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Beim Mädchen-Fußballturnier der Frankfurter Förderschulen in der Soccerhalle Niederrad traten die Weißfrauenschülerinnen (blaue Trikots) gegen die Wichernschülerinnen (rote Trikots) an.
Frankfurter Förderschulen
Frankfurt

Fußballerinnen-Nachwuchs kickt beim „Mädchenfußballturnier“

Von Clemens Dörrenberg
08:14

Einen Pokal nehmen am Ende alle mit nach Hause. Die Soccerhalle, in der Hahnstraße, gehört am Mittwochvormittag ganz dem Fußballerinnen-Nachwuchs. Beim „Mädchenfußballturnier“ der Frankfurter Förderschulen am Mittwoch treten unter dem aufgeheizten Hallendach auf Kunstrasen drei Teams gegeneinander an: Die Charles-Hallgarten-, die Weißfrauen- sowie die Johann-Hinrich-Wichern-Schule.

Eigentlich wollten zwei weitere Schulen teilnehmen. Doch dort hätten sich zu wenige Spielerinnen interessiert gezeigt, berichtet Michael Betz, Lehrer an der Eschersheimer Johann-Hinrich-Wichern-Schule und Mitglied vom Arbeitskreis (AK) – Sport der Frankfurter Förderschulen. Das Altersspektrum der Schülerinnen ist aufgrund des insgesamt geringen Interesses demnach recht groß: Die jüngsten im Alter von neun Jahren müssen gegen Mädchen antreten, die bis zu 17 Jahre alt sind. Für Michael Betz gibt es einen weiteren Grund. „Es wird immer schwieriger, Mannschaften zusammen zu bekommen“, sagt er. „Unsere Schulen werden immer kleiner“.

Durch die Inklusion würden sich die Schülerzahlen an den Förderschulen verringern, weil viele Schüler an Regelschulen wechselten. Davon seien auch die sportlichen Wettbewerbe betroffen. Seit rund 25 Jahren richtet der Förderschul – Sport – AK stadtweit seine Wettkämpfe aus. Begonnen mit einem Schwimmfest kamen im Laufe der Jahre Turniere im Fußball, Leichtathletik und Tischtennis hinzu, die alle stetig weniger Teilnehmer aufweisen würden. Anfangs habe man sich auch mit Regelschulen messen wollen, was die Förderschüler lediglich frustriert hätte. „Unsere Schüler haben keine Chance gegen Regelschüler“, sagt Betz.

Dem stimmt Steffen Krink, vom staatlichen Schulamt, zu. „Der AK – Sport – Förderschule stirbt aus“, sagt er. Dabei würden die Kollegen sehr gute Arbeit leisten. „Auf Regelniveau schaffen die Förderschüler es nicht in eine Schulmannschaft“, sagt Krink. Die Folge: Sie seien vom sportlichen Wettbewerb mit anderen Schulen ausgeschlossen.

Bei Turnieren wie diesem am Mittwoch würden die Schüler die „Gemeinschaft genießen“. Vor der Pokalübergabe lobt Krink die Sportlerinnen: „Ihr habt miteinander, nicht gegeneinander gespielt“. Der Schiedsrichter habe kaum etwas zu tun gehabt. „Natürlich gab es auch Sieger und Verlierer“. Den ersten Platz, ungeschlagen nach jeweils vier Spielen mit Hin- und Rückrunde, belegt die Johann-Hinrich-Wichern-Schule.

Dorela und Kersten von der zweitplatzierten Weißfrauenschule sagen, ihnen ginge es nicht ums Gewinnen. „Spaß und Teamarbeit“ stünden für die beiden 17-Jährigen im Vordergrund. „Für die Schule da zu sein und sie stolz zu machen“, das sei Dorela wichtig, berichtet sie.

„Weil wir auf einer Sprachheilschule sind, nehmen uns alle nicht so ernst“, sagt Kersten. „Hier können wir zeigen, was wir können“. Ihr Pokal, den die Stiftung Leberecht gespendet hat, wird sie an diesen Tag erinnern, an dem sie ihre Schule sportlich repräsentiert haben.

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