© Groß, FR
Viel am Planen: Sophie Bauer und Alexandra Jugelt (rechts).
Bockenheim
Frankfurt

Fest gegen Anonymität

Von Antonia Groß
12:16

Das Studium musste in den vergangenen Wochen zurückstecken. An Stelle von Seminarräumen und Bibliothek besuchten Sophie Bauer und Alexandra Jugelt Ämter, trafen sich mit Stiftungsvertretern und hielten Plena ab, schlugen sich mit Förderungsanträgen herum und kontaktierten Künstler und Initiativen. Die beiden Studentinnen sind Teil des vierköpfigen Vorstands des gemeinnützigen Vereins Begegnen in Bockenheim, kurz Beinbo. Sie organisieren am kommenden Samstag, 9. Juni, das Kurfürstenplatz-Fest.

Neben Studium, Job und Promotion haben sich Bauer und Jugelt gemeinsam mit mehr als zehn Vereinsmitgliedern der solidarischen Stadtteilarbeit verschrieben. „Wir wollen sozialer Segregation entgegenwirken“, sagt die 29-jährige Jugelt, und fügt hinzu: „In der Unterschiedlichkeit der Menschen sehen wir einen Gewinn.“

Sie fühlen sich Zuhause in dem vielschichtigen Stadtteil, der bei Studierenden und jungen Menschen beliebt ist. Dort, wo Kneipenkultur und Universitäts-campus, aber auch die gewerbefreundliche Leipziger Straße und das nahegelegene Diplomatenviertel die unterschiedlichsten Menschen nebeneinander leben lassen, will sich der Verein in Zukunft um ein Zusammenkommen aller bemühen. Das Fest am Kurfürstenplatz soll der Auftakt sein.

„Langfristig gibt es viele Ideen, wie Leseabende und einen Tauschschrank für Gegenstände“, sagt Bauer. Denn die Studentinnen sehen auch Handlungsbedarf: Mit den Vorhaben will der Verein den Begriff der Integration, wie er derzeit politisch verwendet wird, kritisieren. Integration solle nicht als Assimilation, also Anpassung derjenigen missverstanden werden, die neu an einem Ort sind, sondern vielmehr als etwas Wechselseitiges, betont Bauer: „Alle sind Teil vom sogenannten Multi-Kulti.“

Neue Satzung seit Januar

2014 gegründet, veranstaltete der Verein neben Sprachkursen und Upcycling-Werkstätten zum ersten Mal das Fest am Kurfürstenplatz zwischen Westbahnhof und Leipziger Straße. Doch die Aufgaben überstiegen die Kapazitäten der überwiegend studierenden Ehrenamtlichen. Vergangenen Herbst gab es dann erneut den Impuls, das Projekt wiederzubeleben: „Nach den schockierenden Wahlergebnissen hatten wir im Freundeskreis das Bedürfnis, etwas zu tun“, sagt Bauer. Und so traf sich die Gruppe, schrieben die Satzung um, erlangten im Januar dieses Jahres die Gemeinnützigkeit.

Beim „Kufü-Fest“ am 9. Juni wollen die Organisatorinnen „die Leute aus der Anonymität der Großstadt rausholen und einfach Spaß haben“, so Jugelt. Das Programm: Von 10 bis 22 Uhr können sich Besucher bei Live-Musik und in der Freiluft-Galerie vergnügen, auf dem Flohmarkt stöbern oder Tischtennis spielen und Vereine und Initiativen an ihren Ständen kennenlernen.

Wer Lust hat, beim Fest mitzuhelfen oder sich im Verein einzubringen, erhält weitere Infos unter www.beinbo.jimdo.de

  Zur Startseite