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Auf dem riesigen Gelände der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) am Römerhof sollen 2000 Wohnungen entstehen.
Wohnen in Frankfurt
Frankfurt

Scharfer Streit um Wohngebiet

Von Claus-Jürgen Göpfert
21:27

Um das geplante Wohngebiet Am Römerhof, eines der größten in Frankfurt, ist ein heftiger Streit in der Römer-Koalition entbrannt. Die SPD im Rathaus hält ihrem Koalitionspartner CDU vor, „den Bezug zur Realität verloren“ zu haben. Die Christdemokraten lehnen bei den geplanten 2000 Wohnungen einen Anteil von 40 Prozent öffentlicher Unterkünfte ab – sie fürchtet die Entstehung eines „sozialen Brennpunktes“.

Das grenzt aus Sicht der Sozialdemokraten „an Panikmache“, sagt die SPD-Fraktionsvorsitzende im Römer, Ursula Busch. Die CDU sehe bei einem Anteil von 40 Prozent öffentlicher Förderung „schon die Barrikaden brennen“. Tatsächlich sei weit über die Hälfte aller Frankfurter Haushalte berechtigt, eine geförderte Wohnung zu beziehen. „Das sind doch nicht alles Problemfälle, die marodierend durch den Stadtteil ziehen.“

Künftiger Bauherr auf dem 18 Hektar großen Gelände Am Römerhof ist der städtische Wohnungskonzern ABG. Er möchte gerne einen Anteil von 40 Prozent öffentlich geförderter Wohnungen dort verwirklichen. Das entspricht auch der Haltung des Wohnungsdezernenten Mike Josef (SPD) und des grünen Koalitionspartners.

Für SPD-Fraktionschefin Busch entspricht dieses Vorgehen exakt dem Inhalt des Koalitionsvertrages. Darin sei festgelegt, dass die ABG bei Neubauten einen Anteil von 40 Prozent öffentlich geförderter Unterkünfte errichten müsse.

Die Grünen sehen einen „Riesenbedarf“ gerade für Wohnungen, die nach dem ersten Förderweg bezuschusst werden, erläutert Manuel Stock, der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Römer – also die klassischen sogenannten Sozialwohnungen. Für sie müsse die Hälfte der 40 Prozent öffentlich geförderter Unterkünfte reserviert werden, fordert Stock.

Tatsächlich steigt die Zahl der Menschen, die in Frankfurt eine Sozialwohnung suchen, immer weiter. Mehr als 10 000 Haushalte sind mittlerweile beim städtischen Amt für Wohnungswesen registriert.

Nach einer Untersuchung des Institutes für Wohnen und Umwelt (IWU) in Darmstadt, die im Auftrag der Stadt Frankfurt erstellt worden war, besitzen 68 Prozent aller Frankfurter Miethaushalte von ihrem Einkommen her die Berechtigung, eine öffentlich geförderte Wohnung zu beziehen. Diese Expertise stammt allerdings aus dem Jahr 2015 – mittlerweile dürfte der Anteil berechtigter Personen in der wachsenden Großstadt Frankfurt weiter gestiegen sein.

Diese theoretische Berechtigung hilft den Menschen freilich nichts. Denn es entstehen nicht genug öffentlich geförderte Wohnungen in der Stadt, um den Bedarf zu erfüllen.

Genau 49 Prozent aller Frankfurter Miethaushalte wären berechtigt, eine Sozialwohnung zu beziehen – das sind Unterkünfte nach dem sogenannten ersten Förderweg. Weitere 19 Prozent der Mieter, die etwas mehr verdienen, könnten eine Wohnung des zweiten Förderweges beantragen; für diese Wohneinheiten vergibt die Stadt Baudarlehen und Zuschüsse. Dieses Förderprogramm für Haushalte mit mittlerem Einkommen wurde im Jahre 2017 überarbeitet.

Da diese Zahlen inzwischen schon drei Jahre alt sind, wird Planungsdezernent Josef noch in diesem Jahr eine neue Untersuchung zum Frankfurter Wohnungsmarkt in Auftrag geben. Das kündigte sein Sprecher Mark Gellert am Mittwoch im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau an. Das Dezernat werde dazu Angebote entsprechender Institute einholen.

Wie der Konflikt in der Rathauskoalition um das geplante große Wohngebiet am Römerhof im Westen der Stadt gelöst werden kann, ist offen. Die Sozialdemokraten appellierten an ihren Partner CDU, „wieder gemeinsam mit SPD und Grünen für die Schaffung von preiswerten Wohnungen zu kämpfen, anstatt ständig auf der Bremse zu stehen“.

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