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Zaman Akhoundzadeh darf auch weiter kicken – vorerst.
Migration
Frankfurt

Flüchtling während der Ausbildung geduldet

Von Steven Micksch
11:55

Dass Zaman Akhoundzadeh immer noch für die Sondermannschaft des SV Sachsenhausen in Frankfurt kicken kann, ist nicht selbstverständlich. Der junge Mann aus Afghanistan kam 2015 als Flüchtling nach Deutschland. Sein Asylbescheid wurde aber abgelehnt, und ihm und seiner Familie drohte die Abschiebung. Weil er einen Ausbildungsplatz gefunden hat, darf er bleiben – zumindest bis nach der Ausbildung.

Der 26-Jährige lebt mit seiner Frau und den zwei Töchtern in einer Flüchtlingsunterkunft in Rödelheim. Das jüngste Kind ist in Deutschland geboren, vor Kurzem hat Akhoundzadeh die Prüfung zum Sprachniveau B2 bestanden, und er spielt eben Fußball in Sachsenhausen. Alles in allem könnte man den Afghanen als gut integriert bezeichnen. Doch da die Bundesregierung Afghanistan für ein sicheres Herkunftsland hält, müsste er eigentlich dorthin zurück. „Aber in Afghanistan gibt es keine Sicherheit“, sagt Zaman Akhoundzadeh. Er fühle sich etwas hilflos, weil andere über seinen Aufenthalt in Deutschland entscheiden. Alles, was er machen könne, sei, sich in seine Ausbildung reinzuhängen.

Erst vor wenigen Tagen hat der 26-Jährige den Vertrag unterschrieben. Demnächst beginnt er eine dreijährige Lehre zum Mechatroniker bei Mercedes in Frankfurt. „Das wollte ich unbedingt machen“, sagt Akhoundzadeh. Eigentlich wollte er viel früher damit beginnen, doch sein abgelehnter Asylbescheid verunsicherte die Ausbildungsbetriebe. „Es war sehr schwierig“, erinnert sich der Afghane. Immer wieder bekam er Absagen. Letztlich erhielt er einen Praktikumsplatz bei Mercedes und überzeugte dort.

Das verdankt er auch dem Engagement seiner Trainer. Die Sondermannschaft sieht sich als inklusive Fußballmannschaft. Neben Suchtabhängigen, psychisch Kranken und Flüchtlingen spielen Menschen ohne solche Erfahrungen. Mittlerweile gibt es sogar zwei Sondermannschaften im Klub.

Jürgen Medenbach, einer der Mannschaftsverantwortlichen, sieht noch Nachholbedarf bei der Informationslage. „Die Unternehmen haben Angst, dass der Azubi mit abgelehntem Asylbescheid während der Ausbildung plötzlich abgeschoben wird“, sagt Medenbach. Doch genau das passiere nicht. Ein Flüchtling, der sich in einer Ausbildung befinde, sei geduldet und dürfe nicht abgeschoben werden. Akhoundzadeh kennt schon sein nächstes Ziel: „Meinen Meister machen.“ Und auch in Deutschland bleiben.

Im schlimmsten Fall aber wird er nach der Ausbildung abgeschoben. „Das wäre Irrsinn“, sagt Medenbach, „wo wir doch hier Leute zum Arbeiten brauchen.“

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