© Peter Jülich, FR
Trauerfeier in der Trauerhalle des Waldfriedhofs in Oberrad.
Hilmar Hoffmann
Frankfurt

Abschied von Hilmar Hoffmann

Von Georg Leppert
08:30

Der Oberräder Waldfriedhof im äußersten Osten der Stadt ist immer schon mehr ein Park gewesen, in dem sogar Rotwild lebt. Kurz hinter dem Eingang liegt, über steile Treppenaufgänge zu erreichen, die betagte kleine Trauerhalle. Hier nun, so hatte es sich Hilmar Hoffmann gewünscht, versammeln sich am Freitagmorgen Familie und Freunde, um Deutschlands bekanntestem Kulturpolitiker die letzte Ehre zu erweisen.

Auch Musiker und Sänger nehmen Abschied. Rainer Pudenz, der Intendant der Kammeroper Frankfurt, organisierte binnen 48 Stunden ein bemerkenswertes künstlerisches Programm. Viele Weggefährten Hoffmanns sind gekommen: etwa der frühere Direktor des Frankfurter Flughafens, Wilhelm Bender, oder der ehemalige Präsident der Goethe-Universität, Klaus Ring. Auch Sigrid Ahrlé, die Witwe des im April gestorbenen Malers und Graphikers, ist unter den Trauergästen. Der Psychoanalytiker Jochen-Becker-Toussaint, langjähriger Freund, würdigt den früheren Kulturdezernenten ebenso wie sein Verleger Axel Dielmann und FR-Redakteur Claus-Jürgen Göpfert, der 2015 eine Biografie Hoffmanns vorgelegt hatte.

Die Musik, die sich Hoffmann gewünscht hatte, erzählt viel über den Verstorbenen. Das Lied „Im Abendrot“ etwa, aus dem Zyklus „Vier letzte Lieder“ von Richard Strauss. Der in Wien lebenden Sopranistin Annette Fischer gelingt eine sehr bewegende Interpretation: „Wir sind durch Not und Freude gegangen Hand in Hand, vom Wandern ruhen wir nun überm stillen Land.“ Der Frankfurter Saxofonist Tobias Rüger bringt eine hauchzarte Version von „Am Brunnen vor dem Tore“.

Früher gab es rauschende Feste

Es wirkt wie die Beschwörung alten Glanzes der Frankfurter Stadtgesellschaft – nur wenige Hundert Meter entfernt, im Garten seines Oberräder Hauses, hatte Hoffmann über Jahrzehnte hinweg zu rauschenden Festen eingeladen. Der frühere Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher war da ebenso Stammgast wie eben Ferry Ahrlé – als Letzter ist nun der Gastgeber gestorben. Mit der Einladung zu einer „Sause“ im Garten nach der Trauerfeier knüpfen Hoffmanns Kinder Kai und Katrin dennoch an diese Tradition an.

Derweil hat die Diskussion über eine Umbenennung des Museumsufers in Hilmar-Hoffmann-Ufer begonnen. Der Verein „Kultur für alle“ hat im Internet eine Petition gestartet. Danach soll der Schaumainkai, an dem die Museen liegen, künftig den Namen des verstorbenen Kulturdezernenten tragen.

Allerdings zeigt sich die Stadt bei der Umbenennung von Straßen und Plätzen zurückhaltend. So sind etwa nach den in den vergangenen Jahren gestorbenen Oberbürgermeistern Rudi Arndt, Wolfram Brück und Walter Wallmann keine Straßen benannt. Neue Namen gab es zuletzt im Jahr 2000: Aus der Obermainbrücke wurde die Ignatz-Bubis-Brücke, und der bis dahin namenlose Platz an der U-Bahn-Station Westend wurde nach der verstorbenen Gründerin der Aktionsgemeinschaft Westend, Odina Bott, benannt.

Da sich am Schaumainkai die Adresse zahlreicher Institutionen und Privathäuser ändern würde, wäre eine Umbenennung teuer. Zudem wären Proteste von Anwohnern zu erwarten.

Die Entscheidung über den Straßennamen trifft der für den Stadtteil Sachsenhausen zuständige Ortsbeirat 5.

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