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Die Einkaufsmeilen des MTZ könnten zum Zentrum des neuen Quartiers werden.
Wohnungsbau
Frankfurt

Hunger nach Wohnraum

Von Jutta Rippegather
20:26

Das Rhein-Main-Gebiet boomt. Wie ein Magnet zieht der Ballungsraum die Menschen an. Hier sind die Arbeitsplätze, hier gibt es attraktive Kultur- und Freizeitangebote. Hier wollen sie auch wohnen. Den Druck spüren alle Kommunen in der Region. Sie schließen ihre Baulücken, erweitern ihre Ortsränder. Alles kleine Projekte, die im Einzelnen etwas bewirken können, doch nicht das Gesamtproblem lösen.

Große Neubaugebiete sind notwendig, um den Hunger nach Wohnraum zu stillen, sagt die Kommunalpolitik. Unsere Felder, Wiesen, Erholungsgebiete dürfen nicht zerstört werden, entgegnen die Alteingesessenen, die Landwirte und Naturschützer. Ein Interessenkonflikt. Vor diesem Hintergrund gilt es, Antworten auf eine der drängendsten Fragen des Ballungsraums zu finden. Antworten, die im Idealfall die Interessen aller berücksichtigen.

Prädestiniert dafür ist der Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main. Sein expliziter Auftrag ist „die Weiterentwicklung und Förderung der Metropolregion zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger sowie der Unternehmen“. Die Wohnungsbedarfsprognose für seine 75 Mitgliedskommunen geht davon aus, dass bis zum Jahr 2030 gut 184 000 neue Wohnungen entstehen müssen. Die Bevölkerung werde um 8,5 Prozentpunkte auf 2,4 Millionen ansteigen.

Rund 6000 dieser Menschen könnten in einem neuen Baugebiet rund um das Main-Taunus-Zentrum (MTZ) in Sulzbach ein Zuhause finden. Mit dieser Idee sind die seit März Amtierenden, Verbandsdirektor Thomas Horn (CDU) und Erster Beigeordneter Rouven Kötter (SPD), im Mai an die Öffentlichkeit gegangen. Statt anschließend die Diskussionen ungezähmt laufen zu lassen, beauftragten sie das Planungsbüro Albert Speer und Partner damit, ein Mobilitätskonzept für das Baugebiet auszuloten. Das Ergebnis präsentierten die Beteiligten in der vergangenen Woche. Und nahmen damit all jenen den Wind aus den Segeln, die eine Anbindung an den Öffentlichen Nahverkehr für unrealistisch erklärten.

Zwei Varianten-Entwürfe stellten die Experten für das rund 70 Hektar große Wohngebiet vor. Beide sehen eine Schleife der einspurigen Regionalbahntrasse zwischen Sulzbach und der A66 vor samt Bahnhof im Quartier mit zwei Gleisen, damit Züge aus beiden Richtungen sich dort begegnen können. Die RB11 (Sodener Bahn), die derzeit dort verkehrt, könnte dann häufiger unterwegs sein. Die große Lösung sieht zusätzlich die Verlängerung der Tramlinie 11 über den Bahnhof Höchst vor. Die Verlegung des motorisierten Durchgangsverkehrs, Radschnellwege, Carsharing oder autonome Shuttles sollen den Individualverkehr aus dem neuen Viertel heraushalten.

Die Landesregierung und die Stadt Frankfurt stehen dem Projekt laut Horn positiv gegenüber. In den betroffenen Kommunen Sulzbach und Liederbach ist noch einiges an Überzeugungsarbeit notwendig. Sie entscheiden letztendlich, ob das MTZ-Quartier Wirklichkeit wird.

Nach den Sommerferien will die Regionalverband-Spitze die erste städtebauliche Idee vorstellen. Auch hat sie angekündigt, weitere Baugebiete zur Diskussion zu stellen.

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