© Boeckheler, FR
Versammelt im Kaisersack: Vertreter der Frankfurter CDU mit Dezernent Markus Frank (Mitte).
Politik
Frankfurt

Kleine Fortschritte am Bahnhof

Von Georg Leppert
14:27

Auf der Treppe, die zur B-Ebene des Hauptbahnhofs führt, sitzt ein Mann und trinkt Bier. Beides darf er nicht, denn das Lagern, wie es in der Sprache des Ordnungsrechts heißt, ist auf den Abgängen ebenso verboten wie der Konsum von Alkohol. Es dauert nicht lange, dann kommen vier (!) Stadtpolizisten und fordern den Mann auf, aufzustehen und sein Bier mitzunehmen. Begeistert ist er von dieser Ansage nicht, trotzdem gehorcht er. Alltag im Bahnhofsviertel.

Die Szene, die sich unmittelbar vor dem Stadtteil-Rundgang der Frankfurter CDU am Mittwochnachmittag zuträgt, wirkt inszeniert. Ist sie aber nicht, sagt Matthias Heinrich, der Leiter der Stadtpolizei. Die Christdemokraten sollten sich ein realistisches Bild von der Situation im Viertel machen. „Wir haben nicht extra für Sie aufgeräumt“, sagt Heinrich bei der Begrüßung.

Schnell zeigt sich, wie das Motto des Rundgangs lauten muss: Ja, aber...

Ja, sagt Ordnungsdezernent Markus Frank, das Bahnhofsviertel sei in den vergangenen anderthalb Jahren sicherer und sauberer geworden. Aber: Die gemeinsamen Anstrengungen von Stadt, Polizei, Bahn und Justiz hätten noch nicht zu einem zufriedenstellenden Ergebnis geführt. Das Bahnhofsviertel zu einem Ort zu machen, an dem sich Pendler, Geschäftsleute und Touristen gerne aufhalten, das sei nur durch einen Marathon – „eigentlich nur durch einen Ironman-Triathlon“ – voller Arbeit gegen Drogenhandel, Wildpinkelei und andere unschöne Verhaltensweisen zu erreichen.

Ja, sagt Klaus-Dieter Strittmatter, der städtische Koordinator für das Bahnhofsviertel, durch die Eröffnung eines auf Pommes spezialisierten Lokals im Kaisersack sei es gelungen, die dortige Alkoholiker-Szene etwas zurückzudrängen. Tatsächlich steht ein Teil der Außengastronomie recht weit auf dem Platz und erschwert zumindest das Treffen anderer Gruppen. Dass beim Ortstermin kein einziger Gast an den Tischen sitzt, mag der Hitze geschuldet sein. Aber: Die Stadt kann die Ansammlung von Trinkern laut Strittmatter auch nicht verbieten. Manche Menschen, die keinen repressiven Kurs im Viertel befürworten, sind ihm für die Klarstellung dankbar.

Ja, sagt der Stadtverordnete Christoph Schmitt, der zu dem Termin eingeladen hat: Die Zahl der Beschwerden von Bürgern, die sich aus Angst vor Dealern und Abhängigen an die Politik wenden, sei zurückgegangen. Tatsächlich gab es in den vergangenen Monaten etwa in der B-Ebene kleinere bauliche Veränderungen, die das Sicherheitsempfinden stärken sollen. So hängen an einer Unterführung Spiegel, die den Blick in dunkle Ecken zulassen. Aber: Die Idee, einzelne der vielen Abgänge in die Ebene zu schließen, damit unter den Treppen kein Drogenkonsum mehr möglich ist, wurde aufgegeben, wie Frank einräumt. Aus Sicherheitsgründen würden alle Ausgänge gebraucht. Und noch etwas: Den permanenten Uringeruch an manchen Ecken bekomme man trotz der vielen Putzaktionen nicht mehr weg, sagt Strittmatter, als sich der Gestank beim Rundgang nicht mehr ignorieren lässt.

Zum Schluss besucht die Gruppe eine Art Showroom. Die Bahn zeigt darin, wie die B-Ebene nach dem Umbau aussehen soll. Heller. Freundlicher. Geräumiger. Ja, sagt eine Sprecherin, die Pläne seien fertig, der Umbau werde etwa vier Jahre dauern, Ende 2019 könne er beginnen. Aber: Noch fehlten die Genehmigungen der Behörden.

Lesen Sie weitere Berichte aus Bahnhofsviertel   Zur Startseite