© Peter Jülich, FR
Eine bezahlbare Wohnung in Frankfurt zu finden, ist schwierig.
Wohnungsmarkt in Frankfurt
Frankfurt

In Frankfurt fehlen fast 110.000 Wohnungen

Von Claus-Jürgen Göpfert
06:56

Bis zum Jahre 2040 müssen in Frankfurt am Main insgesamt 106 438 Wohnungen gebaut werden, um den zusätzlichen Bedarf der wachsenden Stadt zu decken. Diese alarmierende Zahl findet sich im jüngsten Wohnungsmarktbericht, den der Magistrat noch unmittelbar vor den Sommerferien beschlossen hat.

Es wird deutlich, dass die Anstrengungen der Stadtregierung damit nicht Schritt halten, obwohl der Wohnungsbau erheblich angekurbelt wurde. Zwischen 2014 und 2020 müssten dem Bericht zufolge jährlich 6700 Wohnungen gebaut werden. Die tatsächlichen Zahlen nannte der FR am Dienstag Mark Gellert, der Sprecher von Wohnungsdezernent Mike Josef (SPD): 2016 entstanden in Frankfurt 3466 neue Wohnungen, 2017 waren es 4722.

Die Basis für die Berechnung des Wohnungsbedarfs ist die sogenannte Bevölkerungsvorausberechnung des Bürgeramtes, Statistik und Wahlen, die bis zum Jahre 2040 reicht. Bis dahin soll die Einwohnerzahl von Frankfurt auf 830.000 steigen, bis zum Jahre 2030 auf 810.000. Derzeit gehen die Fachleute von fast 750.000 Menschen in der Stadt aus. Das sind allerdings nur die offiziell gemeldeten, hinzu kommt eine unbekannte Dunkelziffer von Personen, die sich gegenüber den Behörden nicht offenbaren. Nach dieser Berechnung wird bis zum Jahre 2040 die Zahl der 75-jährigen und Älteren in Frankfurt um 34 Prozent zunehmen.

Ein besonders großer Bedarf besteht an Sozialwohnungen. Genau 9583 Haushalte sind beim Amt für Wohnungswesen offiziell als Suchende registriert. Obwohl die Stadt versucht, durch den Ankauf von Belegrechten gegenzusteuern, fallen immer weitere Sozialwohnungen aus der Sozialbindung. Der Bericht geht davon aus, dass bis zum Jahre 2026 fast 3000 gebundene Wohnungen wegfallen – dabei ist allerdings der gleichzeitige Ankauf von Belegrechten nicht berücksichtigt.

Im Jahr 2016 belief sich der Bestand an Wohnungen, die registrierten Wohnungssuchenden in Frankfurt zur Verfügung standen, noch auf 32 064. Die Anzahl der tatsächlichen Vermittlungen ist in den zurückliegenden Jahren deutlich gesunken. Lag sie zu Beginn der 2000er Jahre noch relativ stabil zwischen 2400 und 2700 pro Jahr, sank sie 2016 erstmals unter die Grenze von 2000.

Immer mehr Wohnungssuchende werden der Dringlichkeitsstufe 1 zugeordnet. 2016 waren das 45,3 Prozent der Wohnungssuchenden.

Zur Dringlichkeitsstufe 1 gehören Menschen, die ihre Wohnung verloren haben, die zur Räumung ihrer Unterkunft verpflichtet, die in Heimen untergebracht sind oder schon sehr lange auf eine Wohnung warten. Die Mieten in der Stadt steigen weiter. Die durchschnittliche Angebotsmiete in Wohnungsanzeigen und Internetplattformen lag 2016 bei 12,76 Euro pro Quadratmeter, eine Steigerung von 5,98 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im zweiten Quartal 2017 stellten die Fachleute dann schon eine Angebotsmiete von durchschnittlich 13 Euro fest.

Die teuersten Stadtteile blieben Nordend, Ostend und Westend. Im Westend lagen die Spitzenmieten bei 20 Euro pro Quadratmeter. Im Riederwald und in Fechenheim beobachteten die Experten die niedrigsten Mieten, sie lagen durchschnittlich um 8,50 Euro. Die durchschnittliche Wohnfläche pro Einwohner wächst. Sie liegt bei 37,1 Quadratmetern, im Vorjahr waren es noch 35,55 Quadratmeter.

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