© Peter Jülich, FR
Metzgermeister Kai Waibel (l.) und sein Geselle Sebastian Riemel lieben ihr Handwerk.
Beispiel aus Frankfurt
Frankfurt

Schiefes Bild vom Mann mit den blutigen Messern

Von Katja Neitemeier
20:42

In dem kleinen Aufenthaltsraum ist noch nicht viel los. Einige Tassen stehen verstreut auf dem Tisch, und die Kaffeemaschine in der Ecke wartet auf ihren Einsatz.

Kein Wunder, um 8.30 Uhr denkt in der Metzgerei Waibel in Bockenheim noch niemand daran, eine Pause zu machen. Immer wieder kann man durch die offene Tür Mitarbeiter geschäftig vorbeigehen sehen.

Im Handwerk beginnt die Arbeit früh, und die Tage sind oft lang. Ist das ein Grund, warum sich immer weniger Schulabgänger für eine entsprechende Ausbildung entscheiden?

Für Kai Waibel ist das Problem ein ganz anderes. Zwar seien für ihn bei Bewerbungen die Zeugnisnoten von untergeordneter Bedeutung. „Aber es ist schwierig, jemanden zu finden, der wirklich Interesse am Metzgerberuf zeigt“, sagt er.

Zum Teil liege das auch am schlechten Ansehen dieses Handwerks. „Wenn ich Leuten erzähle, dass ich Metzgergeselle bin, dann reagieren sie oft ein bisschen komisch“, sagt Sebastian Riemel. Er war bis Juni Azubi bei Waibel und ist nun dort angestellt. Das hätte er sich selbst nicht vorstellen können, bevor er im Februar 2015 ein Praktikum in der Metzgerei begann. „Mein Traumjob wird das nicht“, habe er damals zu Bekannten gesagt – dann aber entdeckte er seine Begeisterung für den Beruf und blieb.

Warum er sich für eine Ausbildung entschieden hat, statt zu studieren? „Ich wollte etwas Handfestes machen“ begründet er. „Etwas, wo ich am Ende des Tages sehe, was ich geschafft habe.“

„Der Beruf an sich ist sehr vielfältig und kreativ“, ergänzt sein Chef. Kundenkontakt, Verkauf, Catering – Fleischer müssen Allrounder sein. Doch in vielen Köpfen herrsche immer noch das Bild von einem Mann mit blutverschmierten Messern vor.

„Während meiner Schulzeit wurde über manche Ausbildungsberufe gar nicht gesprochen“, erzählt Sebastian Riemel. Auch daran liegt es seiner Meinung nach, dass viele Handwerksbetriebe Schwierigkeiten haben, Auszubildende zu finden. Er sieht Schulen in der Pflicht, junge Menschen mehr über Handwerksberufe zu informieren.

Außer dem Interesse und Engagement der Azubis sei auch der Ausbildungsbetrieb wichtig. „Wenn ich einen Lehrling haben will, muss ich mich auch um ihn kümmern“, sagt Kai Waibel. Schließlich soll der Azubi nicht nur eine billige Arbeitskraft sein, sondern ein Handwerk lernen. Auch Sebastian Riemel berichtet von Klassenkameraden, die erzählten, dass sie in ihren Ausbildungsbetrieben kaum etwas lernten. Er hatte in dieser Beziehung Glück.

„Klar war die Ausbildung manchmal schwer und ich musste mich durchbeißen“, erzählt Sebastian Riemel. Und selbstverständlich habe es manchmal Reibereien gegeben. „Ich muss mich ja auch immer wieder neu auf Azubis einstellen“, sagt Waibel. Für beide Seiten sei die Ausbildung ein Lernprozess.

Ein weiteres Problem stellt die geringe Vergütung dar. Angehende Fleischerinnen und Fleischer verdienen im ersten Ausbildungsjahr zwischen 290 und 710 Euro. „Das schreckt viele Bewerber ab, weil man in anderen Ausbildungsberufen mehr verdient“, sagt Kai Waibel.

Für Sebastian Riemel kommt trotzdem kein anderer Beruf mehr infrage. „Wir haben versucht, es ihm wieder auszureden“, sagt Kai Waibel lachend. „Aber zum Glück ist er geblieben.“

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