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Roswitha Wieberneit (r.) erzählt von ihrer Anfangszeit als Krankenschwester in Höchst.
Klinikum Frankfurt Höchst
Frankfurt

Ein 160. Geburtstag mit vielen Anekdoten

Von Steven Micksch
10:47

Roswitha Wieberneit erzählte bereitwillig von ihrer Ausbildungszeit. Die Frau aus Hochheim-Massenheim hatte 1961 ihre Ausbildung zur Krankenschwester begonnen. Damals hieß das Klinikum Höchst noch Städtisches Krankenhaus Höchst, und Wieberneit war eine der ersten Frauen, die 1965 in das neu errichtete Hochhaus umzog. „Damals wollten wir aus unserer alten Station gar nicht raus. Wir hatten so einen schönen Garten“, erzählte die ehemalige Krankenschwester, während sie im Rohbau des zukünftigen Klinikums steht. Drei Häuser hat sie somit erlebt, und dass die heutigen Kolleginnen und Kollegen dem Altbau nachtrauern werden, kann sie sich nicht vorstellen. Mittlerweile ist das 14-geschossige Gebäude arg in die Jahre gekommen.

In dieser Tatsache sind sich alle Beteiligten der 160-Jahre-Geburtstagsfeier des Klinikums Frankfurt Höchst am gestrigen Dienstag einig. Gesundheitsdezernent Stefan Majer scherzte: „An manchen Stellen im Altbau sieht die Decke fast so aus wie diese hier beim Rohbau.“ Bis das neue Gebäude vollends fertig ist, wird noch etwas Zeit vergehen. Ende 2019 sieht der Zeitplan die Eröffnung des Klinikneubaus vor. Mehr als 260 Millionen Euro lässt sich die Stadt Frankfurt als Träger das Ganze kosten. Das Land Hessen unterstützt das Bauvorhaben dabei mit fast 55 Millionen Euro.

Und Martin Menger, Vorsitzender der Geschäftsführung der Kliniken Frankfurt-Main-Taunus, zu denen auch Höchst gehört, blickt schon weiter in die Zukunft. Ein zweiter Bauabschnitt müsse in absehbarer Zeit kommen. Anschließend vielleicht ein dritter und vierter. „Hier kann ein Klinikcampus entstehen, der sich vor anderen nicht zu verstecken braucht“, sagte Menger

Doch die Verantwortlichen wissen auch um die Schwierigkeiten, vor denen die Einrichtungen stehen. Gerade die Gewinnung von neuem Personal sei eine Herausforderung, der man sich stellen müsse. Angemessene Bezahlung, Wertschätzung, aber auch ausreichend besetzte Stellen, um alle zu entlasten, das waren Schlüsselbegriffe, die immer wieder fielen. Roswitha Wieberneit hat schon versucht, ihre Enkelinnen für den Beruf zu begeistern, doch die Arbeitsbedingungen hätten sie abgeschreckt. Sie selbst sei über ein Praktikum als 14-jähriges Mädchen zu ihrem Traumberuf gekommen. Eine Stationsschwester habe ihr damals viel vermittelt. „Da war für mich klar, dass das mein Beruf werden wird.“ Die Ausbildung selbst war gar nicht so vergnüglich. „Unsere Ausbilderin war furchtbar streng zu uns, sie konnte nicht mit jungen Menschen umgehen.“ Trotzdem steckte die Frau nicht auf und blieb im Krankenhaus in Höchst. „Hier habe ich meinen Mann kennengelernt“, verriet sie. Und auch ihre beiden Söhne kamen in Höchst auf die Welt.

Oberbürgermeister Peter Feldmann lobte genau dieses Engagement. „Hinter den 160 Jahren Klinikum Frankfurt Höchst stehen Menschen, die ihren Beruf als Berufung verstehen.“ Die Mitarbeiter trügen täglich zur Erfolgsgeschichte bei. Gesundheitsdezernent Majer erinnerte daran, dass dies alles in erster Linie zum Wohle der Patientinnen und Patienten realisiert werde. Mehr als 100 000 kommen davon – ambulant und stationär – jährlich ans Klinikum in Höchst.

Eine Anekdote erzählte Ros-witha Wieberneit noch aus ihrer Ausbildungszeit. Um 22 Uhr war immer Sperrstunde, und es war untersagt, danach noch rauszugehen. Als die angehenden Krankenschwestern einmal spät zurückkamen, mussten sie sich ins Gebäude schleichen. Da die strenge Ausbilderin aber auch spät noch aufpasste und Wieberneit aufzufliegen drohte, warf sie sich kurzerhand mit Schuhen und Kleidung unter die Bettdecke. Erwischt wurde sie nicht.

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