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Zwei Bauarbeiter arbeiten im Gegenlicht auf einem Gerüst. (Symbolfoto)
Flüchtlinge in Frankfurt
Frankfurt

Flüchtlingsunterkunft entsteht in Goldstein

Von Elke Janning
08:17

Der Evangelische Regionalverband errichtet an der Straße Zum Eiskeller eine Unterkunft für 50 Flüchtlinge in Goldstein. Vor zwei Wochen sind die Arbeiten losgegangen. Am Dienstagabend hat der Bauherr die Pläne für das Gebäude vorgestellt, das zwölf Wohneinheiten umfassen und Ende Dezember bezugsfertig sein soll. Laut Architektin Sandra Delp handelt es sich bei den Wohnungen um „kostengünstigen Wohnungsbau“.

Etwa 4800 Flüchtlinge leben nach Angaben der Stabsstelle für Flüchtlingsmanagement derzeit in Frankfurt. 3140 Menschen wurden der Stadt 2016 zugewiesen, 400 im Jahr 2017. Die sinkende Zahl werfe vielerorts die Frage auf, ob neue Unterkünfte nötig seien. Katrin Wenzel, Pressesprecherin der Stabsstelle erklärte: „1100 Menschen sind noch in Notunterkünften, 850 in Hotels untergebracht. Zudem schließen einige, nur temporär genehmigte Unterkünfte.“ In Notunterkünften einen normalen Alltag zu führen, sei schwierig. In den großen Hallen gebe es Vorhänge statt Trennwänden, dadurch kaum Privatsphäre.

„Es gibt keine Möglichkeit, selbst zu kochen. Deutsch lernen wird durch den Lärm der Umgebung erschwert.“ 50 Flüchtlinge, die schon Jahre in Notunterkünften leben, sollen in den neuen Wohnungen mit Zimmern und Kochmöglichkeiten unterkommen. Vornehmlich Familien und Paare. Neuankömmlinge hingegen kämen zunächst in die Notunterkünfte, so Wenzel.

Pfarrer Michael Frase, Leiter des Diakonischen Werks Frankfurt wandte sich eindringlich an die Bürger: „Wir stoßen mit unseren Projekten oft auf Bedenken. Ich wurde gefragt, ob es möglich sei, weiterhin abends mit dem Hund zu spazieren. Nehmen Sie mich beim Wort: Das können Sie.“ Seit Jahren sei die Diakonie in der Flüchtlingsbetreuung aktiv. Im Vorfeld heraufbeschworene Kriminalität sei „häufig gar nicht so passiert“, so Frase. Dies bestätigte auch der anwesende Leiter des zuständigen Polizeireviers für Niederrad, Andreas Börstler. In Niederrad gebe es drei Unterkünfte für 150 bis 200 Personen. Einen Anstieg der Zahl an Straftaten könne er nicht bestätigen.

Austausch wagen

Auch Kirsten Langmaack, die eine Flüchtlingsunterkunft für 320 Menschen in Bonames leitet, berichtete von ihren Erfahrungen. „Viele Menschen, die in Bonames untergebracht sind, haben nach zwei Jahren gute Sprachkenntnisse. Sie wollen arbeiten, ihre Kinder in die Schule bringen, eine Zukunft ermöglichen.“ Die Versorgung der Flüchtlinge habe sich sehr verändert. Stand im Jahr 2015 noch das Bereitstellen von Nahrungsmitteln oder Bettwäsche im Vordergrund, seien  heute zum Beispiel Nachhilfe-Unterricht, die Vorbereitung auf ein Bewerbungsgespräch oder Begleitung zu Behörden gefragt.

Einige Bürger beschwerten sich über mangelnde Kommunikation seitens der Stadt. Eine Anwohnerin monierte, sie sei im Vorfeld nicht informiert worden. Pressesprecherin Wenzel betonte, Vorurteile können vor allem durch Kommunikation zwischen Flüchtlingen und Deutschen abgebaut werden. „Die Menschen sehnen sich sehr nach Normalität, suchen Kontakt“, erklärte Diakonie-Leiter Frase. Vor der Eröffnung der Unterkunft sei zudem ein Rundgang für die Öffentlichkeit geplant.

Vor allem durch die Arbeit von Ehrenämtlern und durch Kooperationen mit Initiativen sowie Vereinen gelinge Integration.  Auch einige Zuhörer, die am Dienstag anwesend waren, boten ihre Hilfe an. Zudem können Bürger ihre Probleme und Wünsche in den Sitzungen des Ortsbeirats 6 vortragen.

Helfen: www.frankfurt-hilft.de

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