Westend
Frankfurt

Rückschlag für Wohnprojekte

Von Nadine Benedix
09:24

Der Verkauf der Akademie für Arbeit (ADA) an die Stadt stockt. Die wollte das Gebäude an der Mertonstraße 30, Ecke Gräfstraße auf dem früheren Unicampus für gemeinschaftliche Wohnprojekte zur Verfügung stellen. Die hängen jetzt in der Warteschleife. „Ich bin wirklich empört“, sagt Birgit Kasper von Netzwerk Gemeinschaftliches Wohnen. „Wir haben so lange darauf hingearbeitet, dass das Gebäude für nicht-kommerzielles Wohnen genutzt werden kann und nun scheint sich niemand mehr darum zu kümmern.“

Der Grund: Der Hauseigentümer, der Deutsche Gewerkschaftsbund, will das Gebäude zu einem höheren Preis verkaufen als die Stadt zu zahlen bereit ist. Das Grundstück gehört bereits der Kommune. Anders als bei vielen Immobiliengeschäften üblich, soll die ADA nicht zum Höchstpreis der Bietenden, sondern zum sogenannten Verkehrspreis, also dem tatsächlichen aktuellen Wert des Grundstücks und Gebäudes, verkauft werden.

Um diesen Preis zu ermitteln haben Stadt und Gewerkschaftsbund unterschiedliche Gutachter beauftragt, die sind zu unterschiedlichen Einschätzungen gekommen. Die eine Seite fordert drei, die andere will nur 2,5 Millionen Euro zahlen.

Nun kann sich die Römerkoalition nicht auf einen Kauf einigen. „Ich finde es unglaublich schade, dass das Ganze nun auf Eis gelegt wurde obwohl wir so viel Planung in das Verkaufsverfahren gesteckt haben“, sagt Kasper. Das Gebäude soll vom Liegenschaftsfonds der Stadt gekauft werden. Dann will die Konversions-Grundstücksentwicklungs-GmbH KEG als Zwischenverwalter das Gebäude kaufen.

Währenddessen soll ein sogenanntes Konzeptverfahren beginnen. Im Zeitraum von gut einem Jahr können sich gemeinschaftliche Wohnprojekte mit ihren Ideen für das Haus bewerben. Ein Beirat entscheidet dann, welche Gruppe durch Innovation und zusätzlich finanzieller Sicherheit überzeugen kann.

Ortsbeirat macht Druck

„Damit dieses Verfahren starten kann, fordern wir die Stadt auf, bald zu einer Einigung zu kommen“, sagt Kasper. Beim Ortsbeirat 2 hat sie kürzlich um Unterstützung geworben. Ortsvorsteher Axel Kaufmann (CDU) sieht das Problem auch: „Beide Seiten, Stadt und Gewerkschaftsbund, sollten sich da auf einander zubewegen“, sagt er. Zur kommenden Sitzung im September will der Ortsbeirat Anträge an die Stadt formulieren und sie so zum Handeln auffordern.

Wer sich für das Konzept von gemeinschaftlichem Wohnen interessiert, kann am Tag des offenen Wohnprojekts, am Samstag, 8. September, in verschiedene Projekte reinschauen. Infos gibt es im Internet unter www.gemeinschaftliches-wohnen.de

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