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Die Schüler der Alois-Eckert-Schule trommeln ein Geburtstagsständchen.
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Alois-Eckert-Schule feiert 40-jähriges Bestehen

Von Manuel Schubert
10:55

Ernst Friedrich muss kurz nachdenken. Wie kann man vier Jahrzehnte Alois-Eckert-Schule in einem Satz zusammenfassen? Nach einigem Grübeln entschließt sich der Schulleiter für: „Hier ist alles irgendwie familiär.“ Und die These wird sogleich belegt. 

Ein junger Mann schlendert vorbei, Anfang 20, ein ehemaliger Schüler. „Danke für die Einladung, Ernst!“, sagt er, und klopft seinem früheren Rektor auf die Schulter. Nicht nur die Ehemaligen, auch die jetzigen Schüler dürfen Friedrich duzen. Er zuckt mit den Schultern. „Ich habe keine Nachteile dadurch.“

Auch sonst geht es äußerst familiär zu am Donnerstagvormittag, als die kleine Förderschule in der Eschenheimer Anlage 20a ihren 40. Geburtstag feiert. Nachdem der offizielle Teil inklusive Trommelgruppe, Chor, Band und vieler Danksagungen vorbei ist, schenken die Schüler selbstgepressten Apfelsaft aus, andere servieren selbstgemachte Grüne Soße. „Wir sind keine Hochglanzeinrichtung“, sagt Friedrich. „Wir legen viel Wert aufs Selbermachen.“ Und auf eine sehr intensive Betreuung der Kinder und Jugendlichen. 

Die meisten Schülerinnen und Schüler der Alois-Eckert-Schule, die den Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung hat, weisen soziale Verhaltensauffälligkeiten auf, kommen an Regelschulen nicht zurecht. „Man muss sich Zeit nehmen für sie“, betont Lehrerin Sevda Kurul. „Sie brauchen ein sicheres, kleineres Umfeld.“ 

Deswegen gibt es an der Eckert-Schule auch keine Klassen, sondern vier Stufen (Eingliederungsstufe, Grundstufe, Mittelstufe, Hauptstufe), die über Jahre zusammenbleiben, in der Regel nur aus zehn Schülern bestehen und stets von zwei Lehrkräften betreut werden. Die Altersspanne reicht von der ersten Klasse bis zum Realschulabschluss. 

Frankfurter Schule klagt über Mangel an Förderschullehrer

Die Förderschule war nicht immer in der Eschenheimer Anlage zu finden. Zehneinhalb Jahre wurde in einem einfachen Wohnhaus in der Falkstraße unterrichtet, die Schränke waren von einem Kloster gestiftet worden, Bänke und Tische von anderen Schulen. 

Erst während der Weihnachtsferien 1988/89 ging es in das deutlich geräumigere Jugendstilhaus im Nordend, das früher eine Handelsschule für Mädchen beherbergte und nach dem Zweiten Weltkrieg als Fabrik genutzt wurde. Und: Nach 39 Jahren unter der Leitung des Internationalen Familienzentrums gab es 2017 eine weitere einschneidende Änderung. Neuer privater Träger wurde der Verein Jugendberatung und Jugendhilfe. „Wir haben höchstens zwei Sekunden überlegt“, berichtet Geschäftsführer Hans Böhl. „Die Schule passt perfekt zum Verein.“

Auf vier Stockwerken kann die Förderschule einiges bieten: einen eigenen Therapeuten und eine Vertrauenslehrerin, die viele Einzelgespräche mit den insgesamt 38 Schülern führen, einen Musikraum mit Schlagzeug und Orgel, dazu eine Küche, in der jede Stufe einmal pro Woche ran muss. 

Doch wie fast alle Frankfurter Förderschulen hat auch die Alois-Eckert-Schule manchmal zu kämpfen. „Es gibt kaum noch Förderschullehrer“, klagt Friedrich. Hinzu komme, dass viele keine Lust hätten, bei einem privaten Träger angestellt zu sein. Manchmal müsse er daher Lehrer einstellen, „die nur das erste Staatsexamen haben“. Trotz aller Inklusionsdiskussionen hält der 65-Jährige eine kleine Schule wie seine aber weiter für sinnvoll. „Für Kinder, die außerhalb der Spur laufen, ist es wichtig, dass alles überschaubar bleibt.“

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