© Christoph Boeckheler, FR
Wie im Urlaub. Die Halbinsel Wörthspitze liegt idyllisch zwischen Nidda und Main.
Nied
Frankfurt

Mythischer Ort im Grüngürtel

Von George Grodensky
17:19

Das fünfjährige Mädchen ist begeistert. „Alle Mann an Deck“, kräht sie laut. Dann turnt sie vom Niddahafen hinüber zum Schiff, das dort angedockt hat. Nur wenige Männer folgen ihrem Ruf. Nur ihr kleiner Bruder, drei Jahre, versucht Schritt zu halten. Der Vater sitzt derweil faul auf der Hafenbank und schaut amüsiert zu.

Trotz der geringen Resonanz ist das Mädchen zufrieden. In ihrem Kopf folgt ihr nämlich ein ganzer Haufen wilder Piraten. Und ein bunter Papagei. Auch die entspannte Haltung des Erziehungsberechtigten ist schnell erklärt. Schließlich tobt das Kind nicht an einer echten Kaimauer. Niddahafen heißt ein gewaltiges Spielgerät, eine hölzerne Hafenanlage mit Schiff, auf dem Spielplatz an der Wörthspitze. Dem was? Würden die Nieder jetzt fragen. Im Stadtteil heißt das Areal Piratenspielplatz. Dort, hinter der Brücke, die die Mainzer Landstraße über die Nidda leitet, liegt ja ein Schiff, versucht Andrea Stenzel zu erklären.

Ganz sicher ist sie aber nicht, woher der Name stammt. Sie ist erst seit eineinhalb Jahren die Kinderbeauftragte des Stadtteils. Aber beliebt ist der Platz allemal, das weiß sie sicher.

Das Gelände an der Mainzer Landstraße ist weitläufig. Es gibt dort eine ganze Reihe an Geräten. Auch einen Bolzplatz. Und das Areal ist idyllisch eingebettet zwischen Main und Nidda. Der Frankfurter Grüngürtel führt dort entlang, ein Naherholungsgebiet für die ganze Stadt. Zwei Hausboote auf der Nidda und das Hotelschiff Schlott gibt es in der Nähe zu entdecken. Natürlich auch die Höchster Fähre, den Bolongaropalast, das Höchster Schloss und den Schlossplatz .

Wer nach Höchst wandert oder mit dem Rad fährt, kommt automatisch am Piratenspielplatz vorbei, der ist denn auch weniger für ein bestimmtes Quartier gedacht, sondern für die ganze Stadt. Zumindest hat Kinderbeauftragte Stenzel den Eindruck: „Die Stadt hat den besonders im Blick.“ Die Wörthspitze ist ja auch ein mythischer Ort. Der Frankfurter Dichter Robert Gernhardt will dort das erste Mal das Grüngürteltier erspäht haben. Der Künstler beschreibt es als Kreuzung aus Wutz, Molch und Star. In der Nähe des Spielplatzes erinnert eine Gedenktafel an das prägende Ereignis.

 

Das Grüngürteltier ist inzwischen zum ersten Repräsentanten des Naherholungsgebiets geworden. Es ziert Drucksachen des Umweltamts, ist auf Wegweisern von Wanderwegen gezeichnet, es gibt auch Statuen, etwa auf der Niddabrücke beim Alten Flugplatz Bonames-Kalbach. Sogar ein Steiff-Tier hat das Umweltamt in limitierter Auflage anfertigen lassen (95 Euro).

Stadtbekannt ist der Spielplatz an der Wörthspitze auch, weil er ein Pilotprojekt in Sachen öffentlicher Toiletten ist. Zwei Dixiehäuschen stehen am Entree, eines davon barrierefrei. Die Kabinen sind in ein Gestell eingebaut, damit sie nicht umfallen oder aus Versehen in der Nidda landen. 2009 hat die Stadt dort erstmals Häuschen aufgebaut. Die sind nicht so standsicher gewesen.

2010 hat die Kommune dann stabiler konstruiert. Schließlich ist das Areal seither Teil des „Zukunftskonzepts für die öffentlichen Toiletten“. Welche Erkenntnisse die Stadt daraus gewonnen hat, ist noch nicht klar. Die Nieder hoffen aber, dass sie ihre Toilette behalten dürfen.

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