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Fässer und Flaschen: der Weinkeller vom Wein Dünker in der Berger Straße.
Frankfurt
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Sich einmal durch Bornheim futtern

Von Laura Franz
09:04

Käse aus dem Allgäu, Macarons nach französischer Rezeptur oder tschechisches Gulasch – wer Bornheim von seiner kulinarisch vielschichtigen Seite kennenlernen möchte und dabei etwas über die 2000-jährige Geschichte des Viertels erfahren möchte, der kommt bei einer „Eat the World“-Tour auf seine Kosten. Sieben gastronomische Betriebe sind die Stationen des Rundgangs.

Startpunkt für die dreistündige Verkostungstour ist der Günthersburgpark. „Noch befinden wir uns am äußersten Zipfel des Nordends“, sagt Guide Christiane Boehm-Kochanski. Die zwölf Teilnehmer, die sich um sie versammeln, erfahren darüber hinaus, dass die Parkanlage 1837 von der Bankiersfamilie Rothschild angelegt wurde. Heute ist sie für die Bornheimer und Nordendler ein wichtiges Naherholungsgebiet – und einmal im Jahr mit dem beliebten Stoffel-Festival gleichsam kultureller Hotspot.

Vom Park geht es auf die Allee Im Prüfling. Boehm-Kochanski erzählt, dass Bornheim einer der beliebtesten Stadtteile Frankfurts sei: „Wer einmal hergezogen ist, der bleibt.“ Ein gutes Beispiel dafür ist Stephanie Lebert, die seit 15 Jahren im Viertel lebt. Gemeinsam mit ihrem Mann möchte sie Bornheim heute von einer anderen Seite entdecken. „Wir haben hier unsere Stammlokale. Nun möchten wir uns neue Anregungen holen“, verrät die 45-Jährige.

Tatsächlich kämen die meisten Teilnehmer der kulinarischen Stadtteilführungen direkt aus Frankfurt oder dem Rhein-Main-Gebiet, bestätigt die Tourleiterin. „Touristen sind die Ausnahme.“ Wir stehen jetzt vor der ersten Gaststätte der sieben kulinarische Stationen umfassenden Route. Die „Prager Botschaft“ Im Prüfling 28 gehört zu den Neuzugängen im Stadtteil. Seit zwei Jahren werden hier traditionelle tschechische Gerichte kredenzt. Heute gibt es Gulasch im ausgehöhlten Zwiebellaib.

„Schmeckt super. Gut gewürzt“, lobt Karin Mühlbeyer aus Oberursel. Die Seniorin kommt oft nach Bornheim. Auch sie möchte den Stadtteil einmal abseits der ausgetretenen Touristenpfade kennenlernen. Nach einer kurzen Verdauungspause geht es weiter über die Gronauer Straße nach Alt-Bornheim auf die vier Kilometer lange Berger Straße; „wo alles ein bisschen höher ist“, sagt Boehm-Kochanski, „die Hausnummern, die Originalität und der Spaß“.

Sie spielt damit auf den Beinamen Bornheims an. Der Stadtteil wird schon seit dem Mittelalter weit über die Stadtgrenze hinaus als das „lustige Dorf“ bezeichnet. Damals wegen der vielen Apfelweinlokale, aber auch wegen der dort verbreiteten Prostitution. „Die Wirtschaft ‚Zur Sonne‘ war diesbezüglich zentrale Anlaufstelle“, erklärt unser Guide. Der bevorstehende Verkauf des ältesten und traditionsreichsten Bornheimer Wirtshauses erregt zurzeit die Gemüter über Bornheim hinaus.

Unweit entfernt liegt eine weitere Institution: „Wein Dünker“. 1948 erst als Weinhandlung eröffnet, bot Familie Dünker später im urigen Weinkeller der Hausnummer 265 kleine Speisen wie belegte Brote oder Käse- und Wurstplatten an. Spezialitäten sind beispielsweise das Südtiroler Schüttelbrot und der Schönegger Käse aus dem Allgäu, die man sich zu einem der 80 Weine aus dem Ausschank schmecken lassen kann.

Nach der kleinen Stärkung geht es weiter auf der Oberen Berger Straße. „Eine wilde Architekturmischung ist das hier“, ruft Boehm-Kochanski der Gruppe über die Schulter hinweg zu. Von der Jugendstilvilla über das Fachwerkhaus bis hin zum tristen Nachkriegsklotz reicht die Bauwerkbandbreite Bornheims.

Wir haben inzwischen vor dem Sitz der Bornheimer Turngemeinde angehalten. 30 000 Mitglieder zählt der größte Frankfurter Verein – ebenso viele Einwohner hat Bornheim zurzeit. Von hier aus laufen wir eine Runde über die Große Spillingsgasse an der Johanniskirche vorbei, deren Turm beim Bau der U-Bahn-Strecke in den Siebzigern beinahe eingestürzt wäre, und zurück auf die Berger Straße, wo wir bei Ginos Mezze Falafel nach ägyptischem Rezept kosten. „Schön knusprig, mit einem Hauch Knobi – kann ich mir gut zu Salat vorstellen“, lautet das Urteil von Oberurselerin Karin Mühlbeyer.

Boehm-Kochanski verweist unterdessen auf die Interkulturelle Bühne im Haus gegenüber, wo sich das Multikulturelle an Bornheim mehr abzeichnet als anderswo. „Gemeinschaft und Kommunikation werden hier großgeschrieben“, unterstreicht die gebürtige Ginnheimerin einen der Vorzüge des 1877 zu Frankfurt eingemeindeten Dorfes.

Ein weiterer Anlaufpunkt der insgesamt rund vier Kilometer langen Tour ist der Biometzger Spahn, bei dem es nach eigener Aussage die einzigen original Frankfurter Würstchen in Bioqualität gibt. Außerdem sind ein Viertel der angebotenen Produkte vegan.

„Zeit für eine Erfrischung“, findet Boehm-Kochanski und lotst uns über die Saalburgstraße zurück Richtung Günthersburgpark zu „Marie Feines Eis“, wo sich jeder Tourteilnehmer eine Sorte aussuchen darf. Neben Klassikern wie Schoko, Vanille oder Himbeere gibt es wechselnde, ausgefallene Kreationen wie die Frankfurter grüne Soße.

Noch ein Schlenker über die Bornheimer Landwehr 26, wo veganes Sushi mit Avocado und verschiedenem Gemüse serviert wird, bevor wir am Uhrtürmchen in Bornheim Mitte – dem Herzen des Stadtteils – in einer französischen Brasserie einkehren und als Dessert und krönenden Abschluss Macarons genießen.

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