© Michael Schick (Michael Schick), FR
Sophia (2) und Papa Volker wünschen sich mehr Blumen für die Therese-Herger-Anlage.
Nied
Frankfurt

Zu viel Grau

Von George Grodensky
12:32

Die noch recht junge Therese-Herger-Anlage mündet am Josef-Benner-Weg in einen großen Platz zwischen zwei Häuserblöcken. Die Fläche ist grau gepflastert und abgepollert. An den Seiten sind Bereiche rot markiert, auf denen die Feuerwehr beim Einsatz stehen soll. Ein paar Bäumchen trotzen dem Sommer. Vergitterte Abflussrinnen brechen die Monotonie ein wenig auf. Vorsichtig gesagt, sieht der Platz etwas kahl aus. Die Anwohner werden da deutlicher: „Grün statt Grau“ fordern sie.

Kürzlich haben sie sich auf der Fläche, ihrem Hof, getroffen, haben Kinder mit Kreide den Boden bemalen lassen und haben Unterschriften gesammelt. 220 Anwohner haben sich dabei für eine Begrünung ausgesprochen. „In nur zwei Stunden“, sagt Conny Lüders erfreut. Lüders, Gewerkschafterin und Kumpeltyp, wohnt seit eineinhalb Jahren am Platz. Sie ist das Sprachrohr der Leute.

Eigentlich hätte auf der Fläche ein Marktplatz entstehen sollen, erzählt Lüders. Ins Erdgeschoss der zwei Wohnblocks sollten Geschäfte oder Arztpraxen ziehen. Für einen Wochenmarkt ist der Platz aber zu klein, sagt die Stadt. Für die Geschäftsräume finden sich keine Interessenten. Deswegen sind in den Erdgeschossen nun Wohnungen.

„Die Planung des Platzes hat sich aber nicht mehr geändert“, sagt Lüders. Bauträger Bücher hat sogar bis direkt ans Haus gepflastert. Die Bewohner haben die Firma aber überredet, einen kleinen Streifen für Hecken frei zu lassen. „Dafür sind wir sehr dankbar“, sagt Lüders.

Nun soll aber die ganze Fläche ansehnlicher werden. „Freundlicher“, sagt Lüders. Denn der Platz heize sich auf im Sommer, es sei auch laut dort, weil kaum etwas den Schall bricht. Entsiegelt werde das Areal wohl nicht mehr, das ist ihr klar. Aber ein Urban Gardening-Projekt mit Hochbeeten wäre doch möglich, glaubt Lüders. Die Anwohner könnten Patenschaften übernehmen, überlegt sie, auch die Kita in der Nachbarschaft könnte etwas pflanzen.

„Wir verstehen uns hier alle prima“, versichert Lüders. Und engagiert seien die Anwohner auch. Das zeige sich auch daran, dass sie die Bäumchen adoptiert haben und pflegen. Sie haben den Gewächsen sogar Namen gegeben – ein Baum heißt Bernd.

„Das ist typisch für die Gegend“, assistiert Milli Romic, die Vorsitzende der SPD-Nied. Also nicht, dass Bäume Namen tragen. Aber dass die Hausgemeinschaften und Nachbarschaften gut zusammenhalten, das schon. Romic geht gleich mit gutem Beispiel voran und trommelt alle zur Terminfindung zusammen. Ergebnis: Am Sonntag, 23. September, 15 Uhr, feiern die Anwohner der Therese-Herger-Anlage auf dem Platz ein Sommerfest. „Jeder ist willkommen“ und soll etwas zu Grillen mitbringen, sagt Romic.

Umfrage: Was wünschen sich Anwohner?Urban-Gardening

Antje Witte, 53: Wir wünschen uns so eine Art Urban-Gardening-Projekt. Hochbeete mit Pflanzen wären gut, die nicht als Hundeklo genutzt werden können. So eine große, wilde Fläche wie am Ostbahnhof soll es nicht sein. Eher so eine wie beim Mehrgenerationenhaus im Gallus. Wir Anwohner übernehmen Patenschaften. Auch der Kindergarten könnte ein Beet betreuen. Wir wollen nicht alle Verantwortung der Stadt aufbürden oder sie auffordern, viel Geld auszugeben. Wir hätten auch gerne Sitzgelegenheiten auf dem Platz.

Umfrage: Was wünschen sich Anwohner?Weniger Steine

Anika Fabijanic, 38: Wir wünschen uns weniger Steine, mehr Bäume oder Sträucher. Der Platz ist ja ideal für Kinder. Die können ungestört spielen, ohne Angst vor Autos haben zu müssen – es ist ein geschützter Bereich. Ideal wären jetzt noch Bänke und mehr Schattenspender. Alles zu versiegeln, ist nicht mehr zeitgemäß. Alle reden davon, dass wir zurück zur Natur müssen. Außerdem hallt es hier sehr, abends höre ich immer ein Stimmengewirr. Da könnte man Unterbrechungen auf der Fläche schaffen, damit es nicht mehr so schallt.

Umfrage: Was wünschen sich Anwohner?Treffpunkt für die Nachbarn

Claudius Swietek, 33: Der Platz könnte ein schöner Treffpunkt für alle hier sein. Wir haben ja eine recht aktive Nachbarschaft in Nied. Aber die Fläche heizt sich mächtig auf. Außerdem ist es laut hier. Unsere Schlafzimmer liegen zum Hof, wir hören jedes Wort. Es gibt ja keine Barrieren, die den Schall auffangen. Die Idee mit Urban Gardening finde ich gut. Es braucht aber ein Konzept dafür, alles muss organisiert sein. Sonst sieht der Platz nach einem Jahr wüst aus. Wir brauchen Pflanzen, die leicht zu pflegen und hitzeresistent sind.

Umfrage: Was wünschen sich Anwohner?Schattenspender

Marcel  Fabijanic, 38: Wir wünschen uns ein paar Büsche oder Bäume. Irgend etwas, das schön aussieht und Schatten spendet. Jetzt ist die Fläche komplett zugepflastert. Im Sommer heizt sich der Platz total auf, außerdem ist er sehr hell, die Steine reflektieren das Sonnenlicht, das blendet. Hier kann man locker eine Militärparade abhalten oder einen Hubschrauber landen lassen. Nur hinsetzen kann man sich nirgendwo. Dazu wäre es auch zu heiß. Aufgezeichnet: George Grodensky

Tatsächlich sieht der Bebauungsplan für das Areal einen Marktplatz vor, bestätigt Ulrich Rendel vom Amt für Straßenbau und Erschließung. Und der Entwickler der Wohnbebauung habe sogar doppelt so viele Bäume gesetzt wie vorgesehen. Ansonsten sehe der B-Plan noch ein Gehrecht für die Allgemeinheit vor, sagt Rendel. Und wegen eines Urban Gardening-Projekts sei noch niemand an die Stadt herangetreten. Deshalb habe sich darüber bislang keiner Gedanken gemacht.

Das wird sich ändern. Zumindest wird sich der Ortsbeirat in seiner kommenden Sitzung am 11. September mit dem Thema befassen. Ein parteiübergreifender Antrag soll ein Urban Gardening-Projekt für die Fläche fordern. Vor zwei Jahren hat das Gremium bereits beantragt, die Fläche als Parkplatz auszuweisen. Die Stadt hat das Ansinnen aber abgelehnt.

Dort verlaufende der Schulweg der Friedrich-List-Schule. Der Platz bleibt deswegen von Autos verschont. Mit einem Urban Gardening-Projekt könnte sich die Kommune wohl eher anfreunden. Zumal der Stadtteil jüngst ins Förderprogramm Soziale Stadt des Bundes aufgenommen worden ist. Im Gallus ist im Rahmen dieser Förderung bereits ein vorzeigbares Gärtner-Projekt entstanden.

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