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Mit Julie Andrews in Las Vegas, 1976.
US-Schauspieler
Kultur

Burt Reynolds gestorben

Von Daniel Kothenschulte
21:36

Noch vor einigen Tagen war Burt Reynolds auf der Leinwand beim Filmfestival Venedig für eine Überraschung gut. Eine Dokumentation über Orson Welles erwies ihm Respekt als einem der wenigen Freunde, die dem alternden Genie in Hollywood geblieben waren. Gemeinsam spotteten sie über einen weiteren Regisseur, Peter Bogdanovich, und das ganze „New Hollywood“, das er repräsentierte. Was die beiden Recken verschiedener Generationen verband? Die Zeit war dabei, an ihnen vorbei zu ziehen. 

Fraglos zu Unrecht, aber Filme wie Reynolds’ große Erfolge, „Ein ausgekochtes Schlitzohr“ oder „Auf dem Highway ist die Hölle los“, wurden bald schon nicht mehr gemacht. Man muss nur die Leichtigkeit, mit der seine Figur des „Bandit“ etwa zehn ihm nachrasende Polizeiautos auf den Schrottplatz schickte, vergleichen mit der angestrengten Leistungsschau der heutigen „Fast and the Furios“-Filme: Eine fast kindliche Unschuld umwehte seine handfesten Männer, eine sanfte Seite harter Männlichkeit, die uns aus der Rückschau erst so richtig bewusst wird. Mit Filmpartnerin Sally Field war er zeitweilig auch privat liiert.

Statt Oscar nackt auf dem Bärenfell

1972, auf dem ersten Höhepunkt seines Ruhms, hätte seine Karriere noch eine andere Richtung einschlagen können. Gerade hatte er in John Boormans New-Hollywood-Drama „Deliverance“ („Beim Sterben ist jeder der Erste“) gespielt; als einer von vier Gelegenheitsaussteigern mit bürgerlichem Hintergrund gerät er da auf eine desaströse Kanufahrt. Eine Oscar-Nominierung wäre durchaus wahrscheinlich gewesen – bis sich Reynolds als erster Mann für eine Pin Up-Panoramaseite im „Cosmopolitan“- Magazin auszog. Da lag er auf einem Bärenfell, den linken Arm lässig über die Blöße gelegt – und während sich die einen fragten, was von dem Dargestellten nun mehr Haare hatte, fanden die anderen ihn ganz einfach schön. 

Der Mann mit dem satten Schnauzbart löste bei Umfragen Robert Redford als schönsten Mann ab – doch anders als Redford oder Eastwood war er trotz mehrerer Versuche nicht als Regisseur erfolgreich. So war er auf Regisseure angewiesen, die ihn so klug zu besetzen wussten wie Paul Thomas Anderson in „Boogie Nights“ (1997). Als Pornoproduzent, an dem wandelnde Ideale von Männlichkeit, Weiblichkeit und Sexualmoral spurlos vorbei gezogen waren, gab er ein ironisches Porträt seiner früheren Medienpersona.

Reynolds arbeitete ohne Unterlass bis zuletzt

Als einziger männlicher Hollywoodstar führte er fünfmal, von 1978 – 1982, in den Listen der zugkräftigsten Stars –, doch kaum jemand dürfte diesen Status auch so schnell verloren haben. Nachdem er 1984 bei den Dreharbeiten von „City Heat“ („Der Bulle und der Schnüffler“) mit Clint Eastwood bei einem missglückten Stunt schwer verletzt worden war – man schlug ihn mit einem unpräparierten Hocker ins Gesicht – blieben attraktive Rollen aus.

Zweimal erklärte er Privatinsolvenz, und bis zuletzt arbeitete er ohne Unterlass. Eine seiner letzten großen Hauptrollen im Hollywood-kritischen Independentfilm „The Last Movie Star“ ist für Deutschland noch zu entdecken. Wer wohl wirklich im Körper des beliebtesten männlichen Sexobjekts der späten siebziger Jahre gesteckt haben mag? 

Als aufbrausend, aber intelligent wurde er von anderen beschrieben, er selbst erklärte einmal, die Feinheiten des Lebens habe er von seiner zeitweiligen Partnerin, der Sängerin Dinah Shore gelernt, die zwanzig Jahre älter war als er. Mit 82 Jahren ging er nach einem Herzanfall selbst ein in die Unsterblichkeit. 

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