© Rolf Oeser, FR
Die Zeitung erörtert in der ersten Ausgabe, was der Architekt des Westhafen-Towers sich dachte.
Gutleut
Frankfurt

Persönlicher Blick aufs Viertel

Von Miriam Keilbach
10:47

Was es mit dem Namen des Gutleutviertels auf sich hat und was mit dem Grünen Turm, offiziell Westhafen Tower, inoffiziell der Gerippte – solchen Fragen geht seit kurzem die Gutleut-Zeitung auf die Spur. Der Name des Stadtteils stammt vom Hof „Zu den guten Leuten“, in dem im 13. Jahrhundert Lepra-Kranke behandelt wurden. Das ist in der ersten Ausgabe des Stadtteil-Magazins zu lesen, das kürzlich vom Quartiersmanagement herausgegeben wurde.

Sechs Redaktionsmitglieder und weitere Autoren haben an der zwölfseitigen Ausgabe mitgewirkt. 1000 Exemplare sind im Umlauf, finanziert durch das Programm Aktive Nachbarschaft. „Es ist ein Projekt, das die Stadtteilidentität fördert und den Diskurs anregt“, sagt Quartiersmanagerin Amanda Bruchmann. Wichtig sei es, einen inneren Blick auf das Viertel zu werfen – von Anwohnern für Anwohner.

Die Idee zur Zeitung kam von engagierten Nachbarn selbst. Sie kamen mit Beispielzeitungen etwa aus dem benachbarten Gallus zu Bruchmann. So waren es auch Bürger, die die Themen bestimmten. „Jeder hat sich überlegt, worüber er berichten möchte, und hat sich daher damit beschäftigt, was einen selbst interessiert“, sagt Bruchmann. Bewohner, verdeutlicht sie, würden den Stadtteil einfach anders sehen als Manager oder Werbetexter, die sonst über Projekte wie den Westhafen Tower schrieben.

„Wir sind ein spannender Stadtteil, mit einem Mix aus wohlhabend und arm, und stehen dennoch immer im Schatten von Nordend, Sachsenhausen und Co“, sagt Redaktionsmitglied Karolina Kraußer. „Durch die Zeitung können wir zeigen, was hier vor Ort alles passiert.“ Die Fotografin hatte schon länger die Idee, ansässige Unternehmen zu portraitieren – die Stadtteil-Zeitung sieht sie als Chance. Zum Auftakt stellte sie die Patisserie de l’Arabie in der Hardenbergstraße vor, es soll eine Rubrik werden. Allen will sie die gleichen vier Fragen stellen, „ich will den Leuten die Vielfalt zeigen. Ich kenne ja auch nicht alle Firmen“, sagt die Frau, die seit 2006 im Gutleut wohnt.

Der Stadtteil-Verein Gude Leut kommt in einem Interview ebenso zu Wort. Zudem wird erörtert, was der Schriftzug „Stadt für alle“ zu bedeuten hat. Beim Layout hat das Quartiersmanagement unterstützt, in dessen Räumen die Redaktionssitzungen abgehalten wurden.

Vierteljährlich soll die Gutleut-Zeitung künftig erscheinen. Sie ist online wie gedruckt kostenlos erhältlich und liegt im Nachbarschaftsbüro in der Speicherstraße sowie in sozialen und kirchlichen Einrichtungen aus. Für die nächste Ausgabe – Redaktionsschluss ist am 1. Oktober – werden noch Schreiber gesucht. Sie müssen nicht zum Redaktionsteam gehören, sondern können sich auch nur mit einem oder mehreren Beiträgen beteiligen. Ein Logo wird ebenso noch gesucht. Ob Aquarell, am PC erstellt oder gemalt – alles ist erlaubt. Ausdrücklich sind Kinder aufgerufen, sich zu beteiligen.

Online-Version der Zeitung lesen: goo.gl/mwJx16. Kontakt zum Team: gutleut@frankfurt-soziale-stadt.de

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