© Christoph Boeckheler, FR
Grabungstechniker Michael Obst mit dem Wirbel aus der Eiszeit.
Steinzeitmensch
Frankfurt

Urzeitknochen in Seckbach

Von Boris Schlepper
14:56

Knochenreste aus der Eiszeit hat das Frankfurter Denkmalamt auf einem Grundstück in Seckbach gefunden. Beim Ausheben der Baugrube für ein Mehrfamilienhaus an der Hofhausstraße konnte ein Grabungstechniker insgesamt 20 Knochenstücke sicherstellen. Außerdem wurde eine Grube mit Keramiken aus der Steinzeit gefunden. Die Ausgrabung vor Ort sind abgeschlossen.

Die Leiterin des Denkmalamts, Andrea Hampel, vermutet, dass es sich bei den Knochenresten um Teile eines 12 000 Jahre alten Großsäugers aus der sogenannten Quartär-Zeit handelt. Denkbar sei etwa „ein Mammut oder ein Wollnashorn“. Bislang stehe dies aber nicht fest. Die Knochen werden derzeit noch gereinigt und präpariert. Sobald das Denkmalamt seine Arbeit beendet hat, geht der Fund an das Archäologische Museum.

Dabei handelt es sich bei den Knochen nicht um ein ganzes Skelett, sagt Hampel. Es seien nur Teile davon. Durch die Verwesung seien die Knochen auseinanderrissen worden. Offen sei, ob es sich um die Überbleibsel eines oder mehrerer Tiere handele. Fest stehe aber, dass das Fund für Frankfurt „total selten“ sei. In der Mainmetropole gebe es keinen zweiten vergleichbaren Fundort – obwohl es stadtweit insgesamt 1700 Grabungsstellen gebe, zum Teil mehrere Hektar groß.

Aus drei der Seckbacher Knochenstücke hat ein Restaurator des Denkmalamts bereits einen etwa 60 Zentimeter großen Wirbel rekonstruiert. Ein erster Vergleich mit alten Funden habe mehr Ähnlichkeiten mit einem Wollnashorn ergeben, sagt Andrea Hampel. Denkbar sei aber, dass der gefundene Wirbel nicht vollständig ist und etwa die Spitze fehle – „dann könnte er auch einmal Teil eines Mammuts gewesen sein“.

Reste von Steinzeitmenschen

Warum die Tiere an dieser Stelle gestorben sind, konnte Hampel nicht zu sagen. Überreste von Mammuts seien schon mehrfach in der Region gefunden worden. „Vielleicht wurden sie gejagt?“ Menschen hat es zu dieser Zeit schließlich schon gegeben. Doch seien bislang keine Verletzungen an den Knochenreste zu erkennen, die auf einen menschlichen Einfluss schließen ließen.

Grabungstechniker Michael Obst hat die Bauarbeiten auf dem Grundstück, auf dem bislang nur eine Scheune stand, von Anfang an begleitet. Er förderte die Knochen aus einer Tiefe von etwa 1,30 Meter zutage. Von seinem Fund ist er sehr angetan. „Das kommt sehr selten vor - da freut man sich schon.“ Speziell sei zudem, dass er außer auf Knochen auch auf Überreste von Menschen gestoßen ist. Obst entdeckte auf dem Gelände in einer Grube aus der Steinzeit Scherben von „schön verzierten Keramiken“, wie Andrea Hampel sagt. Sie geht davon aus, dass diese aus der Zeit um 6000 vor Christus stammen und einmal sesshaften Bauern gehört haben.

Mit den Knochenresten der Großsäuger habe der Fund nichts zu tun, sagt die Amtsleiterin. Auch seien sie in unterschiedlichen Tiefen entdeckt worden. Weitere Funde gebe es auf dem Areal in Seckbach nicht. Grabungstechniker Obst habe die Arbeiten an der Baugrube bis zum Schluss begleitet. Die Baustelle sei wieder freigegeben worden.

Interessant könnte es für das Denkmalamt werden, wenn auf einem angrenzenden Grundstück einmal gebaut wird. „Dann werden wir die Arbeiten wieder begleiten“, sagt Hampel.

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