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Eichenprozessionsspinner lösen bei Menschen oft allergische Reaktionen aus wie Juckreiz und und Hautausschläge.
Eichenprozessionsspinner
Frankfurt

Trauerzug in Oberrad mit Gift besprüht

Von Thomas Stillbauer
17:04

Es war die würdige Trauerfeier für eine 90-jährig verstorbene Dame – bis der Helikopter kam und Insektengift über die versammelte Beerdigungsgesellschaft sprühte. Von da an war es, wie ein Teilnehmer sagt, „ein Skandal“.

Mittwochmittag auf dem Waldfriedhof in Oberrad. Mehr als 20 Personen setzen sich in Bewegung, um die Verstorbene auf ihrem letzten Weg zu begleiten. „Wir kommen an dem Begräbnisplatz an“, berichtet Teilnehmer Lothar Vetter, „und in dem Moment, als die Reden beginnen, geht es von oben los.“ 12.45 Uhr, der Hubschrauber überfliegt die Szenerie, „in niedriger Höhe“, wie Vetter sagt, und sprüht. „Fünf, sechs, zehn Mal ging das, so lang, wie die Beerdigung dauerte.“ Die Trauerreden seien nur ganz vorn zu verstehen gewesen. Immer wieder hätten die Redner absetzen müssen, um zu warten, bis das Getöse verebbte. Angehörige versuchten, sich vor der Sprühsubstanz zu schützen.

„Ein unwürdiger Skandal“, sagt Vetter. Die Leute seien erbost gewesen. Schnell habe sich noch vor Ort herumgesprochen, dass es sich um die jährliche Sprühaktion gegen die Larven des Eichenprozessionsspinners handeln müsse, die das Grünflächenamt bereits angekündigt hatte. Und die Information machte die Runde: „Die sollten eigentlich erst eine Stunde später anfangen, so war es geplant.“ Die Kommunikation habe offenbar nicht geklappt.

„Das ist richtig, sagt Bernd Roser, im Grünflächenamt zuständig für die Grünflächenunterhaltung. „Der Hubschrauber hätte erst um 14 Uhr sprühen sollen, aber die Leute waren wohl am vorhergehenden Einsatzort früher fertig.“ Daraufhin hätten sie gleich den nächsten Ort in Angriff genommen – ohne bösen Willen, aber auch ohne Rücksprache. Das Mittel, das aus der Luft gesprüht wird, sei ungiftig für alle außer den Spinnerlarven, vor deren feinen Härchen die Menschen mit der Aktion geschützt werden sollen. „Wir haben schon Kontakt zu den Angehörigen aufgenommen und unser Bedauern ausgedrückt“, sagt Roser.

Auch mit den Piloten der beauftragten Firma sei gesprochen worden. Ernste Folgen werde der Vorfall für sie nicht haben. Elf Jahre lang sei das Verfahren schließlich gut gelaufen. „Aber das war jetzt ein richtiger Fauxpas.“ Der könne sich wenigstens vorerst garantiert nicht wiederholen, sagt Roser: „Die Hubschrauberflüge sind für dieses Jahr beendet.“

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