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Das Main-Taunus-Zentrum in Sulzbach wurde 1964 als erstes Einkaufszentrum Deutschlands „auf der grünen Wiese“ gebaut.
Interview
Frankfurt

„Es ist eine Jahrhundertchance“

Von Andrea Rost
19:33

ECE-Geschäftsführer Andreas Mattner reagierte erfreut, als die Frankfurter Rundschau als erste Zeitung nachfragte, was denn die Betreibergesellschaft des Main-Taunus-Zentrums (MTZ) zu den Plänen für einen neuen Stadtteil am Sulzbacher Einkaufszentrum sagt. Seine Antworten kamen prompt. Die Hamburger zeigten sich nicht nur über die Pläne des Regionalverbandes bestens informiert – sie würden auch gerne mitplanen beim neuen Wohnquartier für 6000 Menschen im Rhein-Main-Gebiet. Erfahrung in der Stadtplanung hat die Gesellschaft mehr als genug. 

Herr Mattner, inwiefern sind Sie beziehungsweise die ECE in die Gespräche über den neuen Stadtteil am Main-Taunus-Zentrum eingebunden?
Wir sind beizeiten über die Idee des Regionalverbandes informiert worden und haben vereinbart, unser Know-how einzubringen, sobald erste Planentwürfe oder Verkehrsgutachten vorliegen. Die ECE hat europaweit moderne Quartiere entwickelt – zuletzt waren wir Nukleus der „Mitte Altona“ in Hamburg und haben dort über 1200 Wohnungen in einem Vorzeigequartier mit 3000 Wohnungen entwickelt. Wir realisieren derzeit für ein Volumen von über 1,5 Milliarden Euro Büros, Hotels und Wohnungen.

Das heißt, ECE könnte jederzeit mit der Entwicklung von Wohnquartieren am MTZ beginnen?
Zunächst einmal muss ein Konzept ausgearbeitet und Planrecht geschaffen werden. Die ECE ist im Rahmen dessen aber jederzeit in der Lage, mit ihren Stadtplanern und Wohnungsspezialisten innovative Wohnquartiere zu entwickeln.

Bringt ein neuer Stadtteil in unmittelbarer Nachbarschaft aus Ihrer Sicht Vorteile für das Sulzbacher Einkaufszentrum oder eher Nachteile?
Ein neues Quartier sorgt für eine städtebauliche Integration des MTZ, das ist ein Vorteil sowohl für die Region und damit für die Menschen im Einzugsgebiet als auch für das MTZ selbst. Nachdem über Jahrzehnte zum Teil die Konstellation des Centers „auf der grünen Wiese“ kritisiert wurde, steckt darin eine Jahrhundertchance. 

Worin besteht diese Chance?
Anders als bei vielen Quartiersentwicklungen, die aktuell in deutschen Großstädten diskutiert und geplant werden, würde dieses Quartier eine wirklich lebendige Mitte haben. Die große Chance sehen wir daher auch darin, hier kein monofunktionales Entwicklungsgebiet zu haben, sondern durch die Integration des MTZ die vieldiskutierte und gewünschte Mischung mit Gastronomie, dem vorhandenen Einzelhandel des MTZ, Dienstleistung und Entertainment in dem neuen Quartier realisieren zu können. Selbstverständlich freuen wir uns auch auf die neuen Kunden aus der dann unmittelbaren Nachbarschaft.

Kann das MTZ als Einkaufszentrum „auf der grünen Wiese“ überhaupt die Aufgabe einer Innenstadt mit Nahversorgung für 6000 Menschen erfüllen, wie von den Planern angedacht? Oder wäre es dann überlastet? 
Zunächst würde das MTZ als lebendige Mitte die Umsetzung des städtebaulichen Leitbildes der „Stadt der kurzen Wege“ erst ermöglichen. Das ist sicher ein Plus für die neuen Anwohner, die sich weitere Wege für den mittel- und langfristigen Bedarf sparen und weniger Verkehr verursachen. Schon jetzt haben wir für den Kurzfristbedarf viel zu bieten und sind zudem flexibel, uns weiter anzupassen. Das haben wir immer wieder bewiesen.

Was genau meinen Sie mit anpassen? Gibt es Angebote, die in der Nahversorgung fehlen?
Der Anteil des Kurzfristbedarfs im MTZ ist aktuell kleiner gehalten, da das entsprechende direkte Wohnumfeld fehlt, das den täglichen Bedarf nachfragt. Hier würden wir nacharbeiten.

Diskutiert wird auch eine Anbindung des neuen Stadtteils und damit des MTZ an das Schienennetz. Wie schätzen Sie die Lage ein? 
Die neuen Anwohner brauchen den Bahnanschluss nicht, um in das Einkaufszentrum zu kommen. Das MTZ hat bislang auch ohne Schienennetz funktioniert. Die Bewohner  aus den neuen Quartieren könnten es zukünftig fußläufig und mit dem Fahrrad sehr gut erreichen. 

Das heißt, es geht auch ohne Schienenanschluss? 
Es gibt da kein Junktim. Wichtiger ist diese Überlegung sicher im Hinblick auf eine deutlich bessere ÖPNV-Anbindung an die Städte. Für die neuen Einwohner würde das ein Plus an Wohnqualität bedeuten. Deshalb ist es aus meiner Sicht wichtig, die kommenden Verkehrsgutachten zu sichten und damit weiterzuarbeiten. Hier liegt die eigentliche Arbeit. Da müssen auch die Vorteile für die Sulzbacher deutlich werden.

Und was passiert mit den kostenlosen Parkplätzen am MTZ, mit denen Sie als Betreiber werben? Würden die dann nicht als Gratis-Park&Ride genutzt werden, und Ihre Kunden hätten das Nachsehen?
Im Rahmen des Verkehrskonzeptes sollte eine für alle Beteiligten optimale Lösung gefunden werden. Wenn zum Beispiel ausreichend kostenlose Parkplätze für den Park&Ride-Verkehr eingeplant werden, aber auch Plätze für Bike&Ride, wäre die Situation deutlich entspannter. Außerdem verändert sich das Mobilitätsverhalten, daher sollten auch innovative Lösungen Berücksichtigung finden. 

Woran denken Sie da?
Zum Beispiel an autonomes Fahren mit Bussen. Ich bin damit auf dem EUREF-Gelände in Berlin befasst. Auch die Hochbahn Hamburg geht ein derartiges Projekt konkret an. Mit solchen Systemen können zumindest Kurzstrecken, später auch Mittelstrecken, im kurzen Takt befahren werden. Sie sind städtebaulich einfacher zu integrieren und wesentlich preisgünstiger als schienenbezogene Systeme.

In den Abendstunden könnte das Einkaufszentrum durch eine MTZ-Stadt belebt werden. Ein Vorteil aus Ihrer Sicht?
Ganz sicher wird es dort städtisches Leben geben, und das ist ein Vorteil für Sulzbach, für das MTZ und für die neuen Stadtquartiere. Neben dem gewachsenen Angebot in Sulzbach kommen damit ganz neue und zusätzliche Plätze, Straßen und urbane Aufenthaltsorte dazu. Das Angebot wird größer und differenzierter. Sollte ein neuer Stadtteil mit 6000 Menschen entstehen, würden die Themen Gastronomie und Entertainment eine neue Bedeutung für das neue Quartier und das MTZ bekommen. 

Gibt es Überlegungen der ECE, im Zuge des Baus eines neuen Stadtteils auch das Einkaufszentrum nochmal zu erweitern?
Nein, es gibt keine Erweiterungsüberlegungen. 

Interview: Andrea Rost

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