   Zur Startseite