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Kira Handloser (links) und Lydia Lorenz wagen im Industriepark den Sprung von der Freiwilligen zur Berufsfeuerwehr.
Höchst
Frankfurt

Weibliche Verstärkung für die Feuerwehr

Von Laura Franz
10:35

Die Werkfeuerwehr der Infraserv im Industriepark Höchst ist lange eine echte Männerdomäne gewesen. Das ist vorbei. Seit neustem gibt es dort auch Feuerwehrfrauen. Zurzeit lassen sich die ersten vier ausbilden. Sabrina Wagner und Celine Köhler waren die Vorreiterinnen, seit April sind zwei neue Kandidatinnen dabei. Zum 1. September erwartet die Wehr die nächsten beiden Anwärterinnen. „Und es dürfen gerne noch viele mehr werden“, sagt Infraservsprecherin Jasmin Graf.

Bisher wurden die Frauen hauptsächlich über Kontakte vermittelt. Sabrina Wagner, die erste Anwärterin, war bei der Freiwilligen Feuerwehr ihres Heimatortes bei Marburg aktiv. Ende 2016 startete die 24-Jährige ihren ersten Lehrgang in Höchst. Über Wagner wiederum kam eine der beiden neuen Auszubildenden. Kira Handloser hat nach dem Abitur gemeinsam mit Wagner eine Ausbildung zur Rettungssanitäterin absolviert. „Sie gab mir später den Tipp“, erzählt sie.

Schon jetzt, nach den ersten Monaten Grundausbildung, weiß Handloser, dass sie ihren Traumjob gefunden hat. „Am meisten gefällt mir der Schichtdienst – Besorgungen machen zu können, wenn alle anderen arbeiten“, schwärmt die 21-Jährige und lacht. „Und die Abwechslung ist toll. Es wird nicht langweilig.“ Jede Lerneinheit sei eine gute Mischung aus Theorie und Praxis. „Körperliche Aktivität war mir bei der Berufswahl wichtig“, ergänzt sie. Und die kommt bei der Feuerwehr nicht zu kurz.

Die Ausbildung ist unterteilt in verschiedene Lehrgänge und Unterrichtseinheiten. Vor allem naturwissenschaftliche Fächer stehen im Stundenplan: Mathe, Physik oder Chemie. In den Lehrgängen geht’s dann an das technische Know-how und die Umsetzung: vom Maschinisten- bis zum Kettensägenkurs. „Wir müssen auch anpacken können“, sagt Kira. Nach jedem Lehrgang folgt eine Zwischenprüfung, bei der erworbenes Wissen direkt abgefragt wird. Am Ende der Ausbildung steht dann noch eine Abschlussprüfung an.

Schnell kristallisiert sich heraus, ob die angehenden Feuerwehrleute für den Job geeignet sind. „Am Anfang stehen zum Beispiel Wärme- oder Rauchgewöhnung auf dem Plan“, erklärt Handloser. Allerdings ist in den vergangenen Jahren daran kein Auszubildender gescheitert. „Die Abbruchquote lag bei null“, sagt Jasmin Graf. Der Fokus der Ausbildung bei Infraserv liegt auf Chemieunfällen. Die Expertise der Werkfeuerwehr wird weit über die Frankfurter Stadtgrenze hinaus bei entsprechender Gefahrenbekämpfung hinzugezogen. 14 Fachberatungen (telefonisch oder technische Hilfe vor Ort) waren es allein in diesem Jahr.

Diese Vielfalt am Beruf war auch für die zweite neue Auszubildende Lydia Lorenz ein Grund, bei der Werkfeuerwehr anzufangen. Die 20-Jährige bewarb sich, absolvierte einen Sport- und einen Wissenstest und qualifizierte sich ebenso wie Kira Handloser für den Quereinstieg – verkürzte Ausbildungszeit von drei auf zwei Jahre. Zuvor hatte sie bereits eine Ausbildung zur Anlagenmechanikerin gemacht, was sie sich anrechnen lassen konnte.

„Vor der Einstellung wurden wir auch auf unsere Belastbarkeit getestet“, erzählt sie. So habe sie ihre Schwindelfreiheit auf der Drehleiter unter Beweis stellen oder Gewichte stemmen müssen. „Das war kein Problem für mich.“

Auch wenn Kraft und Geschicklichkeit eine wichtige Voraussetzung für den Job sind, seien Frauen den Männern prinzipiell körperlich nicht unterlegen. „Eine Mindestkörpergröße etwa, wie bei der Polizei üblich, gibt es nicht“, sagt Lorenz. Am Anfang hätten die männlichen Kollegen zwar öfter ihre Hilfe angeboten, „wenn wir zum Beispiel schwer zu heben hatten“, sagt sie. „Inzwischen nehmen sie uns aber ernst und als vollwertiges Teammitglied wahr.“ Der Umgang unter den Kollegen sei respektvoll. Denn die Teamarbeit, um die Lage am Einsatzort richtig einzuschätzen, sei besonders wichtig.

Am 1. September beginnt das neue Lehrjahr mit den regulären drei Jahren Ausbildungszeit. Dann kommen zwei neue Frauen auf die Wache. Insgesamt sechs angehende Feuerwehrfrauen gehören dann zur Infraserv. „Und der Trend, dass immer mehr Frauen technische Berufe erobern, setzt sich hoffentlich fort“, wünscht sich Lorenz.

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