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Lucien Coy, Mitinitiator des veganen Kindergartens „Mokita“, vor dem Rohbau der Kita in Bockenheim.
Kinder in Frankfurt
Frankfurt

Erste vegane Kita in Frankfurt öffnet

Von Carolin Diel
07:56

Das Wort „Mokita“ stammt aus der Sprache der Papua-Neugineer und bedeutet „Die Wahrheit, die jeder kennt, aber keiner ausspricht“. Für die Eltern des Vereins „Veggie-Kids“ ist der Begriff idealer Ausdruck für ihre Kritik an einer Gesellschaft, in der zwar jeder weiß, dass Billigfleisch aus Massentierhaltung stammt, die Nachfrage aber dennoch stetig steigt. Den Begriff hat die Elterninitiative nun als Namen für ihre geplante Kita gewählt. Mit „Mokita“ soll in Frankfurt im Sommer der erste vegane Kindergarten eröffnen.

Die Idee zum Projekt entstand bereits 2013. In einem Café trafen sich Eltern, die vegan leben und ihre Kinder auch so erziehen wollen. Sie diskutierten darüber, wie schwer es sei, mit diesem Vorhaben einen geeigneten Kindergartenplatz zu finden. Die meisten Kitas böten nicht einmal vegetarische Gerichte an. So beschlossen die Eltern, selbst aktiv zu werden. Sie gründeten den Verein „Veggie-Kids“ und bewarben sich mit einem pädagogischen Konzept beim „Sofortprogramm Kinderbetreuung“ der Stadt Frankfurt.

Das „Sofortprogramm“ soll private Träger bei der Einrichtung einer eigenen Kita unterstützen. „Mit dem veganen Kindergarten schaffen wir ein Nischenangebot für interessierte Eltern“, so Jetta Lüdecke vom Bildungsdezernat. Das Projekt ergänze sehr gut das „kunterbunte Angebot an Betreuungseinrichtungen“, mit dem die Stadt versuchen möchte, jeder Familie den passenden Kitaplatz zu bieten. Ab 1. August sollen nun in der Schloßstraße in Bockenheim insgesamt 40 Kinder ab drei Jahren in der „Mokita“ betreut werden. Bedenken gebe es nach Lüdecke dabei nicht: „Der Träger leistet vorbildliche Aufklärungsarbeit zu seinem Ernährungskonzept. Außerdem zwingen wir ja niemanden, das Angebot anzunehmen.“

Vegane Ernährung wird kontrovers diskutiert

Wie sich eine vegane Ernährung für Kinder auf deren Entwicklung auswirkt, darüber wird in Fachkreisen kontrovers diskutiert. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät von einer rein pflanzlichen Kost für Kinder ab. Sie sei für deren ausreichende Nährstoffversorgung nicht geeignet, so die DGE. Der amerikanische Fachverband für Ernährung, die Academy of Nutrition and Dietetics, hingegen hält eine solche Ernährung für Kinder bei richtiger Umsetzung für sehr gesund. Markus Keller von der Fachhochschule des Mittelstandes in Köln arbeitet momentan an einer Studie, die konkrete Ergebnisse zu dem Thema liefern soll. Kinder ausschließlich vegan zu ernähren, hält Keller für „durchführbar, solange auf bestimmte Dinge geachtet wird“. Besonders die ausreichende Zufuhr der sogenannten „kritischen Nährstoffe“ wie Vitamin B12, Kalzium, Zink und Eisen müsse gewährleistet werden. „Unsere Beratungen zeigen aber, dass vegane Eltern sehr interessiert und oftmals schon gut informiert sind“, so Keller.

 

Auch die Betreiber der „Mokita“ haben sich intensiv mit dem Thema Nährstoffe auseinandergesetzt und darauf aufbauend ein spezifisches Ernährungskonzept entwickelt. Die Mahlzeiten müssten vor allem „gut geplant“ sein, sagt Initiator Lucien Coy. Das Essen soll aus mehrheitlich regionalen und saisonalen Produkten frisch zubereitet werden. Eltern sollen zudem „vom ersten Elterngespräch an“ darüber aufgeklärt werden, was bei veganer Ernährung von Kindern zu beachten sei.

Bewusster Verzicht auf Zoobesuche

Aber nicht nur die Ernährung soll in der Kita bestimmten Prinzipien folgen. So stehen beispielsweise auch keine Zoobesuche auf dem Programm. Stattdessen sollen die Kinder Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum wie zum Beispiel dem Frankfurter Grüngürtel erleben.

„In Gesprächen von Angesicht zu Angesicht sind die Reaktionen auf das Projekt sehr positiv“, meint Coy. Nur in den sozialen Netzwerken werde zum Teil „sehr heftig“ kritisiert. Die Elterninitiative bleibe jedoch angesichts solcher Anfeindungen im Netz entspannt. Und das kann sie wohl auch. Bereits jetzt sind fast alle Kindergartenplätze in der „Mokita“ vorgemerkt.

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