© Michael Schick, FR
Raphael Petrov hat die Galerie Raphael von seinem Vater übernommen.
Galerien in Frankfurt
Frankfurt

Zeitgenössisches Kunstquartier

Von Miriam Keilbach
10:34

Galerie reiht sich an Kunsthaus reiht sich an Antiquitätenhandel reiht sich an Museum. Frankfurts zeitgenössisches Kunstquartier ist die Braubachstraße, sagen ansässige Kunstkenner. „Es gibt einen guten Zulauf vom Museum für Moderne Kunst, vom Frankfurter Kunstverein am Markt und von den Galerien“, sagt Celina Lunsford vom Fotografie Forum, das direkt am Beginn der Braubachstraße steht.

Obwohl die Straße historisch gesehen als Galerien-Straße gilt, an der seit Jahrzehnten Kunst bestaunt und verkauft wird, sieht Lunsford noch Entwicklungspotenzial. „Wenn die Altstadt erst einmal belebt ist und die Läden öffnen, erhoffen wir uns mehr Besucher“, sagt sie. Es kämen zwar mehr und mehr Touristen auf die Braubachstraße, aber nicht unbedingt auch in die Galerien und ins Fotografie Forum.

Die Massen erlebt auch Christa Müller nicht. Sie führt die Galerie „Japan Art“ und hat eher gezielt Kunden. „Wenn die kunstinteressierten Besucher einen Tag Zeit haben, schauen sie sich das MMK an und kommen danach vielleicht bei uns vorbei“, sagt sie. Seit 1977 gibt es die Galerie, initiiert von ihrem Mann Friedrich, einem Mode- und Textildesigner, der einst in Japan lebte und vor elf Jahren verstarb. 1993 zogen sie aus der Domstraße in die Braubachstraße. Vor drei Jahren gab Müller einen Teil der Galerie ab,

Dass das Café im Museum bereits seit gut einem Jahr geschlossen ist, bedauert sie. „Ich hoffe wirklich, dass etwas Neues kommt.“ Das würde die Lage noch einmal aufwerten. Ohnehin: Die Fahrgasse sei als Galerienstraße bekannter als die angrenzende Braubachstraße. Dort, zwischen Main und MMK, finden sich ebenfalls zahlreiche Kunst-Einrichtungen. Wie auf der Braubachstraße auch sind die meisten Einrichtungen kommerziell.

„Früher hatten wir viele Interessierte und Sammler in der Nachbarschaft, das ist heute nicht mehr so“, sagt Müller, die regelmäßig in Japan, aber auch Paris, London und New York ist, um neue Künstler zu entdecken. „Frankfurter, die sich für Kunst interessieren, wollen eher nicht in Frankfurt kaufen“, sagt Raphael Petrov. „Die fahren direkt nach London, New York, Paris oder auf die großen Messen und kaufen dort ein.“

Petrov führt die Galerie seines Vaters weiter. Seit 37 Jahren befindet die sich an der Braubachstraße und schon als Kind wuselte Petrov in den Räumen seines Vaters. „Es ist der beste Standort“, sagt er zur Braubachstraße und deutet gen MMK, „deswegen.“ Wer halbwegs kunstinteressiert sei und geschäftlich in Frankfurt zu tun habe, besuche Altstadt und das Museum, sagt Petrov. Und danach vielleicht eine der Galerien. Womöglich seine.

„Die Kundschaft kommt hauptsächlich vom MMK rüber, aber auch andere Reisende schauen vorbei.“ Viele Besucher habe er, die nur schauten, und einige, die gezielt kaufen wollten. „Dazwischen, die Leute, die kommen, schmökern und kaufen, was ihnen spontan zusagt, haben wir wenige.“ Skulpturen, Editionskunst und Kunstdrucke von Picasso, Warhol, Matisse bietet Petrov an, „ein Einstieg“.

Als Konkurrenz sehen sich die Galeristen nicht. „Ich sehe das kollegial und wir können Synergien nutzen“, sagt Petrov. Sprich: Ist der Kunstinteressierte erst einmal auf der Braubachstraße, schaut er vielleicht auch beim Nachbarn vorbei. In der Interessengemeinschaft Frankfurter Galerien ist er nicht organisiert, im Gegensatz zu Müller. „Es gibt da zu wenig Konsens, jeder hat andere Vorstellungen.“ Galerien würden auf natürlichem Wege voneinander profitieren, „nicht durch Absprachen, das passiert einfach.“

Bei der großen Saisoneröffnung der Galerien, die im September zum 24. Mal stattfindet, ist er dennoch dabei. Vom 7. bis zum 9. September öffnen nahezu alle Galerien in Frankfurt ihre Räume für neue Schauen – und um Werbung für sich zu machen.

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