© Christoph Boeckheler, FR
Farben trägt die Glasmaler-Meisterin Elisabeth Schillings-Theißen mit Federn, Pinseln oder Nadeln auf.
Schwanheim
Frankfurt

Werkstattbesuch bei einer Glasmalerin

Von Dominik Brück
12:52

Die Werkstatt von Elisabeth Schillings-Theißen ist die letzte ihrer Art in Frankfurt. Als ihre Großeltern die Glasmalerei 1972 in Schwanheim eröffneten, gab es noch mehrere ähnliche Betriebe in der Stadt, die jedoch in den folgenden Jahren nach und nach aufgaben. „Heute wissen viele gar nicht, dass es so ein altes Handwerk noch gibt“, sagt die 38-jährige Glasmaler-Meisterin, die das Familienunternehmen seit 2006 in dritter Generation führt. „Es gibt immer weniger Menschen, die diesem Beruf nachgehen.“

Handwerk der Glasmalerin ist noch immer gefragt

Über eine mangelnde Nachfrage kann sich Schillings-Theißen allerdings nicht beschweren: Bundesweit sind ihre Fähigkeiten von Kunden gefragt. Beispiele für die Kunst der Schwanheimerin finden sich unter anderem in der Stadtkirche Groß-Gerau und in der Privatkapelle des Mainzer Bischofs, wo sie jeweils die Fenster gestaltet hat. Auch bei zahlreichen Hausbesitzern ist das Handwerk der Glasmalerin weiterhin gefragt. „Wer auf der Suche nach etwas Individuellem ist, lässt sich das Fenster bemalen, statt einfach Gardinen aufzuhängen“, sagt Schillings-Theiß. „Da es bei mir nichts von der Stange gibt, bekommt jeder genau das, was er sich vorstellt.“

Die Werkstatt in der Martinskirchstraße ist voller Beispiele der vielfältigen Möglichkeiten, welche die Glasmalerei bietet. Neben klassischen Kirchenfenstern mit Engelsfiguren finden sich auch zahlreiche Glasmalereien in modernem Stil, bei denen die Farben ineinander verschwimmen oder faszinierende abstrakte Muster bilden. „Wir versuchen den Kunden hier möglichst viel zu zeigen, damit sie eine Vorstellung bekommen, was alles möglich ist“, sagt Schillings-Theißen.

Glasmalerin braucht ruhige Hand und viel Geduld

Für die aufwendigen Arbeiten braucht die Glasmalerin vor allem eine ruhige Hand und viel Geduld. Die Farben werden in mehreren Schichten mit feinen Pinseln, Federn oder sogar Nadeln auf das Glas aufgetragen, das mehrfach bei 600 Grad gebrannt wird, damit die Farbe sich mit dem Material verbindet.

„Ein Glasbild hat mindestens drei Brennvorgänge“, erklärt Schillings-Theißen. „Die Farbe verändert sich beim Brennen, daher braucht man viel Erfahrung, bis man den Dreh richtig raus hat.“ Zudem darf das Glas nicht zu schnell aus dem Ofen genommen werden, da es sonst durch den plötzlichen Temperaturunterschied zerspringen kann. „Nicht jedes Glas ist gleich, daher ist jedes Bild eine neue Herausforderung“, sagt die Glasmalerin.

 

Besonders aufwendig ist die Restaurierung alter Fenster, welche den größten Teil ihrer Arbeit ausmacht: Zusätzlich zu den handwerklichen Herausforderungen geht es bei solchen Aufträgen auch darum, das Original möglichst detailgetreu wiederherzustellen. „Manchmal ist das eine historische Detektivarbeit, bei der es darum geht, durch alte Fotos und Dokumente erst mal herauszufinden, wie das Original aussah“, sagt Schillings-Theiß. „Wenn man das Motiv kennt, muss man gerade bei alten Strukturen dann oft erst dahinterkommen, wie der Kollege das ursprünglich gemacht hat.“

Zahlreiche Mappen voller Fotos sprechen für den Erfolg, den die Schwanheimerin bisher bei solchen Aufträgen hatte. Selbst komplizierte Kirchenmalereien kann die erfahrene Glasmalerin mit viel Liebe zum Detail nachbilden. Ebenso wie das Original werden ihre Werke so lange Zeit in Kirchen und anderen Gebäuden zu sehen sein, was Schillings-Theiß immer wieder in ihrer Berufswahl bestätigt: „Als ich jünger war, wollte ich in die Werbung, aber das war mir zu kurzlebig“, sagt die Glasmaler-Meisterin. „Das was ich jetzt mache, hat deutlich länger Bestand.“

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