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Nadja Erb, Danijel Majic, Bascha Mika und Volker Weiß sprechen über rechte Mythen.
Buchmesse Frankfurt
Kultur

Kein Raum für rechte Selbstdarstellung

16:26

Wenn jemand die Neue Rechte in Deutschland kennt, dann Volker Weiß. Nicht nur weil der Historiker unlängst mit „Die autoritäre Revolte“ ein Standardwerk über Ideologie, Geschichte und Akteure dieser gar nicht mehr so neuen Inkarnation des deutschen Rechtsextremismus verfasst hat, sondern weil er das neurechte Personal von Angesicht zu Angesicht kennt. Das letzte Mal, als er mit ihrem derzeit bekanntesten Protagonisten Götz Kubitschek zusammentraf, endete es in einem Wutausbruch des selbst ernannten „Vordenkers“ der Neuen Rechten.

An diesem Messemittwoch belässt Kubitschek es dabei, kurz bei einem Vortrag von Weiß Präsenz zu zeigen – begleitet von seiner Frau, Ellen Kositza, und einem eigenen Kamerateam. Kurze Zeit später sitzt Weiß auf der Bühne des großen Lesezelts, um mit FR-Chefredakteurin Bascha Mika und den FR-Redakteuren Danijel Majic und Nadja Erb über die „Mythen der Rechten“ zu diskutieren. Die Grünen-Politikerin Claudia Roth, die eigentlich auch teilnehmen sollte, musste kurzfristig absagen – sie hängt in Berlin in den Koalitionsverhandlungen fest.

Im Zentrum der Diskussion stehen rechte Narrative, die von FR-Autoren in einer Artikelserie, die nun als Buch mit dem Titel „Mythen der Rechten“ vorliegt, untersucht wurden. „Eine Mischung aus Halbwahrheiten und echten Mythen“, wie es Nadja Erb eingangs formuliert. Wie werden sie verbreitet und von wem, und welche Rolle spielten sie bei der Mobilisierung des Wählerpotenzials der AfD?

Danijel Majic erläutert die Grundintention der Serie. „Wer zu Rechtsextremismus recherchiert, bewegt sich zwangsläufig in den sozialen Netzwerken. Dort tritt man auf Narrative, die bereits seit Jahren unhinterfragt verbreitet werden.“ Als Beispiele nannte er die erfundene „Vergewaltigungsepidemie in Schweden“ oder die angeblich immer weiter steigenden Vergewaltigungszahlen in Deutschland. Beides Thesen, die in „Mythen der Rechten“ widerlegt werden.

Volker Weiß indes mahnte an, auch bei kritischer Berichterstattung nicht das Vokabular neurechter Publikationen zu verwenden. Gerade Begriffe wie „Vergewaltigungsepidemie“ oder „Verschwulung“ in Bezug auf die Debatte um Sexualerziehung. Dies trage dazu bei, solche Diskurse salonfähig zu machen. Stattdessen käme es darauf an, ihre Positionen zu stellen und beim Namen zu nennen.

FR-Chefredakteurin Bascha Mika bezeichnete in diesem Zusammenhang den jüngsten Versuch der Grünen, den Begriff „Heimat“ positiv zu besetzen, um ihn „nicht den Rechten“ zu überlassen, als „albern“. Im Umgang mit der AfD, durch die rechte Mythen nun auch ein Podium im Deutschen Bundestag erhielten, hoffe sie darauf, dass die Partei mit den Reglementierungen des Diskurses im Parlament nicht zurechtkomme. „Ich glaube, die werden daran zerbröseln.“

Volker Weiß schließlich warnt im Zusammenhang mit dem Einzug der AfD ins Bundesparlament vor Panikmache. „Es ist ja gar nicht so, dass sie den öffentlichen Raum erobert hätten. Es geht hier um eine Minderheit von 13 Prozent“, so Weiß. Allerdings, so Majic, könne man derzeit auf der Buchmesse sehr gut die Raumergreifungsstrategie der Neuen Rechten beobachten. Allerdings nicht an diesem Mittag im Lesezelt. Kubitschek lässt sich nicht blicken. (FR)

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