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Stadtrat Mike Josef und Ulrike Stiefelmayer vom Filmforum Höchst testen den neuen Audio-Spaziergang.
Höchst
Frankfurt

Mit dem Audioguide zum Schlossplatz

Von Antonia Groß
08:33

Seit 1991 betreibt Susanne Krämer ein Zeitschriftenlädchen in der Antoniterstraße. Sie liebt ihr Viertel, schätzt es für seine Facetten. Sie hat gute und schlechte Zeiten erlebt – „goldene“ Jahre Anfang der 90er, mit der Schließung der Hoechst AG einen Einbruch der Kaufkraft. Seit gut zehn Jahren empfindet sie die Stadtentwicklung wieder als positiv. Das einzige Manko, sagt sie, sei die Fußgängerzone. „Da müsste einiges passieren“, damit die wieder attraktiv würde.

Dass ihre Zuhörer an diesem Punkt wissend nicken, sieht Krämer nicht. Was die Ladenbesitzerin sagt, ist eine Tonaufnahme. Die Spaziergänger, die vor ihrem Schaufenster stehen, drücken sich Kopfhörer an die Ohren. Verkehrsgeräusche mischen sich mit der Stimme der Erzählerin. Krämer ist eine von 19 „lokalen Experten“, die für den neuen Audio-Stadtrundgang des Planungsamtes gesprochen haben. Planungsdezernent Mike Josef (SPD) stellte den „Talk Walk“ am Montag vor.

Der Audioguide begleitet seine Hörer durch den Stadtteil – nicht nur an „klassische Sehenswürdigkeiten“, so Josef, sondern zu Orten, „die planerische Fragen aufwerfen“. Die insgesamt zwei Stunden Spieldauer verteilen sich an 20 Hörstationen auf einer Tour von vier Kilometern. Wem das zu viel ist, kann sich die Stationen auch einzeln oder in Etappen anhören.

„Wenn man einen Raum verstehen will, muss man ihn erleben“, sagt Ideengeber und Spaziergangsforscher Bertram Weisshaar. Deshalb sollten die Gespräche keine „sterilen Studioaufnahmen“ sein – er hat sie vor Ort geführt, im Hintergrund hört man die jeweiligen Umgebungsklänge. Das Konzept entwickelte Weisshaar in Zusammenarbeit mit dem Planungsdezernat: „Manche Stationen sind ein Muss“, wie etwa der Markt, der Schlossplatz und die Justinuskirche, andere haben sich aus den Gesprächen ergeben.

Infos zum Förderprogramm

Mit dem Angebot verfolgt das Planungsdezernat noch eine zweite Absicht: Es soll über das städtische Förderprogramm für Höchst informieren. Höchst ist „Frankfurts größte Einzelinvestition“, so Josef. 20 Millionen Euro wurden in den vergangenen zehn Jahren in Modernisierungs- und Gestaltungsmaßnahmen investiert. In Höchst habe man damit die Rückschläge, die der Einzelhandel durch die Konkurrenz mit dem Main-Taunus-Zentrum und der Schließung der Höchst AG erfahren habe, in Angriff genommen. Und dennoch lägen weitere Herausforderungen vor ihnen, sagt Josef. Im Januar dieses Jahres hat die Stadtverordnetenversammlung deshalb weitere zehn Millionen Euro Fördergelder beschlossen.

Seit Mai 2017 gibt es bereits einen Hörspaziergang durch die Frankfurter Innenstadt. „Der erste Talk Walk wurde gut angenommen“, sagt Josef. Obschon noch keine Auswertung stattgefunden habe, sind sich Planungsdezernent und Initiator Weisshaar sicher, dass mit diesem Medium deutlich mehr Leute erreicht würden als auf herkömmlichen Informationswegen, wie etwa gedruckten Broschüren.

Die Daten für die Tour , Mp3-Dateien und eine Karte, können kostenlos
unter www.talk-walks.de oder www.stadtplanungsamt-frankfurt.de heruntergeladen und auf dem Smartphone oder Mp3-Player abgespielt werden.

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