© Bien-Ries, FR
84 Wohnungen sollen an der Ostbahnhofstraße entstehen. Erschwinglich werden sie nicht.
Wohnen in Frankfurt
Frankfurt

So viele Wohnungen, so teuer wie nie

Von Christoph Manus
11:24

Der Wohnungsbauboom in Frankfurt setzt sich fort. 4901 Wohnungen sind voriges Jahr auf den Markt gekommen. Das sind so viele wie seit 40 Jahren nicht. Auch die Zahl der Baugenehmigungen stieg 2017 auf ein Rekordhoch, bilanzieren die städtischen Statistiker. Die Bauaufsicht gab demnach 5751 Wohnungen für den Bau frei, 441 mehr als im bisherigen Rekordjahr 2013.

Nicht nur der auch für Statistik zuständige Baudezernent Jan Schneider (CDU) geht davon aus, dass die derzeit hohe Bautätigkeit in Frankfurt zumindest in den kommenden Jahren anhalten wird. Weil die Zinsen niedrig, Anlagealternativen rar, die wirtschaftliche Lage stabil und Wohnungen in Frankfurt sehr leicht zu verkaufen sind, reißen sich Investoren derzeit trotz der immensen Preise regelrecht um Grundstücke in der Stadt.

Bremsend auf die Bautätigkeit wirkt allerdings, dass die in den vergangenen Jahren starke Umwandlung von Büros in Wohnungen und die Konversion früher gewerblich genutzter Areale langsam an Grenzen stoßen und mancher Eigentümer Grundstücke lieber liegen lässt und auf steigende Preise spekuliert, statt zu bauen. Und bis die großen Flächen im Nordwesten Frankfurts an der A5, deren Entwicklung die Stadt prüft, bebaut werden können, kann es viele Jahre dauern.

Nur München ist teurer

Wer hoffte, eine steigende Bautätigkeit wirke sich dämpfend auf die Preise und Mieten in der Stadt aus, hat sich allerdings bisher kräftig getäuscht. Im Gegenteil steigen diese trotz des wachsenden Angebots sogar immer schneller. Denn was gebaut wird, ist zum größten Teil sehr teuer. Neue Wohntürme gehen in den Bau, deren Wohnungen im Schnitt für Preise von gut 10.000 Euro pro Quadratmeter vermarktet werden. 

Nach Zahlen des Maklerhauses Aigner werden Bestandswohnungen in Frankfurt inzwischen im Schnitt für 5200 Euro pro Quadratmeter angeboten, Neubauten sogar für 5900 Euro pro Quadratmeter. Bei JLL nennt man für Wohnungen in Frankfurt Preise von 5260 Euro pro Quadratmeter. Nur München ist noch teurer.

Auch für Menschen, die eine Wohnung zur Miete suchen, wird die Lage immer schlechter. Bestandswohnungen werden nach Zahlen von Aigner Immobilien inzwischen im Schnitt für Mieten von 14,60 pro Quadratmeter angeboten, Neubauten für 14,30 Euro pro Quadratmeter. JLL nannte jüngst einen Mittelwert von 14,55 Euro pro Quadratmeter. Und gegen den Trend hat sich der Anstieg der Mieten in Frankfurt nach Zahlen dieses Maklerhauses zuletzt sogar noch beschleunigt.

Mit einem raschen Ende dieser Preis- und Mietanstiege rechnet derzeit niemand. Die Hypovereinsbank etwa prognostizierte jüngst, dass die Preise und Mieten in Frankfurt zunächst weiter steigen, dann auf hohem Niveau stagnieren. Dafür spreche die riesige Nachfrage nach Wohnungen in der Stadt, auch von ausländischen Kapitalanlegern.

Lesen Sie weitere Berichte aus Frankfurt am Main   Zur Startseite
Schlagworte