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Durchblick mit Musik: Festgäste im neugestalteten Jügelbau bei den Senckenberg-Forschern.
Senckenberg in Frankfurt
Frankfurt

Senckenberg feiert in Frankfurt erstes Etappenziel

Von Thomas Stillbauer
09:59

Man kann nicht sagen, dass sie unscheinbare Raupen gewesen wären, die Universitätsgebäude auf dem Campus Bockenheim: die Alte Physik an der Robert-Mayer-Straße und das Hörsaalgebäude Jügelhaus. Nein, das waren einst stattliche Gebäude, und für jene, die sie als Studierende nutzten, sagen wir, seit den 80er Jahren, waren sie vor allem: funktional.

Doch sie haben einen Wandel durchgemacht seit 2014. Was läge näher, wenn von einem Ort für Naturforschung die Rede ist, als zu sagen: eine Metamorphose. Entstanden ist aber kein Schmetterling – eher eine Mischung aus den Wappentieren der Beteiligten, Land, Bund und Stadt: Adler und Löwe. Das neue Zuhause der Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung ist kraftvoll geworden und doch leicht. Es strahlt für die weltweit renommierte Wissenschaft endlich eines aus: Würde.

Senckenberg-Institut feiert Anschluss seines größten Bauprojekts

Es ist vollbracht – der sogenannte Masterplan I offiziell vollendet. Mit einem Festakt feiert die Senckenberg-Familie am Mittwoch, im 201. Jahr ihres Bestehens, den Abschluss ihres größten Bauprojekts. „Heute ist ein Glückstag“, sagt Generaldirektor Volker Mosbrugger den Gästen im prächtigen Festsaal an der Mertonstraße. Von einer „Jahrhundertchance“, die die Forscher ergreifen durften, spricht Institutsdirektor Andreas Mulch: die Fläche für Forschung und Sammlung mehr als verdoppelt – „und das mitten in der Stadt“.

Ex-Forschungsminister Heinz Riesenhuber ist gekommen, der Frankfurter Baudezernent Jan Schneider ist da, auch der frühere Ministerpräsident Roland Koch. Sein Nachfolger Volker Bouffier (alle CDU) lobt die „faszinierende Arbeit“ und erinnert: Forschung sei kein Selbstzweck. Es gelte zu erkennen, wie wir die Zukunft gestalten inmitten der Veränderungen, die die Welt durchlebt: „Was hier entsteht, dient den Menschen.“ Dafür lohnten sich auch die vielen Millionen Euro, mit denen Bund und Land den Ausbau fördern, so der Ministerpräsident.

Senckenberg-Institut: Architekt will Geschichte sichtbar machen

Er deutet an, dass sich das Land auch am Masterplan II beteiligen könnte. Da geht es um den Ausbau des Naturmuseums; den sollte Senckenberg eigentlich aus Erspartem und Spenden bezahlen. „Eine gute Nachricht“, freut sich Mosbrugger. Er betont noch einmal, wie dringend die Erweiterung gewesen sei: „Wir sind in den letzten Jahren um den Faktor drei bis vier gewachsen – das müssen wir irgendwo unterbringen.“ Seriosität und Qualität der Forschung stünden als Kriterien ganz oben, und: „Wir lieben diese Stadt“, gesteht der Generaldirektor, „doch sie präsentiert sich uns immer als sexy, aber arm.“

Mehr gute Nachrichten hat Wilfried Kraus vom Bundesforschungsministerium dabei: Die Regierung will im großen Stil Leitlinien für die Biodiversitätsforschung entwickeln – und das Sekretariat für die neue Abteilung soll bei Senckenberg einziehen.

Die Krone auf den Festakt setzt die wunderbare Musik, die das Collegium Musicum der Goethe-Uni macht. Höhepunkt: Vincent Knüppe an der erstmals wieder gespielten Bach-Orgel von 1947. Rauschender Applaus. Anschließend strömen die Gäste durch die lichten Hallen, unter dem freigelegten, für Jahrzehnte verborgenen Stuck. Architekt Peter Kulka beschreibt mit Verve noch einmal die Herausforderung: „Für Frankfurt ist das hier ja das Versailles.“ Ihm sei es darum gegangen, die Zeitschichten sichtbar, Grenzen überschreitbar zu machen, zwischen den Bau-Epochen ebenso wie zwischen Forschung und Sammlung. Die Forscher sind’s zufrieden, wie sie am Mittwoch versichern, doch der Architekt ist noch nicht fertig. Die verschiedenen Bereiche zu vereinen: „Das wird eine Frage der Zukunft bleiben“, auch mit Blick auf den Kulturcampus, dessen erste Etappe Kulka gemeistert sieht. Die gläsernen Brücken, die nun die drei Gebäudeteile verbinden, sieht er als zentrales Element: „Ich glaube, dass sie wie Adern funktionieren – wie ein Bypass.“

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