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Wieviele Wagen braucht die stetig wachsende Metropole Frankfurt?
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Stadt prüft Zahl der Taxis in Frankfurt

Von Florian Leclerc
11:25

Durch Frankfurt fahren seit Jahr und Tag genau 1712 Taxis. Die einen sagen: Das sind zu wenige – es sind diejenigen, die auf einer Warteliste stehen, und gerne eine Konzession hätten. Die anderen sagen: Es sind zu viele – das sind die etablierten Taxi-Unternehmer, die den Konkurrenzdruck fürchten. Die Stadt prüft nun in einem neuen Gutachten, ob 1712 Taxis in der wachsenden Stadt ausreichen oder die Zahl korrigiert werden muss; es leben schließlich immer mehr Menschen in Frankfurt, die potenziell ins Taxi steigen könnten.

Stand April dieses Jahres waren 741 093 Frankfurter registriert – Ende 2016 waren es 729 624. Auch der Tourismus, der für den Umsatz im Taxi-Gewerbe ausschlaggebender ist als die Bevölkerungszahl, boomt. 2017 wurde mit rund 9,5 Millionen Übernachtungen ein neuer Rekord erzielt, das sind rund 700 000 Übernachtungen mehr als im Vorjahr.

Außerdem kamen gut zwei Millionen Besucher im Jahr 2017 zu Veranstaltungen auf das Gelände der Messe Frankfurt (2014: 1,4 Millionen), darunter viele Geschäftsleute, die sich für den Weg zwischen Messe und Hotel ein Taxi leisten.

Dass die Stadt die Zahl der Taxis nun prüfen lassen will, passiert nicht freiwillig. Eine Richterin am Verwaltungsgericht Frankfurt hatte es angeordnet. Der Hintergrund ist die Klage eines Taxifahrers, der seit Jahren auf eine Konzession wartet, aber nicht zum Zuge kommt.

Wartezeit von bis zu 35 Jahren

Teilweise lägen die Wartezeiten für eine Konzession bei 35 Jahren, hieß es. 1500 Menschen stehen auf der Warteliste des Ordnungsamts, das die Konzessionen vergibt. Auch der Verdacht der Korruption im Amt bei der Vergabe der Taxi-Konzessionen stand im Raum. Es sollen Summen von bis zu 110 000 Euro bei der Weitergabe einer Konzession geflossen sein; Mitarbeiter des Ordnungsamt hätten profitiert.

„Wir sind mit der Aufklärung befasst“, sagt Andrea Brandl, Büroleiterin von Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU). Das Revisionsamt prüfe, ob das Ordnungsamt bei der Vergabe der Konzessionen verwaltungstechnisch sauber arbeite; das Antikorruptionsreferat der Stadt sei eingeschaltet; ein Gutachten überprüfe die Zahl der Konzessionen. Das Gutachten werde extern ausgeschrieben, die Prüfung dauere wohl ein Jahr, sagt Brandl. Zuletzt habe die Stadt die Zahl der Konzessionen 2007 überprüft, berichtet Michael Jenisch, Sprecher des Ordnungsamts. Das Ergebnis war, dass die Zahl angemessen sei.

Das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht ruht nun, bis das Gutachten vorliegt. Wenn es soweit ist, kann der Kläger das Verfahren wieder aufrufen. Er wird ein Interesse daran haben, dass die Zahl der Taxi-Konzessionen steigt.

Anders die Taxi-Vereinigung Frankfurt. „Aus unserer Sicht ist die Zahl der Konzessionen um 400 zu hoch“, meint der Vorsitzende Hans-Peter Kratz – die Taxi-Vereinigung vertritt 900 Taxi-Unternehmer in der Stadt. Der öffentliche Nahverkehr in Frankfurt, der größte Wettbewerber der Taxifahrer, sei ausgebaut worden, der Druck auf die Branche habe sich erhöht, sagt Kratz, der von einer „Übersättigung“ spricht.

Zum Korruptionsverdacht äußerte Michael Jenisch, die Prüfung des Revisionsamts sei abgeschlossen, der Abschlussbericht werde in Kürze veröffentlicht.

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