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Kurz vor Ende des NSU-Prozesses im Juli hatten linke Aktivisten in Berlin ein Straßenschild vor dem Reichstag überklebt.
NSU-Opfer in Frankfurt
Frankfurt

Gescheitertes Gedenken an NSU-Opfer

Von Hanning Voigts
21:12

Es sollte eine ungewöhnliche Form des Gedenkens werden. Eine Gruppe junger Leute ist am Dienstagabend durch die Arndtstraße im Westend gezogen, um alle Straßenschilder mit eigens vorbereiteten Papptafeln zu überkleben. Aus der Arndtstraße, benannt nach dem nationalkonservativen Schriftsteller und Politiker Ernst Moritz Arndt, sollte die Habil-Kiliç-Straße werden. Der Gemüsehändler Kiliç war vor 17 Jahren, am 29. August 2001, in seinem Münchener Geschäft ermordet worden – die Tat wird heute der rechten Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) zugerechnet.

Man habe mit der Kunstaktion an das Schicksal von Kiliç erinnern wollen, sagte eine Aktivistin der Frankfurter Rundschau. Sie war bei der abendlichen Straßenumbenennung dabei, will ihren Namen aber lieber nicht in der Zeitung lesen. Man habe darauf aufmerksam machen wollen, dass der NSU-Komplex noch lange nicht vollständig aufgeklärt sei, obwohl der NSU-Prozess in München und der parlamentarische Untersuchungsausschuss im hessischen Landtag inzwischen beendet seien.

Doch aus der Straßenumbenennung wurde nichts. Bereits beim zweiten Straßenschild, unweit des Bettinaplatzes, sei ein Polizist vorbeigekommen und habe die Gruppe aufgefordert, das Überkleben der Schilder sofort einzustellen, sagte die Aktivistin. „Der war zum Glück sehr entspannt, aber wir mussten die Straßenschilder wieder saubermachen.“ Man sei sehr enttäuscht. „Das sollte ja etwas Symbolisches sein, um dieses Thema weiter sichtbar zu machen.“

Eine Polizeisprecherin bestätigte der FR, dass gegen 21.30 Uhr eine Gruppe von Personen angetroffen worden sei, die im Westend Straßenschilder beklebt hätten. Da die Gruppe sich bereit erklärt habe, die Schilder selbst wieder zu säubern, habe man kein Ermittlungsverfahren wegen Sachbeschädigung eingeleitet.

Frankfurt solle darüber nachdenken, Straßen nach Opfern rassistischer Gewalt zu benennen, findet die junge Aktivistin. Ernst Moritz Arndt sei Nationalist und Antisemit gewesen – er habe es nicht verdient, geehrt zu werden.

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