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Am ?Gleisdreieck? im Riederwald werden bereits jetzt Spundwaende versenkt.
Riederwald
Frankfurt

Anwohner klagen über Baustelle

Von Moritz Elliesen
15:38

Zentimeter für Zentimeter wird die Stahlbohle von dem tiefblauen Ungetüm in den Boden gedrückt. „Vibrationsbär“ heißt das Gerät, das auf den ersten Blick an einen Autokran erinnert: Mit Stößen, die einen Druck von rund 700 Bar erzeugen, treibt der Vibrationsbär die zwölf Meter langen Stahlbohlen in den Boden. Geräuschlos läuft das nicht ab – und spätestens als die Bohlen zur Hälfte im Erdreich versenkt sind, vibriert auch der Boden.

Rund 50 Riederwälder besichtigten am Donnerstag die Baustelle am Gleisdreieck, auf der Höhe der Straße am Erlenbruch 80. Geladen hatte die Straßenbaubehörde Hessen Mobil. Hier entsteht derzeit eine Leitungsbrücke für den Bau des Riederwaldtunnels. Durch die unter der Erde liegende Brücke sollen später Wasser- und Stromleitungen für das Riesenbauprojekt geführt werden. Eine 70 Meter lange und acht Meter hohe Lärmschutzwand verringert den Baulärm für die angrenzenden Wohnhäuser und die Pestalozzischule.

Der Bau des Tunnels, der die Autobahnen A66 und A661 verbinden soll, ist im Viertel ein Dauerthema. Viele Anwohner fürchten sich vor dem Lärm. Im Jahr 2020 sollen die Bagger anrollen – knapp acht Jahre wird der Bau voraussichtlich dauern.

Mit der Begehung am Gleisdreieck wollte Hessen Mobil den Anwohnern die Sorgen nehmen. Man wolle den Mythen, die in der Öffentlichkeit entstanden seien, entgegentreten, sagte Jürgen Semmler, Leiter des Dezernats Planung und Bau Riederwaldtunnel bei Hessen Mobil. „Wir hoffen, dass durch einen transparenten Umgang Akzeptanz entsteht und Diskussionen in Zukunft auf sachlicher Ebene geführt werden.“

Mehrere Bauingenieure und Sachverständige erklärten den Anwesenden die nächsten Schritte sowie die Messverfahren, um den Baulärm und die Bodenvibration zu ermitteln.

Der Baulärm wird an der nahegelegenen Pestalozzischule und bei einem mobilen Messpunkt auf der Straße Am Erlenbruch gemessen. Die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte seien bisher eingehalten worden, sagte Schallschutztechniker Kai Pies, der für die Straßenbaubehörde den Lärm misst. Die Schallschutzwand verringere den Lärm um bis zu 20 Dezibel.

Der Haken: Die Vorschriften des Gesetzgebers beziehen sich nur auf Geräusche, die von den Bauarbeiten verursacht werden. Der Verkehrslärm der Straße Am Erlenbruch spielt keine Rolle. Nicht alle waren deshalb von den Ergebnissen überzeugt. „Das sind Ihre Verordnungen, aber wir als Betroffene haben das Gesamtpaket“, sagte eine Anwohnerin. Pies konnte das zwar „nachvollziehen“, aber: „Das sind die Regeln des Gesetzgebers.“

Auch bei den Messungen zur Bodenvibration zeigt sich: Gesetzliche Vorgaben und subjektives Empfinden sind nicht zwangsläufig eins. Zwar liegen auch hier die Ergebnisse innerhalb des erlaubten Rahmens. Aber: „Was nützt uns das, wenn unser Esstisch in der Küche wackelt?“, fragte ein Anwohner.

Die Baustellenbegehung hält Quartiersmanager Sebastian Wolff trotzdem für eine gute Sache. Grundsätzlich müsse Hessen Mobil die Anwohner aber mehr einbinden, findet er. Rainer Frey, Sprecher der Bürgerinitiative Riederwald sieht das ähnlich: „In Zukunft erwarten wir genaue Informationen darüber, wo und wann etwas passiert.“

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