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Das MTZ.
A5 oder A66
Frankfurt

Neuer Stadtteil bald am MTZ?

06:54

Rund 170 Shops laden von morgens bis oft spätabends zum Einkaufen ein. „Im Main-Taunus-Zentrum bleiben keine Wünsche offen“, wirbt das an der Autobahn 66 zwischen Frankfurt und Wiesbaden gelegene MTZ um seine Kunden.

Bei der Eröffnung im Mai 1964 war es das erste Center in ganz Europa, das nach US-Vorbild Shoppen auf der „grünen Wiese“ zum Erlebnis machen sollte. Heute soll das große MTZ, das über die vierspurige B8 eine eigene Autobahnausfahrt hat, ein Zeichen für die neue Kooperation in der Wohnungspolitik in der Region setzen.

Geht es nach den Plänen des Regionalverbands Frankfurt/Rhein-Main, dann könnten am 90 000 Quadratmeter großen Zentrum vor den Toren Frankfurts Wohnungen für 6000 Menschen entstehen. 70 Hektar stünden zur Verfügung, die sich auf die drei Kommunen Sulzbach, Liederbach und Frankfurt verteilen. Zum Einkaufen wäre es für die Menschen nicht weit, im Center gibt es auch Ärzte und eine Apotheke. „Alle hochattraktiven Elemente einer Innenstadt sind da“, schwärmt der Direktor des Regionalverbands, Thomas Horn (CDU), über die geplante Siedlung.

Seit das boomende Frankfurt aus allen Nähten platzt, wird in der Region fast verzweifelt nach neuen Baugebieten gesucht. Frankfurt selbst will gerne im Nordwesten der Stadt auf beiden Seiten der Autobahn 5 einen neuen Stadtteil für rund 30 000 Menschen bauen. Damit hat die hessische Metropole, die inzwischen auf fast 750 000 Einwohner angewachsen ist, angrenzenden Gemeinde wie Steinbach gegen sich aufgebracht. Dort wird eine neue Trabantensiedlung mit sozialen Problemen befürchtet.

Frankfurter Pläne an der A5 umstritten

Mit dem MTZ-Vorschlag hat der Regionalverband unter seinem neuen Direktor Horn die Stadt Frankfurt unter Zugzwang gesetzt. Mit Kalkül: Denn der frühere Kelkheimer Bürgermeister lehnt wie viele andere Unionspolitiker im Speckgürtel die Frankfurter Pläne an der A5 ab - vor allem was die westliche Bebauung in Richtung Taunus angeht. Dagegen hat Horn für seinen MTZ-Vorschlag auch schon Zustimmung von Regierungschef Volker Bouffier (CDU) gefunden.

Auch Frankfurts Planungsdezernent Mike Josef (SPD) will sich den anstehenden Gesprächen mit dem Regionalverband nicht verweigern. Er verweist aber darauf, dass der neue Stadtteil nur mit Auto und Bus erreichbar ist – es fehlt der S-Bahnanschluss. Und es mangelt an Kindergärten, Schulen, Stadtteilbibliotheken oder anderen kulturellen Einrichtungen. Schließlich handelt es sich beim MTZ auch um ein Privatgelände eines kommerziellen Betreibers – und keinen öffentlichen Raum wie etwa auf der Frankfurter Zeil.

Vor allem die Anbindung an das öffentliche Frankfurter Verkehrsnetz wäre aus Sicht Josefs in dem von ihm forcierten Projekt an der A5 weit weniger problematisch. Daher will Frankfurt – auch mit den Stimmen der örtlichen CDU und Grünen – das weitaus größere Projekt zwischen Oberursel und Steinbach keinesfalls aufgeben.

Mark Gellert lobt das „neue Denken“ im Verband

Derzeit laufen die ersten Voruntersuchungen für das Vorhaben, das auf ausschließlich Frankfurter Gemarkung 545 Hektar umfassen würde. Fürs Bauen wird zwar nur ein Drittel davon gebraucht. Die Infrastruktur wie Straßen oder Brücken und Tunnels ober- und unterhalb der achtspurigen A5 benötigt aber viel Platz.

Frankfurt will jedenfalls nicht akzeptieren, dass die Autobahn die „natürliche Grenze“ für das Projekt sei, wie es Horn und andere Kritiker sehen. Der Regionalverband spricht für 75 Kommunen mit 2,3 Millionen Einwohnern in der Region – mit Frankfurt als größter Stadt. Das Gremium kann allerdings nur Vorschläge machen. Für das Baurecht mit der Umsetzung der Projekte sind immer noch die einzelnen Gemeinden zuständig.

Dennoch wissen alle in der Region, dass es beim drängenden Thema Wohnungsbau ohne interkommunale Zusammenarbeit nicht vorangeht. Sollte es trotz der vielen Bedenken zum Bau des neuen Stadtteils am MTZ kommen, hätte dies immerhin für die oft so zerstrittene Regionalpolitik Symbolcharakter. Am Freitag (22. Juni) will der Regionalverband ein erstes Gutachten der Stadtplaner vom Büro von Albert Speer vorstellen. Es geht darin um Möglichkeiten zur Verkehrsanbindung des Areals am MTZ.

Der Sprecher des Frankfurter Planungsamts, Mark Gellert, lobt das „neue Denken“ im Verband. „Die Gemeindegrenzen spielen künftig nicht mehr die Rolle“, sagt er. Wie weit der neue Geist trägt, bleibt erst einmal aber ungewiss. Es wird weiterhin mit harten Bandagen gekämpft. Für den 19. August haben die CDU-Verbände im Hochtaunus zu einem „Sternmarsch“ gegen den geplanten neuen Stadtteil an der A5 aufgerufen. (dpa)

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