© Rolf Oeser, FR
Für den Bau des neuen Stadtteils will Frankfurt prüfen, ob die A5 hier weiter nach Westen verlegt werden kann.
Neuer Stadtteil
Frankfurt

Frankfurt prüft Verlegung der A5

Von Claus-Jürgen Göpfert
15:06

Im Rahmen der Voruntersuchungen für einen neuen Stadtteil im Frankfurter Norden prüfen die städtischen Planer in Frankfurt auch eine Verlegung der Autobahn 5. Das hat das Planungsdezernat der Stadt am Dienstag der FR bestätigt. Steinbachs Bürgermeister Stefan Naas (FDP) reagierte mit einem wütenden Protest: Er nannte die Überlegungen der Frankfurter „völlig absurd“.

Derzeit hat im Frankfurter Planungsdezernat die Phase der städtebaulichen Voruntersuchungen für den neuen Stadtteil begonnen, der einmal Wohnungen für 30.000 Menschen bieten soll. Im Rahmen dieser Prüfung „denken wir auch über den Verlauf der Autobahntrasse nach“, so Mark Gellert, der Sprecher von Planungsdezernent Mike Josef (SPD) zur FR.

Es werde geprüft, „ob eine Verschwenkung der Autobahn möglich ist“, sagte Gellert. Bisher würde die achtspurige Autobahn 5 den neuen Stadtteil im Frankfurter Norden durchschneiden.

Würde man den großen Verkehrsweg aber weiter nach Westen in Richtung Steinbach und Oberursel verlegen, entfiele diese Trennwirkung, die bisher das Haupthindernis für einen funktionierenden Stadtteil darstellt.

Gellert ließ offen, wo genau die A 5 nach den Vorstellungen der städtischen Planer verlaufen könnte. Er beteuerte lediglich: „Wir haben nicht vor, die Autobahn nach Steinbach zu verlagern.“ Tatsächlich würde der Verkehrsweg aber natürlich näher an Steinbach heranrücken.

Für eine Verlegung des Verkehrswegs müsse die Stadt Frankfurt „den Bund und das Land mit ins Boot holen“, so der Sprecher des Planungsdezernats.

Die Verlegung der Autobahn ist eine der Varianten, die jetzt im Rahmen der städtebaulichen Voruntersuchungen geprüft wird. Eine zweite ist die Frage, ob die Autobahn nicht mit sogenannten „Landschaftsbrücken“ überbaut werden kann, wie das die Frankfurter Grünen ins Spiel gebracht haben.

Damit ist nichts anderes gemeint, als die Autobahn auf einer längeren Wegstrecke mit einem Deckel zu versehen, der dann begrünt wird. Ein solches Projekt würde Kosten bedeuten, die den Milliardenbereich erreichen könnten.

Es müsste außerdem juristisch im Bundesverkehrswegeplan verankert werden, was auf Sicht als unrealistisch erscheint. Eine bloße Verlegung der Autobahn wäre sicherlich wesentlich preisgünstiger zu haben.

Genau diese Fragen werden jetzt im Rahmen der städtebaulichen Voruntersuchungen von den Frankfurtern geprüft. Bis Ende 2019 soll ein Ergebnis in Gestalt eines städtebaulichen Rahmenplans vorliegen.

„Wir denken über alles nach“, bestätigte Gellert noch einmal ausdrücklich. In Steinbach warnte Bürgermeister Naas vor einer Kostenexplosion im Zusammenhang mit dem neuen Stadtteil.

„Was die Stadt Frankfurt da hochziehen will, droht ein Alptraum zu werden“, so der FDP-Politiker. Frankfurt gehe nicht anständig mit seinen Nachbarn um, sondern stelle sie vor die Alternative: „Akzeptiert die Trabantenstadt oder ihr bekommt eine Autobahn vor die Nase geknallt!“ So werde klar, was Frankfurt wirklich von seinen Nachbarn halte.

Frankfurt müsse den jetzigen Verlauf der Autobahn als „natürliche Grenze“ akzeptieren. Der Bürgermeister forderte Planungsdezernent Josef auf, sich von einer Verlegung der A 5 öffentlich zu distanzieren.

Ansonsten entstünde ein „geschlossener Siedlungsteppich“. Steinbach und Oberursel würden zu einem bloßen „Anhängsel“ von Frankfurt degradiert.

Er erinnerte daran, dass die A5 eine der meistbefahrenen Autobahnen Deutschlands sei. Täglich werde sie in diesem Abschnitt im Frankfurter Norden von 135 000 Autos benutzt, sagte der FDP-Politiker.

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