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Ein Landwirt auf dem Feld. Nichts wächst ohne Wasser ? ausnahmsweise auch aus dem Bach.
Wasserknappheit
Frankfurt

Der Bauer darf sich was pumpen

Von Thomas Stillbauer
11:06

Wunder gibt es immer wieder, und in diesem Sommer war es für viele Bewohner der Rhein-Main-Region mitunter das größte Wunder, dass überhaupt noch etwas floss. Auch aus den Wasserhähnen, aber vor allem: in unseren Bachbetten. Wochenlang kein Regen, und dennoch sprudelten die Bächlein scheinbar fast wie gewohnt.

Fast. Denn das Umweltamt warnte zu Zeiten der größten Hitze und Trockenheit vor knapp werdenden Wasserreserven und bat, kein Nass aus den fließenden oder stehenden Gewässern zu schöpfen, den Fischen und der Natur zuliebe.

Umso größer das Erstaunen bei Peter Behr darüber, was er regelmäßig gewahrte: Da versenkte doch tatsächlich jemand einen Schlauch im Eschbach – und pumpte hinaus, was das Zeug hielt. „Trotz stark abgesunkenem Wasserstand des Eschbachs wird aus diesem derzeit laufend Wasser mit mindestens zwei Hochleistungspumpen zu Zwecken der Bewässerung von Gemüsekulturen entnommen“, berichtete der Nieder-Eschbacher. Weil ihn das wunderte, fragte er bei den Behörden nach: Gilt denn das Gebot, kein Wasser abzuschöpfen, nicht mehr? Oder dürfen manche, und andere dürfen nicht?

„Unabhängig davon“, so der Anwohner weiter, „erscheint die Bewässerung mit dem Restwasser bei niedrigstem Wasserstand des Eschbachs, angereichert mit Coli, Ehec und multiresistenten Keimen auf Lebensmitteln – wenn auch zulässig – als wenig Appetit anregend.“ Der tapfere Eschbach führe mangels Nachschub vom Himmel „derzeit quasi nur Abwasser aus der nahen Kläranlage Bad Homburg, und so riecht er auch“.

In der Tat ist der Eschbach nicht gerade bekannt als Quell des reinsten Wassers. Immer wieder mal im Verdacht, über Gebühr mit Bakterien belastet zu sein, führte er im vorigen Jahr nachweislich multiresistente Keime. Ein Mann, der in den Bach gefallen war, schleppte die tödliche Gefahr auf die Intensivstation der Uniklinik ein. Die Keime wurden später bei fünf Patienten festgestellt, drei starben – aber nicht an den Keimen, hieß es.

Wasser muss aufbereitet werden

Und dieses Wasser soll man abpumpen dürfen, um damit Gemüse zu gießen? Ja, darf man, erfuhr Behr vom Darmstädter Regierungspräsidium. Für die Entnahme bestehe eine wasserrechtliche Zulassung; damit erfolge sie nicht auf Basis des „Gemeingebrauches“, den die Stadt Frankfurt mit ihrem Aufruf unterband. Das gilt übrigens weiterhin, sagt Umweltamtssprecher Martin Müller. Noch habe es nicht genug geregnet um wieder „Wasser marsch“ zu signalisieren.

Mit der wasserrechtlichen Zulassung sind Auflagen verbunden: Die Entnahmevorrichtung muss so angebracht sein, dass sie nur Wasser saugen kann, wenn der Eschbach mehr als zehn Zentimeter tief ist. Und laut Genehmigungsbescheid, erfuhr Anwohner Behr, muss das Wasser mittels einer UV-Behandlungsanlage aufbereitet werden, ehe es aufs Gemüse regnen darf. Die Bestrahlung mit ultraviolettem Licht tötet die Keime und desinfiziert somit das Wasser.

Das alles bestätigt Dieter Ohl, Pressesprecher des Regierungspräsidiums Darmstadt, in dem die Obere Wasserbehörde angesiedelt ist. „Die gewerbliche Wasserentnahme ist unter bestimmten Bedingungen erlaubt“, sagt er. „Wir haben das in einem Fall für einen landwirtschaftlichen Betrieb genehmigt.“ Der Landwirt verfüge über eine entsprechende Anlage zur Desinfektion.

Sondergenehmigungen zur Wasserentnahme gebe es auch in seltenen Ausnahmefällen für kleinere Abnehmer. Dafür sei aber dann die Untere Wasserbehörde zuständig, die wiederum bei der Stadt Frankfurt angesiedelt ist. Aber vielleicht kommen ja auch mal wieder Zeiten, in denen das Wasser nicht derart knapp ist. In dieser Woche freilich noch nicht. Am Mittwoch werden es 30 Grad, sagt der Wetterbericht.

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