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Auch Konstantinos Ionnidis und sein Sohn Aris Deniz (2) gedachten Hülya und ihrer Familie.
Frankfurt-Bockenheim
Frankfurt

„Kein Platz für Rassisten und Faschisten“

Von Clemens Dörrenberg
07:23

Bei brütender Hitze sind am Samstagnachmittag zahlreiche Besucher auf dem Hülya-Platz zusammengekommen. Im Schatten einer Linde gedenken sie dem Mädchen, dessen Name der Platz seit zwei Jahrzehnten trägt. Vor 25 Jahren war Hülya Genç von Neonazis bei einem Brandanschlag in Solingen ermordet worden. Unter dem Motto: „Frankfurt gegen Rassismus“ wollen die Teilnehmer auch ein Zeichen für eine weltoffene Stadt setzen. Auf einem Banner steht: „Kein Platz in unserer Stadt für Rassisten und Faschisten“.

Ein Bündnis aus elf Veranstaltern, darunter das Türkische Volkshaus, das Offene Haus der Kulturen, der Hessische Flüchtlingsrat, das Alevitische Kulturzentrum Frankfurt, der Ortsbeirat 2 sowie Parteien, hat den Gedenktag organisiert.

Mehrere Lokalpolitiker, auch Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), halten Ansprachen. Die Ladefläche eines Lastwagen dient als Bühne. Daneben gibt es Musik, Theater und Essen. Ibrahim Esen, Vorsitzender des Türkischen Volkshauses in der Werrastraße, spricht von rund 300 Besuchern. „Der Name Hülya-Platz, der kleine Hammering-Man und die dazugehörige Gedenktafel sind für uns mehr als Erinnerung. Sie sind Mahnung und Aufruf, alles zu tun, um eine politische Entwicklung nach rechts zu verhindern“, sagt der 72-Jährige. Esen lädt dazu ein, sich an den Ständen von Initiativen wie Pro Asyl, Teachers on the road und der IG Metall zu informieren und zu vernetzen.

Marianne Koester vom Mitveranstalter des Offenen Hauses der Kulturen sagt, es sei wichtig „gemeinsam mit Migranten ein Bündnis zu bilden und solche Veranstaltungen zu organisieren“. Sie erinnert daran, dass es ein langes Prozedere gewesen sei, bis der Platz seinen Namen erhalten habe. Wegen Plagiatsvorwürfen des Hammering-Man, dessen Original an der Messe steht, habe es vor fünf Jahren Schwierigkeiten gegeben, die jedoch ausgeräumt worden seien. Anfang des letzten Jahres sei dann die Gedenktafel aufgestellt worden. „Wo Vorurteil und Gewalt herrschen, müssen wir für Respekt und Toleranz eintreten“ heißt es auf der Tafel.

„Der Hülya-Platz ist nicht nur in Frankfurt, sondern in Deutschland bekannt“, sagt die ehemalige Integrationsdezernentin der Grünen, Nargess Eskandari-Grünberg, in ihrer Rede, und weiter: „Liebe Hülya, wir denken an dich.“

Sengül Yalcin-Ioannidis spricht für den Demokratischen Kongress der Völker in Frankfurt. Sie sagt, ihre Organisation kämpfe gegen Rassismus in der Türkei und in Deutschland. „Wir wünschen uns in Deutschland, dass unsere Kinder unsere Muttersprache sprechen, aber in der Türkei wählen wir die nationalistischen Parteien, die andere Sprachen, außer die türkische, verbieten“, so die 45-Jährige. Sie weist auf mehr als 2200 Angriffe auf Geflüchtete in Deutschland im vergangenen Jahr hin.

Thomas Kasper, von der Gewerkschaft IG Metall sagt: „Es bedarf gerade angesichts eines erstarkten Rechtspopulismus unserer aller Anstrengungen“. Eine Frau läuft währenddessen durch die Besuchermenge und sammelt Unterschriften gegen die AfD.

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