© Rolf Oeser, FR
Hotelchefin Christiane Hütte und Koch Andreas Müller.
Villa Orange
Frankfurt

Nicht ungebremst Plastik verwenden

Von Kathrin Rosendorff
11:14

Schritt für Schritt läuft die „Bitte, so wenig Plastikmüll wie möglich“-Challenge: Statt Orangensaft aus dem Tetra Pak kommt der nun aus Glasflaschen. „Dieser wird jetzt auch aus den Originalflaschen ausgeschenkt. Vorher hatten wir diesen in Karaffen. Karaffe heißt aber auch wieder umschütten und spülen, was auch nicht sehr umweltfreundlich ist“, erzählt Christiane Hütte, Inhaberin des Bio-Hotels Villa Orange im Frankfurter Nordend. Seit April überlegt das Hotelteam genau: „Was können wir noch einsparen an Plastik?“, erzählt Hütte.

Anlass ist das Challenge-Ja(hr) zu weniger Plastik der Wal- und Delfinschutzorganisation WDC, die anfragte, ob sie nicht Lust hätten mitzumachen. „Als Biohotel steigen wir auf einem sehr hohen Niveau in diese Plastik-Challenge ein“, sagt Hütte. Beispielsweise komme das Duschgel schon seit Jahren aus einem großen Spender und es gebe eben nicht die kleinen Einzel-Duschpackungen.

Und doch sei schnell klar gewesen: „Da geht noch einiges.“ Das sei keine PR-Maßnahme, sondern eine Herzensangelegenheit. „Im Projektteam sind acht Mitarbeiter. Und diese haben einen echten Ehrgeiz entwickelt, das Plastik so gut wie möglich zu reduzieren“, so Hütte.

Interne Meetings, Recherche und viele Gespräche mit Lieferanten standen an. Die Hotelwäsche wird nun nach Absprache mit der Reinigung ausschließlich in Wäschesäcken angeliefert – und wieder dorthin gebracht. An der Rezeption verwenden sie jetzt Textmarker auf Buntstiftbasis. Auf den Zimmern findet sich kein Plastikbeutel mehr im Mülleimer.

„Allein die Umstellung auf Orangensaft in Mehrwegflaschen brachte schon sehr viel. Wir sparen im Schnitt fünf Tetra Paks pro Tag. Dazu kommen zwei Becher Sahne und zehn kleine Joghurt-becher, die ebenfalls durch Mehrwegbehältnisse ersetzt wurden,“ erzählt Koch Andreas Müller. Der 44-Jährige hat Kulturanthropologie studiert. „Ich gehöre zur Generation Tschernobyl, saurer Regen. Dass ich also im Bio-Bereich arbeite, ist bewusst gewählt. Ich will auch gar nicht konventionell kochen.“ Die Gäste bedienten sich nun morgens direkt aus Marmeladegläsern oder Joghurtglasbehältern. Auf Frischhaltefolie werde ebenfalls verzichtet. „Jetzt nutzen wir Porzellangefäße mit Bambusdeckeln“, so Christiane Hütte.

Und Andreas Müller betont: „Dadurch, dass wir nur frisch kochen, also ohne Convenience-Produkte, haben wir nicht das Problem, dass Dinge eingepackt ankommen. Obst, Fleisch und Gemüse, alles wird hier direkt verarbeitet.“ Einige Großgebinde seien zwar noch aus Plastik, aber aus einer besser wieder verwertbaren Qualität“, sagt Müller.

Bislang hatten sie Kekse beim Bio-Großhandel bestellt, aber auch die Bio-Kekse waren unnötig verpackt: „Jetzt bekommen wir unsere Kekse lose angeliefert“, berichtet Müller. Und zwar von Fleckenbühler: „Das ist ein Demeter-Betrieb, bei dem Leute mit Suchtproblemen Arbeit finden“, sagt Hütte. „Sie backen jetzt zweimal im Monat extra für uns Kekse, das sind jetzt größere Kekse, damit sie auch stabil sind, fast schon Monsterkekse“, sagt und lacht Hütte. Die Gäste liebten sie. Auch Salzstangen und Nüsse kauften sie nun nicht wie bislang verpackt, sondern ein Mitarbeiter fülle salzige Snacks im Bio-Supermarkt, direkt ab. Ein Problem bleibt: „Bislang gibt es nur Frischmilch in Glasflaschen. Für H-Milch, die wir beispielsweise zum Aufschäumen von Cappuccino verwenden, haben wir leider noch keine Glaslösung gefunden. Die gibt es nur im Tetra Pak“, sagt Andreas Müller. Das sei sehr bedauerlich, und er hoffe, dass sich da was ändere.

Ansonsten ist er aber optimistisch: „Wir sind als Bio-Hotel noch der Underground, aber ich hoffe, dass das Bewusstsein irgendwann in den Mainstream gelangt, nicht ungebremst Plastik zu verwenden.“

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