© Peter Jülich, FR
Dominik Pietsch (links) und Joachim Amrhein in ihrer Brauerei Flügge.
Mikrobrauerei „Flügge“ in Frankfurt
Frankfurt

Versuche im Sudkessel

Von Dominik Brück
16:14

Wenn in der Mikrobrauerei „Flügge“ in Goldstein die Tore geöffnet werden, bemerken Kenner am kräftigen Malzgeruch sofort, dass hier Bier hergestellt wird. Der große Braukessel und die zahlreichen Flaschen, die in Kisten verpackt auf ihre Abholung warten, lassen keinen Zweifel daran, was hier entsteht.

Umso mehr verwundert die Aufschrift auf einigen Flaschen, die mit bunten Vogelmotiven verziert und mit Namen wie „Fränk“ und „Djup“ bedruckt sind: „Alkoholhaltiges Erfrischungsgetränk auf Malzbasis“ steht dort, wo normalerweise darauf hingewiesen wird, dass in der Flasche Pils oder Helles zu finden ist. „Aufgrund der Gesetzeslage in Deutschland dürfen wir nicht jedes unserer Produkte als Bier bezeichnen“, erklärt Brauerei-Gründer Dominik Pietsch. „Craft-Beer-Kenner wissen aber, dass es sich bei Getränken mit dieser Bezeichnung auch um Bier handelt.“

Ob ein Getränk nun Bier heißen darf oder nicht, ist Pietsch und seinem Mitgründer Joachim Amrhein allerdings nicht wichtig. Den beiden Unternehmern kommt es darauf an, in ihrer Brauerei in der Goldsteinstraße mit unterschiedlichen Zutaten zu experimentieren und so immer wieder neue Geschmackserlebnisse zu schaffen. Das klassische Pils kommt dabei ebenso wenig in die Flasche wie andere bekannte Biere. „Der deutsche Biertrinker ist an maximal vier Biersorten gewöhnt“, sagt Amrhein. „Oft hört man daher von Leuten, dass sie kein Bier mögen und dann überrascht sind, wenn sie etwas bei uns probieren.“

Das Ergebnis der Versuche im Braukessel sind außergewöhnliche Geschmackskombinationen wie norwegische Hefe und Maracuja-Püree oder eine Mischung aus Bier und Rheinhessen-Wein. Auch Produkte, welche als Bier bezeichnet werden dürfen, sind bei Flügge selten gewöhnlich, wie zum Beispiel das Roggenbier „Flinn“. „Wir wollen etwas machen, das abseits der Norm stattfindet und uns dabei immer wieder neu erfinden“, sagt Pietsch. Manche Biersorten würden daher nur ein einziges Mal gebraut, um etwas Neues auszuprobieren.

Eine Ausbildung zum Bierbrauer hat dabei weder der Fotograf Pietsch noch der Wirtschaftsjurist Amrhein. Die beiden haben mit der Gründung der Brauerei Anfang des Jahres ihr Hobby zum Beruf gemacht und brauen nun nicht mehr im heimischen Keller, sondern in den Räumen einer ehemaligen Bäckerei an der Goldsteinstraße. Einmal pro Woche werden nun rund 550 Liter der verschiedensten Sorten gebraut und von Hand in Flaschen gefüllt. „Bei uns ist alles noch Handarbeit vom Spülen der Flaschen über die Abfüllung bis zum Aufsetzen der Kronkorken“, sagt Amrhein.

Auch die Auslieferung an die wachsende Kundschaft übernehmen die Brauerei-Gründer noch selbst im eigenen Transporter. Bis nach München verkauft sich das Bier aus Goldstein bereits. „Die Kunden wollen leckere und spannende Getränke und bestehen nicht auf so etwas wie dem Reinheitsgebot“, sagt der Brauerei-Besitzer. „Qualität und Geschmack sind daher bei unseren Zutaten auch die wichtigsten Kriterien.“

Trotz der guten Nachfrage, können sich die Brauerei-Gründer derzeit noch kein eigenes Gehalt zahlen, da die Einnahmen nur die Fixkosten decken. „Ziel ist es aber, auf jeden Fall von unserer Arbeit leben zu können“, sagt Pietsch. Die Räume in Goldstein böten genügend Möglichkeiten, um zu wachsen. „Wir gehen einfach einen Schritt nach dem anderen, wie wir es von Anfang an gemacht haben.“

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