© Peter Jülich, FR
Die Stadt will den Radverkehr auf der Friedberger Landstraße zwischen Matthias-Beltz-Platz und Anlagenring erleichtern.
Friedberger Landstraße in Frankfurt
Frankfurt

Auf der „Friedberger“ wird es eng

Von Manuel Schubert
18:16

Seit Jahren setzt sich der Ortsbeirat 3 dafür ein, die Friedberger Landstraße für Radfahrer sicherer zu gestalten. Nun hat der Magistrat Nägel mit Köpfen gemacht. Zwischen Matthias-Beltz-Platz und Friedberger Tor am Anlagenring soll in beide Richtungen ein durchgängiger Radfahrstreifen entstehen. Die Autofahrer müssen, etwas überraschend, zurückstecken: Von den je zwei Spuren wird aller Voraussicht nach in beide Richtungen nur noch jeweils eine übrig bleiben. Damit wurde einer Anregung des Ortsbeirats vom 19. April entsprochen.

Am Donnerstagabend, als Ortsvorsteherin Karin Guder (Grüne) knappe vier Monate später in der Ortsbeiratssitzung im Haus der Volksarbeit eine entsprechende Stellungnahme des Magistrats vortrug, gab es viele verblüffte Gesichter. „Das hat uns alle unheimlich überrascht“, sagte Grünen-Fraktions-Chef Jochen Vielhauer der FR. Dass der Magistrat nach jahrelangem Ringen doch noch einlenke und vor allem eine Einschränkung für den Autoverkehr in Kauf nehme, sei „eine erfreuliche Wendung“. Das sah auch SPD-Fraktionsvorsitzender Rüdiger Koch so. „Ich finde es ausgezeichnet“, betonte er. „Das überrascht uns alle, dass die Stadt das jetzt endlich angehen will.“

In der Stellungnahme des Magistrats heißt es, dem Radverkehr werde „beidseitig jeweils die rechte Fahrspur zugeschlagen“. Die detaillierte Planung für das Projekt beginne jetzt erst, betonte Gert Stahnke, Leiter des Frankfurter Straßenverkehrsamts im Gespräch mit der FR. Wie viel Platz die Radfahrer bekommen und vor allem wie viel die Autofahrer verlieren werden, sei daher noch nicht abzuschätzen. Aber: „Natürlich wird der Querschnitt der Autospur verengt werden.“

Noch kein Zeitplan

Dass die Autos weiterhin zweispurig die Friedberger Landstraße rauf- und runterrollen können, hält Stahnke jedoch für äußerst unwahrscheinlich. „Wie soll das gehen?“, lautet seine rhetorische Frage. Realistischer sei da ein sogenannter „überbreiter“ Fahrstreifen. Der ist geräumiger als eine normale Autospur, breit genug, um beispielsweise zweispurig an einer Ampel zu halten, aber zu schmal, um auch zweispurig zu fahren. In jedem Fall sollen die bislang zerstückelten Radfahrstreifen auf der Friedberger Landstraße zu einer durchgängigen, einen Kilometer langen Strecke verbunden werden, damit die Radfahrer nicht mehr auf den Gehweg oder die Fahrbahn der Autos ausweichen müssen.

Da im Ortsbeirat kaum noch jemand damit gerechnet hatte, dass der Magistrat auf der Friedberger Landstraße tätig wird, stand am Donnerstag eigentlich ein anderer Punkt auf der Tagesordnung. Die CDU-Fraktion hatte vorgeschlagen, in der Scheffel- und Mercatorstraße eine alternative Radroute einzurichten, mit deren Hilfe Radfahrer die gefährliche Friedberger Landstraße umfahren könnten. Fraktionschefin Claudia Erhardt ließ den Antrag angesichts der aktuellen Ereignisse aber zurückstellen. Man wolle nun erst einmal abwarten, ob sich die Situation durch das Vorhaben des Magistrats bessere. „Das ist die vorrangige Lösung“, sagte auch Vielhauer. „Wenn uns das angeboten wird, sollten wir das nicht konterkarieren.“

Wann genau der neue Radweg auf der Friedberger Landstraße realisiert wird, hängt laut Magistrat auch von „den zur Verfügung stehenden Haushaltsmitteln“ ab. Dem FDP-Fraktionsvorsitzenden Thomas Fruhwirth bereitete das Sorgen: „Das kann drei Jahre dauern“, vermutete er. Koch glaubt das nicht: „Ich lese die Stellungnahme als Bekenntnis, dass man das jetzt angehen will.“ Auch Vielhauer sagte, er gehe davon aus, „dass jetzt zügig entschieden wird“.

Der Chef des Straßenverkehrsamts Stahnke ließ sich keine Prognose entlocken: „Den Zeitplan kann und möchte ich nicht abschätzen“, stellte er klar, betonte aber auch: „Die Sache ist auf den Weg gebracht, jetzt legen wir los.“

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