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60 bis 80 neue Flüchtlinge kommen jeden Monat nach Frankfurt. (Symbolfoto)
Zuwanderung
Frankfurt

Frankfurt sucht dringend Flüchtlingsunterkünfte

Von Hanning Voigts
14:03

Die Stadt Frankfurt sucht weiter händeringend nach zusätzlichen Unterkünften für geflüchtete Menschen. Derzeit würden der Stadt von der zentralen hessischen Erstaufnahmestelle in Gießen jede Woche zehn Flüchtlinge zugewiesen, sagte Manuela Skotnik, Sprecherin von Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU), der Frankfurter Rundschau. Eigentlich müsse Frankfurt sogar 15 Menschen pro Woche aufnehmen. Man habe mit dem Land aber eine temporäre Stundung vereinbart, „weil die Lage so angespannt ist“.

Da jeden Monat etwa Kinder in den Unterkünften geboren würden und rund zehn weitere Menschen durch Familiennachzug dazukämen, müsse die Stadt derzeit monatlich zwischen 60 und 80 Flüchtlinge zusätzlich unterbringen, sagte Skotnik. Weil Frankfurt gerade nicht das volle Soll an Aufnahmen erfülle, rechne man im kommenden Jahr mit weiter steigenden Zahlen.

Von den insgesamt 7300 Geflüchteten, die Frankfurt seit 2014 zugewiesen wurden, wohnen nach aktuellem Stand noch 4900 in städtischen Unterkünften. Rund 2600 von ihnen seien als asylberechtigt anerkannt oder subsidiär schutzberechtigt, sodass sie jederzeit in eine eigene Wohnung ziehen könnten, sagte Skotnik. Aufgrund der angespannten Lage am Wohnungsmarkt zögen aber nur etwa 45 Menschen pro Monat aus den Unterkünften aus. Zudem fielen regelmäßig Unterkunftsplätze weg, weil temporäre Wohnprojekte wieder schließen müssten. Außerdem bringe die Stadt nur noch möglichst wenige Flüchtlinge in Hotels unter, um ihre Integration nicht zu erschweren.

Die Ende 2015 eingerichtete Stabsstelle Flüchtlingsmanagement steht also unter großem Druck, rasch neue Unterkunftsplätze zu schaffen. Seit dem Frühjahr wohnen wieder 84 Geflüchtete in der ehemaligen Uni-Mensa „Labsaal“ in Bockenheim, auch die Sport- und Kulturhalle Unterliederbach ist erneut als Unterkunft ertüchtigt worden. Drei neue Einrichtungen befinden sich momentan im Bau: in der Straße Zum Eiskeller in Schwanheim, auf dem Sportfeld der ehemaligen Edwards-Kaserne in Berkersheim und in der Straße Im Niederfeld in Harheim. In Harheim hatten Sozialdezernentin Birkenfeld und Planungsdezernent Mike Josef (SPD) Anfang vergangener Woche mit dem Bauunternehmer und dem Deutschen Roten Kreuz Richtfest gefeiert. Im Winter sollen die ersten Flüchtlinge einziehen, vor allem Familien.

Vorbehalte im Stadtteil

Die Stadt hat zudem den Bau zweier neuer Unterkünfte angekündigt: auf einer Freifläche in der Wiener Straße in Oberrad und im Hausener Weg in Rödelheim. Dort werden derzeit die Anwohner informiert, die Projekte befinden sich noch in der Planungsphase. Vor Ort stoße man nach wie vor auf Unverständnis und Vorbehalte in der Bevölkerung, räumte Skotnik ein. Man bemühe sich, die Anwohner durch frühe Informationen und Transparenz mitzunehmen, müsse aber auch immer wieder erklären, dass die Bürger über den Bau neuer Unterkünfte nicht abstimmen können und dieser auch nicht generell zur Diskussion stehe. „Die Menschen müssen versorgt werden.“ Bei den letzten Bürgerversammlungen sei der Ton zum Glück eher ruhig und sachlich gewesen.

Bei der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt steht die Stadt weiterhin vor großen Problemen. Gerade Menschen, die in ihrer Heimat kaum Bildung erfahren hätten, falle es schwer, Deutsch zu lernen, sagte Skotnik. Viele hätten obendrein Probleme, sich die auch in einfacheren Jobs geltenden Vorschriften und Sicherheitsregeln einzuprägen. „Das treibt uns sehr um.“

Erst in der vorigen Woche hatte die Stadtverordnetenversammlung mit den Stimmen der Koalition aus CDU, SPD und Grünen einen Vorstoß der Linksfraktion abgelehnt, auf die Forderungen des bundesweit tätigen Bündnisses „Seebrücke“ einzugehen und freiwillig zusätzliche Flüchtlinge aufzunehmen, die auf dem Mittelmeer aus Seenot gerettet wurden. Die Christdemokraten hatten sich innerhalb des Regierungsbündnisses klar gegen die Idee ausgesprochen.

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