© Rolf Oeser, FR
Man mag’s kaum glauben: So sieht eine Steppenwiese aus. Im Palmengarten blüht sie zurzeit.
Parks in Frankfurt
Frankfurt

Im Palmengarten blüht's wie am Mittelmeer

Von Katja Neitemeier
10:51

Es summt und brummt auf der Steppenwiese im Palmengarten. Einige Kohlweißlinge tänzeln von Blüte zu Blüte. Ein paar Pflanzen weiter hält ein Distelfink Ausschau nach seinem Mittagessen. 

Bei dem Wort „Steppe“ denkt man nicht unbedingt an eine bunte Blumenwiese – im Palmengarten wird man eines Besseren belehrt. Steht man zwischen den Beeten voller blauer und gelber Blüten, fühlt es sich ein bisschen wie Sommerurlaub an. Zumindest riecht es so. Lavendel und Salbei wecken Erinnerungen an Südfrankreich oder Griechenland. 

„Man muss gar nicht verreisen, um sich wie am Mittelmeer zu fühlen“, sagt Hilke Steinecke, die seit 23 Jahren als Botanikerin im Palmengarten arbeitet. Sie erklärt, dass Steppengewächse Pflanzen sind, die in heißen und trockenen Regionen wachsen, etwa im Mittelmeerraum oder im Südwesten der USA. Auch Kakteen und Agaven gehören dazu. „Die könnte man sich auch problemlos in den Vorgarten pflanzen“, sagt Steinecke. Lediglich im Winter müssten die Pflanzen etwas abgedeckt werden, um nicht zu erfrieren, sagt die Botanikerin. 

Wichtige Nahrungsquelle für Insekten

Kräuter wie Salbei oder Weinraute sehen nicht nur hübsch aus. Für viele Insekten sind sie eine wichtige Nahrungsquelle. Wilder Oregano zieht zum Beispiel Bienen und Hummeln an. 
Während des Rundgangs zupft Steinecke immer wieder Blätter ab und reibt sie zwischen den Fingern. „Viele Gewürze sind Steppengewächse“, sagt sie und hält sich die Finger an die Nase. Es riecht ein wenig nach Rosmarin. Jede Pflanze hat eine Geschichte und Steinecke kennt sie alle. Schon im alten Rom wurde das Essen mit Weinraute gewürzt. 

„Gerade das Wissen über Heilpflanzen ist ziemlich alt“, sagt die Botanikerin. Mit den weißen Blüten der Schafsgarben soll bereits der griechische Held Achilles seine Wunde versorgt haben (was seiner Ferse freilich nicht half). Der lateinische Name der Pflanze, „Achillea“, erinnert noch heute daran. 

Für den Garten oder den Balkon eignen sich die pflegeleichten Gewächse allemal. Sie benötigen keinen Dünger und nicht viel Wasser. „Wenn man in den Urlaub fährt, braucht man niemanden, der die Pflanzen gießt“, sagt Steinecke. Schon gar nicht dürfen sie zu feucht werden; in den Beeten im Palmengarten liegen deshalb Lavasteine, die Regenwasser aufsaugen.

Wichtig ist auch, dass der Boden nicht zu nährstoffreich ist. Um dafür zu sorgen, kann man ihn mit Sand durchmischen. Übrigens ist es nicht zu spät, seinen Garten jetzt noch mit Steppengewächsen zu bepflanzen. „Es gibt Arten, die noch bis Oktober blühen“, sagt Steinecke. Sie selbst zwar hat nur eine Wohnung mit Balkon – „aber ich habe ja den Palmengarten“.

Lesen Sie weitere Berichte aus Westend   Zur Startseite