© Rolf Oeser, FR
Der markante weiß Turm des alten Höchster Schlosses.
Höchst
Frankfurt

Mehr als Industrie

Von Laura Franz
12:29

Die Hoechst AG hat die ehemals eigenständige Stadt Höchst weltweit bekannt gemacht. Das Unternehmen gibt es zwar nicht mehr, den Industriepark aber schon. Heute arbeiten dort 22 000 Menschen in 90 Unternehmen. Doch Höchst hat mehr zu bieten als die chemische Produktion.

Rund acht Kilometer westlich der Hauptwache an der Mündung der Nidda in den Main gelegen, ist Höchst zu einem beliebten Ausflugsziel avanciert. Die historische Altstadt etwa, deren Fachwerk-Ensemble seit 1972 unter Denkmalschutz steht, verleiht dem Stadtteil ein mittelalterliches Flair. Dazu tragen die beiden Schlösser mit malerischem Vorplatz am Mainufer oder die karolingische Justinuskirche aus dem 9. Jahrhundert bei. Immerhin ist sie das älteste erhaltene Gebäude Frankfurts.

Auch der hufeisenförmige Bolongaro-Palast aus der Barockzeit ist sehenswert. Allerdings saniert die Stadt ihn gerade. Darum weicht auch das Theaterfestival „Barock am Main“ auf das Gelände der Höchster Porzellanmanufaktur (zweitälteste in Deutschland) aus.

Im Gegensatz zu den meisten Frankfurter Stadtteilen war Höchst ursprünglich eine eigenständige Stadt mit Stadtrecht seit 1355. Hauptgrund für die Eingemeindung 1928 war die Vereinigung der Hoechst AG mit anderen Chemie-Giganten zur I.G. Farben, die ihren Sitz in Frankfurt haben sollte. Noch heute ist der Stadtteil wichtigstes Subzentrum im Frankfurter Westen; inzwischen auch wegen seiner kulturellen Vielfalt.

Das Höchster Schlossfest, erstmals 1957 ausgerichtet, ist weit über die Stadtgrenze hinaus bekannt. Auch das Neue Theater mit seinem Kleinkunstprogramm ist ein Anziehungspunkt. Das Filmforum Höchst lockt mit Vorführungen in Originalsprache und der Höchster Orgelsommer zieht alljährlich etliche Musikliebhaber in die Justinuskirche.

 

Als Zentrum im Frankfurter Westen ist Höchst gut vernetzt. Der Bahnhof ist ein Knoten im Regionalverkehr der Taunus- und der Main-Lahn-Bahn. Von hier aus verkehren auch zwei S-Bahn-Linien.

Nicht alles ist indes eitel Sonnenschein: Der wirtschaftliche Aufschwung und die daraufhin rasant ansteigenden Einwohnerzahlen gehören der Vergangenheit an. Als Wohn- und Geschäftsstandort genießt Höchst heute keinen guten Ruf. Die Königsteiner Straße als wichtiger Einzelhandelsstandort leidet unter der Konkurrenz der Gemeinde Sulzbach mit dem Main-Taunus-Zentrum.

Ihren Höhepunkt erreichte die Krise 2001 mit der Schließung des Warenhauses Hertie. Seit 2006 steuert die Stadt diesem Abwärtstrend mit einem Rahmenplan entgegen, der die Entwicklung Höchsts mit 20 Millionen Euro flankiert.

Zum Schluss noch ein paar Daten und Fakten: Höchst liegt im Westen Frankfurts auf einer Anhöhe des rechten Mainufers. Angrenzende Stadtteile am nördlichen Ufer sind Sindlingen, Zeilsheim, Unterliederbach, Sossenheim und Nied. Nachbarn südlich des Mains sind Schwanheim und die Stadt Kelsterbach. Höchst ist Zentrum des Ortsbezirks 6.

Der Name geht auf das fränkische Dorf „Hostat“ (hohe Stätte) zurück, das 790 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Die Namensgebung erklärt sich mit der Lage des Dorfes auf einer Anhöhe. Aus Hostat wurde unter Kaiser Karl dem IV 1355, als er dem ehemaligen Dorf die Stadtrechte zusprach, „Hoisten“. 1917 wurden die Gemeinden Unterliederbach, Sindlingen und Zeilsheim eingemeindet. Bis 1987 war Höchst Verwaltungssitz eines eigenen Landkreises, dem Main-Taunus-Kreis.

Mit der Gründung der Farbwerke Höchst in den 1860ern, die später unter dem Namen Hoechst AG zu einem der größten Chemie-Konzerne Deutschlands heranwuchs, stieg die Einwohnerzahl Höchsts sprunghaft. So zählte Höchst im Jahr 1865 bereits rund 14 000 Einwohner, ein Jahr zuvor waren es noch 6517. Heute leben 15 574 Menschen im Stadtteil (laut Melderegister der Stadt, Stand 2016).

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