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Immobilien in Frankfurt sind auch bei ausländischen Anlegern sehr gefragt.
Wohnen in Frankfurt
Frankfurt

Keine Entspannung am Wohnungsmarkt

Von Christoph Manus
15:54

Die Hypo-Vereinsbank rechnet trotz der in den vergangenen Jahren deutlich gestiegenen Neubauzahlen damit, dass die Preise und Mieten für Wohnungen in Frankfurt zunächst noch weiter steigen, bevor sie mittelfristig auf hohem Niveau stagnieren. Für diese Entwicklung spricht nach Ansicht der Bank das immer noch historisch niedrige Zinsniveau, der erwartete weitere Bevölkerungszuwachs in der Region, aber auch die im Zuge des Brexits mögliche Verlagerung von Arbeitsplätzen von der Themse an den Main.

Noch ist die Situation auf dem Frankfurter Wohnungsmarkt nach Beobachtung der Hypo-Vereinsbank sehr angespannt. Das Angebot an Bestandswohnungen, die zum Verkauf angeboten werden, sinkt. Eigentümer behielten diese lieber, als sie zu verkaufen, weil sie mit weiter steigenden Preisen rechneten, sagte Martin Puchta, Experte für private Immobilienfinanzierung im Privatkundengeschäft in Frankfurt, am Freitag bei der Vorstellung eines Wohnimmobilien-Marktberichts für die Stadt.

Auch Geld aus dem Ausland fließt zunehmend in den Frankfurter Immobilienmarkt, etwa in Projekte wie den Wohnturm Grand Tower, der am Einkaufszentrum Skyline Plaza weithin sichtbar in die Höhe wächst. Gewerbliche Anleger sähen Deutschland wegen der im Vergleich hohen Stabilität als „Kapitalsicherungsstelle“, sagte Guido Gerstner, bei der Hypo-Vereinsbank zuständig für die gewerbliche Immobilienfinanzierung im Firmenkundengeschäft in der Region West. Gerade Städte wie Frankfurt, Wiesbaden, Darmstadt und Mainz seien bei Investoren, Bauträgern und Wohnungsgesellschaften sehr gefragt.

Die hohe Nachfrage nach Wohnungen und Bauland in Frankfurt und dem Umland führe auch zur Spekulation, hieß es. Eigentümer hofften auf weiter steigende Preise und ließen deshalb Flächen zum Teil zunächst bewusst liegen. Einige Grundstücke würden drei bis vier Mal verkauft, bis sie bebaut werden, beobachtet Gerstner. Bei jedem Verkauf würden diese dann zehn bis zwanzig Prozent teurer. Das schlage sich im Preis der entstehenden Wohnungen nieder.

Kunden nutzen niedrige Zinsen

Trotz der stark gestiegenen Preise für Wohnungen in Frankfurt hält die Hypo-Vereinsbank den Markt noch für gesund. Lediglich in einzelnen Bereichen, etwa bei den Mikroapartments, seien erste Anzeichen für eine Marktsättigung zu spüren.

Noch immer gebe es in Stadt und Region genug Menschen, die es sich leisten könnten, sich eine Immobilie zu kaufen, hieß es. Dafür spreche etwa, dass die Privatkunden, denen die Hypo-Vereinsbank Kredite gewährt, 20 bis 40 Prozent Eigenkapital mitbrächten, wie Regionalbereichsleiter Christian Mangartz sagte. Immer mehr Kunden entschieden sich dabei für sehr lange Zinsbindungen von bis zu 30 Jahren. Zum größten Teil kauften die Kunden Immobilien, die sie selbst bewohnen wollen, sagte Puchta. Unter diesen seien etwa Banker, Rechtsanwälte und Menschen, die etwas geerbt hätten.

Die Bank spüre zudem den Trend, dass immer mehr Kunden die derzeit niedrigen Zinsen nutzen, um Wohnungen zu renovieren oder zu modernisieren, hieß es.

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