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Ursprünglich trafen sich nur Männer zum Singen im Verein. Erst seit 2013 sind auch Frauen dabei.
Praunheim
Frankfurt

Neuer Name zum Jubiläum

Von Sonja Thelen
11:51

Es ist ein Klassiker unter den Musicals: „Sound of Music“, basierend auf den Erinnerungen der österreichischen Trapp-Familie, die als Familienchor Erfolge feierte und nach dem Anschluss Österreichs im Dritten Reich in die USA emigrierte. Angelehnt an diesen Namen hat sich der „Männerchor Praunheim“ in seinem Jubiläumsjahr zum 140-jährigen Bestehen in „Sound of Praunheim“ umbenannt.

Zwei Jahre lang hat der Verein darüber gesprochen, sich umzubenennen. „Wir wollten einen neutralen, übergeordneten Namen, der auch die tatsächliche heutige Zusammensetzung widerspiegelt: nämlich Männer-, Frauen- und Kinderchor“, sagt der Vorsitzende Peter Scheit. Der Vorstand startete einen Aufruf an seine Mitglieder, neue Namen vorzuschlagen, über die der Verein abstimmte. Dreiviertel votierten schließlich für „Sound of Praunheim“.

„Das ist ein identitätsstiftender Name, der in die Zukunft weist und die geänderten Begebenheiten aufgreift“, sagt Scheit. Kostproben gibt es beim Jubiläumskonzert „Sing! Sing! Sing!“ am 16. September im Titusforum, bei dem alle drei Chöre auftreten. Auf dem Programm stehen a-capella-Stücke, Pop- und Rocksongs der 80er und 90er aber auch Hiphop.

Flankiert wird das Konzert von einer Ausstellung, die die Geschichte des Gesangvereins „Liederkranz“ (1878) versucht nachzuzeichnen. Der gab sich im Laufe der 140 Jahre mehrmals neue Namen: „Volks-Chor Praunheim-Westhausen“ (1946-1954), dann wieder „Gesangverein Liederkranz 1878“, ab 1981 „Männerchor Liederkranz 1878“ und ab 2001 „Männerchor Praunheim“. Gezeigt werden Requisiten, Fotografien, Notenblätter und Konzert-Plakate. „Aber wir können nicht die gesamte Zeitspanne lückenlos dokumentieren“, sagt Scheit.

Tatsächlich herrschte 1878 noch eine ganz andere Chor-Tradition. Es waren ausschließlich Männer, die die Chorgemeinschaft gründeten. In den 140 Jahren seines Bestehens hatte der Verein „turbulente, schöne, aber auch existenzgefährdende Situationen und Ereignisse zu überstehen“, sagt Scheit, der seit 2009 an der Spitze steht. So kam während des Ersten Weltkriegs das Vereinsleben fast zum Erliegen, da viele Aktive als Soldaten in den Krieg mussten. Während des Dritten Reichs und des Zweiten Weltkriegs legte der Gesangverein im Zuge der von NSDAP sanktionierten Gleichschaltung der Vereine eine Zwangspause ein. Der damalige Vorsitzende Karl Bemhardt wurde vom NSDAP-Gruppenleiter als „unfähig“ einen Verein zu leiten abqualifiziert, heißt es in der Chronik.

Unter dem Vorsitz von Wilfried Roth erlebte der „Liederkranz“ ab 1967 einen Aufschwung. Und der kleine, aber erfolgreiche Chor „Happy Singers“ wurde aus der Taufe gehoben. Unvergesslich waren die Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag, für die Volksschauspielerin Liesel Christ die Schirmherrschaft übernommen hatte. Zum Ende des 20. Jahrhunderts folgte die Zäsur: Roth gab den Vorsitz ab, der Verein gab sich ein moderneres Erscheinungsbild. 2010 folgte die Gründung des Kinderchors mit heute gut 60 Kindern, 2013 des Frauenchors, der heute zirka 55 Mitglieder hat. Der Männerchor hat 25 Sänger.

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