© Rolf Oeser, FR
Pia Höck, Stefan Winter, Katharina Schug mit Schulranzen.
Praunheim
Frankfurt

Klassentreffen nach 50 Jahren

Von Moritz Elliesen
11:59

Ihr alter Schulranzen passt Katharina Schug nicht mehr. So sehr sie sich auch bemüht: Die Träger des Lederrucksacks wollen einfach nicht mehr über die Schultern. Den Ranzen trug die 56-jährige Sekretärin das erste Mal bei ihrer Einschulungsfeier in der Ebelfeldschule in Praunheim. Das war am 5. September 1968, also vor knapp 50 Jahren. Auch für Pia Höck und Stefan Winter begann damals der Ernst des Lebens. In diesen September wollen sie ihre Mitschüler von früher treffen. Melden können sich alle, die am 5. September 68 dort eingeschult wurden.

Knapp 100 Kinder begannen damals mit ihnen in der Grundschule, die in unmittelbarer Nähe zur Nidda liegt. „Zu ein paar ehemaligen Mitschülern habe ich noch Kontakt“, erzählt Winter, der inzwischen Inhaber einer Werbeagentur ist. Die meisten habe man aber schnell aus den Augen verloren. „Mich interessiert, was aus denen geworden ist.“ Dass die Einschulung inzwischen fast ein halbes Jahrhundert zurückliege, sei ein guter Anlass für ein Treffen.

Für ihre Suche nach den ehemaligen Klassenkameraden haben sie alte Fotos von der Einschulung ausgegraben und versucht, sich an die Namen zu erinnern. „Wir hatten einen Riesenspaß dabei, die alten Schulsachen durchzuwühlen“, erzählt Schug. Aus ihrem Ranzen kramt sie ein altes Schulbuch hervor. Auf der ersten Seite ist ein Bild von einem Möbeltransporter, darunter steht in Schreibschrift geschrieben: „Tut, tut, tut, ein Auto.“ An diesen ersten Satz aus ihrer Lese-Fibel könne sie sich noch heute gut erinnern, erzählt sie.

Und auch sonst kommen bei Winter, Schug und Höck viele Erinnerungen hoch, während sie über den Hof der Ebelfeldschule laufen. Obwohl das Schulgebäude gerade saniert wird, hat sich nicht viel verändert: Die insgesamt vier Flachbauten, in denen die Kinder unterrichtet werden, standen schon während ihrer Schulzeit. Neu dazugekommen ist nur die Turnhalle, die im Jahr 2011 gebaut wurde. Direkt hinter dem Schulhof liegt ein großes Fußballfeld. „Da waren früher die Bundesjugendspiele“, sagt Winter.

Doch selbst wenn es aussieht wie früher – hinter der Fassade hat sich einiges geändert. Der gesellschaftliche Aufbruch von 1968, der die Erziehungsmethoden in der Schule beeinflusste, war noch ganz am Anfang, als die drei eingeschult wurden. „Mein Lehrer war ein strenger, alter Mann“, sagt Winter. „Der war bestimmt schon dreißig Jahre im Dienst. Das war schon anders als heute, die Lehrer waren noch richtige Respektpersonen.“ Auch ihre Lehrerin sei streng gewesen, erzählt Höck. „Aber niemals ungerecht oder unfreundlich.“

Die Unterrichtsmethoden mögen strenger und die Lehrer autoritärer gewesen sein. Trotzdem glauben alle drei, dass sie Freiheiten hatten, die heutigen Schulkindern verloren gegangen sind. „Damals standen noch nicht hundert SUVs vor der Schule“, sagt Winter. „Wir sind den Schulweg alleine gegangen.“ Da habe niemand Angst gehabt, dass etwas passiert. „Das war eine schöne Zeit, alles war noch unbeschwert“, erzählt auch Schug.

Wo heute die Wohnhäuser der Heinrich-Lübke-Siedlung stehen, waren früher eine Brachfläche und eine alte Ziegelfabrik – ein riesiger Abenteuerspielplatz fern der Blicke von Eltern und Lehrern. Nach der Schule hätten sie dort Verstecken und Fangen gespielt, sagt Winter. „Das war abenteuerlich.“

Am liebsten würden die drei das Treffen auf den 5. September, also den Tag der Einschulung, legen. Doch bevor die Planungen konkreter werden, müssen sie ehemalige Mitschüler finden – rund dreißig haben sie bereits kontaktiert. Jetzt hoffen sie darauf, dass weitere durch die FR aufmerksam werden. „Ich glaube, dass hier noch ein paar Eltern leben, die die Zeitung lesen und vielleicht erkennen die ja ihre Kinder wieder“, sagt Winter. Alle, die im Jahr 1968 in die Ebelfeldschule kamen und Lust haben ihre einstigen Mitschüler wiederzutreffen, können sich unter der Mail Gude@agentur-winter.de melden.

Lesen Sie weitere Berichte aus Praunheim   Zur Startseite